Schuldenkrise

Erleichterung über Italien-Anleihen

Nach der Herabstufung von Spanien sorgt eine Auktion italienischer Staatsanleihen für Spannung. Das Land muss zwar höhere Zinsen zahlen, kommt aber mit einem Schrecken davon. Der Euro bleibt stabil.
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Italien leiht sich erfolgreich Geld. Quelle: dpa

Italien leiht sich erfolgreich Geld.

(Foto: dpa)

Nach der Herabstufung Spaniens gerät auch Italien bei seiner Refinanzierung wieder stärker unter Druck. Das Land musste am Freitag bei der Platzierung von Staatsanleihen Investoren so hohe Zinsen zahlen wie seit Januar
nicht mehr. Italien sammelte 5,95 Milliarden Euro ein, geplant waren 3,75 bis 6,25 Milliarden Euro. Für zehnjährige Papiere stieg die Durchschnittsrendite auf 5,84 Prozent und lag damit höher als bei einer ähnlichen Auktion im März mit 5,24 Prozent.

Die Emission war 1,48-fach überzeichnet, zuvor war es 1,65-fach. Die Rendite der Papiere mit Laufzeit bis 2017 stieg auf 4,86 Prozent, nach 4,18 Prozent im März. Diese Auktion war 1,34-fach überzeichnet.

Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit Spanien herab und schürte damit neue Sorgen, dass sich die Schuldenkrise ausweiten könnte. S&P setzte den Ausblick auf negativ und senkte die Bewertung auf BBB-plus von zuvor A.

Bei welchen Staaten die Bonität in Gefahr ist
Greece's PM Papademos looks on during a parliament session in Athens
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Die Ratingagenturen haben den Daumen über Griechenland als erstes gesenkt. Bereits im Juni 2011 stuften sie das Land als erstes aus Europa auf Ramschniveau herab. Mittlerweile ging es wieder bergauf. Nur Moody's hält seit März 2012 das Rating auf dem niedrigsten Niveau. S&P und Fitch sind etwas nachsichtiger – auch deshalb hat Athen die rote Laterne beim Rating der EU-Staaten abgegeben.

(S&P/Moody's/Fitch): B-/C/B-

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Portugal war das zweite europäische Land, das die Ratingagenturen Anfang Juli 2011 auf Ramschniveau herabgestuft hatten. Anfang 2012 hat Moody's die Kreditwürdigkeit um eine Stufe auf Ba3 abgesenkt. Zuvor hatte bereits S&P die das Rating von BBB- auf BB gesenkt. Auch Fitch die Bewertung des Landes von BBB- auf BB+ herabgestuft. Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Bis zum ersten Quartal 2013 hat sich an den Bewertungen nicht geändert.

Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BB/Ba3/BB+

France's President Nicolas Sarkozy attends a session at the World Economic Forum in Davos
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Nach einem Warnschuss von Moody's entzog als erste Ratingagentur S&P Frankreich 2011 die Topnote, das sogenannte „Triple A“. Ende 2012 zog auch Moody's nach und platzierte das von Hollande regierte Land auf den zweitbesten Rang. Vor allem die schlechte Haushaltssituation und die geringen Wachstumsaussichten des Landes waren auschlaggebend.

Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+ Aa1 AAA

huGO-BildID: 24100839 Prime Minister Mario Monti answers to journalists during a press conference after a meeting during the consultations to form a
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Nach der Ära Silvio Berlusconi hatte Mario Monti Italien übernommen. Doch die Probleme sind weiter gewachsen und Monti ist wieder auf dem Absprung. Alle drei großen Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit des Landes immer weiter herabgestuft – nach dem Patt bei Wahl 2013 senkte auch Fitch im März erneut den Daumen und Italien verlor das letzte Rating mit einem A in der Note.

Rating (S&P/Moody's/Fitch): BBB+/Baa2/BBB+

Spanish Congress of Deputies session
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Seit Ende 2011 leitet Mariano Rajoy die Geschicke in Madrid – er galt als Hoffnungsträger Spaniens. Doch mit ihm an der Spitze ging es auch mit den Rankings stetig bergab. Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Spaniens im Oktober 2012 gleich um zwei Stufen von „BBB+“ auf „BBB-“ gesenkt. Damit befindet sich die Kreditwürdigkeit der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau.

Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BBB-/Baa3/BBB

Moody's senkt Irland auf «Ramsch»
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Irland war Ende 2010 unter den Euro-Rettungsschirm EFSF geflüchtet, vorangegangen waren eine schwere Bankenkrise und ein Einbruch des Wirtschaftswachstums. Seitdem wird das Land mit internationalen Finanzhilfen von 67,5 Milliarden Euro vor der Staatspleite bewahrt. Auch wenn sich die Noten des Landes in letzter Zeit nicht verändert haben, sehen die Prognosen aber wieder besser aus. Zunächst hat Fitch ihren Ausblick auf "stabil" angehoben, später hat die S&P ebenfalls ihren Ausblick auf "stabil", danach sogar auf "positiv" verbessert.

Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BBB+/Ba1/BBB+

Dimitris Christofias
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Schwere Zeiten für Zyperns Präsident Dimitris Christofias: Bei S&P liegt das Land mittlerweile auf Ramsch-Niveau. Bei Fitch liegt die Bonitätsnote noch immer zwei Stufen über dem Junk-Bereich, bei Moody's seit der jüngsten Herabstufung Anfang November nur noch eine. Moody`s hat das Rating zuletzt Mitte März gesenkt.

Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BB+/Ba1/BBB

Analysten bezeichneten die italienische Auktion vor diesem Hintergrund weitgehend als solide. „Es sieht besser aus als der Markt erwartet hatte“, sagte Achilleas Georgolopoulos von der Lloyds Bank in London. Auch Michael Leister, Zinsstratege von der DZ Bank, betonte: „Es gab wenigstens keine weiteren schlechten Nachrichten.“

Am Vormittag haben Anleger bereits mit Verkäufen spanischer Staatsanleihen auf die Herabstufung des südeuropäischen Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor's reagiert. Zehnjährige spanische Bonds rutschten um 1,16 Punkte auf 98,8 Punkte ab und rentierten damit wieder über der für die Refinanzierung kritischen Marke von sechs Prozent.

Auch der Euro geriet zeitweise unter Druck und fiel bis auf 1,3156 Dollar. Vor der Nachricht hatte die Gemeinschaftswährung um 1,3240 Dollar notiert. Aktuell notiert der Euro aber wieder über der Marke von 1,32 US Dollar.

„Diese Herunterstufung zeigt, dass die europäischen Regierungen immer noch damit kämpfen, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen“, sagte Analyst Philippe Gijels von BNP Paribas Fortis. „Wir werden wohl weitere Downgrades anderer Ratingagenturen sehen.“

Die Märkte sollten sich auf weitere Negativ-Nachrichten einstellen. „Die Konsolidierungsphase an den Märkten wird noch ein Stück anhalten.“

  • rtr
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  • Wie sind eigentlich die monatlichen Schwankungen der EZB wo zu bewerten? Gibt´s da eine Auskunft

  • Das ganze Schuldgeldsystem mit seiner Exponentialfunktion des Zins- und Zinseszins ist pervers!
    Kein Staat und keine Privatperson kann auf Dauer, die nach ca. 70-80 Jahren nach einer Währungsreform und der Verschuldungsspirale des Schuldgeldsystems das explosionsartige Ansteigen der Zins- und Zinseszinsforderungen erwirtschaften.
    Nur durch extreme Wachstumsraten liese sich diese Spirale eindämmen. Da aber in den westlichen Industrienationen kein Wachstum mehr generiert werden kann, wird die exponentiell weiter ansteigende Verschuldung für Staatsbankrotte sorgen. Wer die Staatsverschuldung abbauen will, muß die konträr dazu stehenden Spareinlagen des Bürgers (Renten, Pensionen, Spareinlagen usw.) zerstören/entwerten, oder es müssen sich weiterhin durch Exportüberschüsse Schuldner im Ausland finden, die sich gegenüber der BRD verschulden. Alternative zwei wäre ein Schuldenschnitt mit einhergehender Währungsreform. Keine Alternative wäre ein kriegerischer Konflikt in Euroland.

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