Schuldenkrise
Eurobonds sind besser als ihr Ruf

Gemeinsame Anleihen der Euro-Länder sind kein Allheilmittel in der Schuldenkrise. Das Problem ist: Kaum jemand sagt klar, was er sich unter Eurobonds vorstellt. Dabei hätten die Papiere durchaus Vorteile. Eine Analyse.
  • 82

FrankfurtDie Schar der Anhänger von Anleihen, die alle Euro-Staaten gemeinsam begeben, wird größer. Das Europaparlament will sie, die EU-Kommission hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, und auch die deutsche Opposition steht dahinter. Gleichzeitig wehren sich die Gegner immer vehementer gegen die Einführung von Eurobonds, in Deutschland drohen Teile der FDP gar mit einem Bruch der Regierungskoalition, falls die CDU sich den Eurobond-Fans anschließt.

Klar ist dabei: Eurobonds sind kein allein selig machender Weg, und sie können auch nicht von heute auf morgen eingeführt werden. Sie können aber die Eurozone stabilisieren und verhindern, dass künftige Krisen so ausufern wie die derzeitige.

Das Problem ist, dass  kaum jemand klar sagt, was er sich unter Eurobonds vorstellt. Viele Befürworter betonen, dass dies der einzig gangbare Weg zur Lösung der Schuldenkrise der Euro-Randländer sei. Die Gegner befürchten rasant steigende Zinskosten für Deutschland und mangelnde Anreize der Schuldensünder zur Haushaltsdisziplin.

Letzteres Argument zieht schon einmal nicht, denn niemand will, dass alle Länder ihren kompletten Finanzierungsbedarf über die gemeinsamen Anleihen decken. Im Gegenteil: Laut dem gut ein Jahr alten Vorschlag des Brüsseler Forschungsinstituts Bruegel – Grundlage der Diskussionen – sollen die Staaten nur einen Teil ihrer Schulden über gemeinsame Anleihen refinanzieren. Die Bruegel-Forscher nennen diese Anleihen „Blue Bonds“, die für eine Gesamtverschuldung für bis zu 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der jeweiligen Länder stehen. Dies entspricht der Höchstgrenze des Maastricht-Vertrags für Euro-Mitglieder.

Den Rest ihres Finanzbedarfs müssten die Länder in alleiniger Verantwortung über sogenannte „Red Bonds“ decken und wären deshalb weiterhin aus Eigeninteresse an solider Haushaltspolitik interessiert. Für diese Anleihen soll es von vornherein Umschuldungsklauseln und keine internationale Haftung geben. Zudem dürften Banken diese Bonds nicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheit einreichen und müssten sie mit höherem Eigenkapital unterlegen. Ein Ausfall dieser Anleihen könnte somit keine systemische Krise im Finanzsystem auslösen. Gerade diese Red Bonds ließen sich indes derzeit für schwache Länder nicht einführen. Allenfalls ginge dies mit einem Abschlag, also einer Umschuldung.

Seite 1:

Eurobonds sind besser als ihr Ruf

Seite 2:

Die Rettungspakete könnten kleiner ausfallen.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Eurobonds sind besser als ihr Ruf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Über ihre Verhältnisse gelebt" das ist eine fiese Unterstellung die eigentlich vom echtem Problèm ablenken und die das Hungern als moralische Pflicht erscheinen lassen soll.
    Man kan über seiner Verhältnisse und trotzdem unter seiner Bedürfnisse leben. Viele tun das auch, sie sind überschuldet und haben trotzdem kaum genug Geld um sich Kleider oder Lebensmittel für sich selbst und die Kinder zu kaufen.
    Also bitte, lassen Sie diesen blöder Ausdruck weg.

  • Umgerechnet heisst das also jedes Jahr knapp 1 % MWSt.-Erhöhung bei uns - super. Und was soll sich da wesentlich für die Schuldnerstaaten verbessern? Alle Bonds über den 60% kosten dann entsprechend mehr Zinsen, 10%-20%?

    Wie lange wird es wohl dauern, bis diese Grenze aufgehoben wird? Siehe Non-Bailoutklauseln und das Verhalten der EZB?

  • Dem kann ich mich nur Aanschließen. Durch die Regeln der EURO-Bonds werden lediglich die alten Lügen durch neue Lügen ergänzt.

    Weder EZB noch die Mitgliedsstaaten halten sich an die in den Verträgen festgelegten Regeln.

    Rechtsbruch ohne Ende! Das Lügengebäude der EZB wird zusammenbrechen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%