Schulden: Investoren leihen Griechenland zumindest kurzfristig Geld

Schulden
Investoren leihen Griechenland zumindest kurzfristig Geld

Die staatliche Schuldenagentur startet mit regelmäßigen Platzierungen von kurzlaufenden Zinspapieren. Bei langlaufenden Anleihen bleiben Anleger vorsichtig. Eine große Rolle spielt dabei die Angst, dass Griechenland letztlich doch umschulden muss.
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FRANKFURT/ATHEN. Auf kurze Sicht ist das hochverschuldete Griechenland in den Augen von Investoren kreditwürdig: Die Regierung in Athen begab gestern Zinspapiere über 1,17 Mrd. Euro, die in 26 Wochen fällig werden, und bekam dafür von den Banken Kaufaufträge über mehr als vier Mrd. Euro. Damit zapfte Griechenland den Markt zum dritten Mal an, seit die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Land im Mai für die langfristige Refinanzierung Hilfskredite über 110 Mrd. Euro zugesagt haben. Griechenland will künftig zweimal im Monat kurzlaufende Geldmarktpapiere begeben.

Für die Kurzläufer musste Athen gestern einen Zins von 4,82 Prozent zahlen. Das war zwar mehr als die 4,65 Prozent, die Investoren im Juli für gleichlaufende Papiere verlangten. Trotzdem werteten viele Analysten die Auktion als Erfolg: "Die Überzeichnung war höher als im Juli, und der Zins lag unter dem, was im Handel verlangt wurde", sagt Chiara Cremonesi von der Unicredit. Gerade im aktuellen Umfeld sei das Ergebnis gut. Seit August sind die Anleihen aus Griechenland, Portugal und Irland unter Druck gekommen, weil sich Investoren vor allem um Irland mit seinem maroden Bankensystem Sorgen machen.

Die kurzlaufenden Geldmarktpapiere sind indes durch das drei Jahre laufende Hilfspaket abgedeckt und von daher für Investoren wenig riskant. Gestern überwies der IWF erneut 2,5 Mrd. Euro nach Athen. Bereits am Montag hatte die EU 6,5 Mrd. an Griechenland ausgezahlt. Die Gelder bilden die zweite Tranche des Hilfspakets. Bis Ende des Jahres wird Griechenland weitere neun Mrd. erhalten. Die restliche Summe soll bis April 2013 in vierteljährlichen Raten ausgezahlt werden. Ebenfalls 2013 beginnt die Tilgung der Hilfskredite.

Seit Montag prüfen Inspektoren des IWF, der EU-Kommission und der EZB in Athen die Fortschritte bei der Umsetzung des Konsolidierungsprogramms. Diese Fortschritte werden alle drei Monate überprüft und sind Voraussetzung für die Bewilligung der einzelnen Kredittranchen. Diesmal richten die Inspektoren ihr Augenmerk auf den Haushaltsentwurf 2011, der am 4. Oktober ins Parlament kommen soll.

Ein wichtiges Thema für die Inspektoren ist zudem die Entwicklung der Haushaltseinnahmen, die deutlich unter den Vorgaben des Konsolidierungsprogramms liegen. Zwar hat Griechenland sein Haushaltsdefizit in den ersten acht Monaten um 32,2 Prozent reduziert und damit das für diesen Zeitraum gesetzte Ziel von 26,5 Prozent Defizitabbau deutlich übertroffen. Der Erfolg ist jedoch vor allem Kürzungen bei den Ausgaben geschuldet, die um 7,7 Prozent zurückgingen. Die Netto-Staatseinnahmen stiegen dagegen nur 3,3 Prozent, verglichen mit einem für das Gesamtjahr angepeilten Wert von 13,7 Prozent.

Angst vor Umschuldung

Das macht auch Investoren skeptisch, die für zehnjährige griechische Anleihen eine Rendite von 11,3 Prozent fordern. Eine große Rolle spielt dabei die Angst, dass Griechenland letztlich doch ausstehende Anleihen umschulden muss. Athen werde die Laufzeit von Anleihen verlängern und die Zinszahlungen kürzen, ist zum Beispiel Mark Mobius, Aufsichtsrat bei der Fondsgesellschaft Templeton, überzeugt.

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sieht das anders und will Investoren ab heute persönlich von der Attraktivität griechischer Staatsanleihen überzeugen. Er unterbricht dafür die Gespräche mit den Vertretern des IWF, der EU und der EZB und reist mit ihnen zu Gesprächen mit potenziellen Anlegern nach London, Paris und Frankfurt. Ziel der Athener Regierung ist es, in der zweiten Hälfte 2011 den Markt im größeren Stil mit länger laufenden Staatsanleihen anzuzapfen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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