Schuldenkrise
China will raus aus US-Anleihen - kann aber nicht

China besitzt derzeit US-Staatsanleihen im Wert von 1,3 Billionen Dollar. Jetzt werden die Chinesen langsam unruhig. Sie wollen am liebsten raus aus US-Treasuries - doch der Ausstieg fällt schwer.

PekingDer Bonitätsverlust der Vereinigten Staaten hat die chinesische Regierung in Alarmstimmung versetzt. "Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen", verbreitete die regierungstreue Nachrichtenagentur Xinhua. Wenn die USA weitere Nackenschläge verhindern wollten, müssten sie ihre "riesigen Militärausgaben und aufgeblähten Sozialausgaben" beschneiden.

"Was in den USA passiert, ist destruktiv", sagte der prominente Ökonom Yuan Gangming von der Qinghua-Universität dem Handelsblatt. "Es gibt keine Anzeichen für eine Verbesserung der Lage." China sei zwar weiter gezwungen, in US-Papiere zu investieren - doch das liege am Mangel an Alternativen. Auch ein Teilausfall der erheblichen US-Investments gilt für Yuan, der auch Mitglied der einflussreichen staatlichen Wissenschaftsakademie CASS ist, bereits als denkbares Szenario.

China besitzt derzeit US-Staatsanleihen im Wert von 1,3 Billionen Dollar. Das Schwellenland ist der Hauptgeldgeber der USA. Während immer klarer wird, dass Washington mittelfristig mit Überschuldung zu kämpfen hat, stellt sich für China die Frage nach der Sicherheit dieser Geldanlage. Für die Amerikaner wiederum hängt einiges von der Antwort Chinas auf diese Frage ab. Denn ohne China als willigen und zahlungsfähigen Abnehmer ihrer Anleihen wird die Refinanzierung deutlich schwerer. Washington müsste dann höhere Zinsen bieten, um Käufer für seine Schuldpapiere zu finden.

Eine echte Abkehr vom Dollar ist für China mittelfristig aber unmöglich, wie Experten aus Politik und Wissenschaft bestätigen. "Die Regierung hat einfach keine Wahl", sagte Qinghua-Ökonom Yuan. Tatsächlich wäre es sinnvoller, wenn China seine Dollar statt in den amerikanischen Staat in den Kauf realer Anlagegüter stecken würde, beispielsweise in Anteile an Hochtechnik-Unternehmen oder Rohstoffquellen wie Minen. "Doch die verkaufen die Amerikaner leider nicht", sagte Yuan. Er empfiehlt seiner Regierung daher, in den USA mehr Druck zu machen, um den Markt für Zukäufe zu öffnen.

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