Schulden
Auch S&P stuft Griechenland herunter

Die griechische Regierung muss mehr tun, um das katastrophale Defizit des Landes zu reduzieren: Das glaubt zumindest die Ratingagentur Standard&Poor’s – und stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands herunter. Zuvor hatte bereits Fitch ein schlechteres Rating vergeben. Wie die Regierung in Athen reagierte.
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Reuters NEW YORK. Nach Fitch hat auch die Ratingagentur Standard&Poor’s ihre Note für die Kreditwürdigkeit Griechenlands gesenkt. Die Agentur stufte das Rating gestern Abend von „A-„ auf „BBB+“ herunter und warnte zugleich davor, sie könne die Bonitätsnote weiter absenken.

Die Schritte des Landes zur Reduzierung des Defizits würden wahrscheinlich nicht zu einem nachhaltigen Abbau des Schuldenbergs führen, erläuterte S&P. Der Mittelmeerstaat benötige bei der Reform seiner Finanzen ununterbrochene Anstrengungen über mehrere Jahre. Das Rating könnte erneut gesenkt werden, falls der politische Rückhalt für die Umsetzung des Sparprogramms fehle. Deshalb laste auch auf der neuen Note ein negativer Ausblick, erklärte S&P. Das Finanzministerium in Athen teilte dazu mit, Griechenland nehme die Bewertungen von Ratingagenturen zur Kenntnis. Es habe aber seine eigene Strategie, mit den Finanzproblemen umzugehen, und werde daran festhalten.

Griechenland hatte erst vor kurzem eingeräumt, dass sich das Staatsdefizit auf 12,7 Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft und damit doppelt so groß ist wie ursprünglich angegeben. Fitch hatte daraufhin vor rund einer Woche das Rating heruntergestuft und damit für Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt. Die Regierung in Athen kündigte daraufhin einen entschlossenen Schuldenabbau an, der jedoch an den Finanzmärkten durchfiel. Die griechische Bevölkerung startete gestern zudem einen Streik. Zunächst traten die Lehrer in den Ausstand, heute wollen Journalisten folgen, auch Fähren sollen bestreikt werden.

Mit einer Herabstufung durch die anderen Agenturen wurde weithin gerechnet. Daher werde die Reaktion der Märkte auf die neue S&P-Benotung wahrscheinlich nicht so stark ausfallen wie bei der Fitch-Senkung, sagte der Volkswirt Platon Monokroussos.

Durch die beiden Herabstufungen und dem damit verbundenen Vertrauensverlust dürfte es für Griechenland teurer werden, sich am Finanzmarkt Geld zu leihen, weil Gläubiger nun höhere Zinsen verlangen. Dennoch dürfte es dem Land auch weiterhin gelingen, an frisches Kapital zu kommen. Dies signalisierte eine wenige Stunden zuvor ausgegebene Anleihe im Volumen von zwei Mrd. Euro, die das Land in einer nicht-öffentlichen Auktion bei Banken platzierte. Käufer waren einem Händler zufolge vier griechische und ein ausländisches Institut.

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