Schuldenkrise
Irland kämpft sich zurück an den Kapitalmarkt

Nach zwei Jahren unter dem Rettungsschirm will Irland zehnjährige Anleihen an den Markt bringen. Noch bedrückt das schwache Wachstum das Land, im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft weiter. Hoffnung macht der Export.
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DublinDas schuldengeplagte Irland kämpft sich allmählich zurück an den freien Kapitalmarkt. Nach mehr als zwei Jahren unter dem Euro-Rettungsschirm EFSF will das Land Anfang 2013 wieder zehnjährige Staatsanleihen auflegen, wie Finanzminister Michael Noonan am Donnerstag ankündigte. Bis dahin liegt allerdings noch ein Stück Arbeit vor den Iren, die weiter mit schwachem Wachstum kämpfen. Ein Hoffnungsschimmer ist, dass die Exporte im ersten Vierteljahr dieses Jahres ordentlich zugelegt haben.

Der irische Staatshaushalt war Ende 2010 wegen der hart von der Finanzkrise getroffenen Banken ins Schlingern geraten. Weil zu hohe Zinsen den Weg an den Kapitalmarkt versperrt haben, wird das Land seitdem vom Euro-Rettungsschirm EFSF und vom IWF mit einem Hilfsprogramm von 85 Milliarden Euro über Wasser gehalten.

„Bis Januar, Februar oder März 2013 würde ich, wenn alles gut geht, planen, wieder zur Ausgabe neun- oder zehnjähriger Anleihen zurückzukommen", sagte Noonan der „Financial Times". Gelingt die Operation, kann das Hilfspaket wie geplant Ende 2013 auslaufen - Irland würde sich wieder selbstständig bei Banken und anderen Käufern von Staatsanleihen refinanzieren können. Vergangene Woche konnte die Regierung in Dublin erstmals seit November 2010 wieder kurzfristige Schuldtitel ausgeben.

Aus Sicht der so genannten Troika aus EZB, EU und IWF, die die Fortschritte der Reformauflagen vierteljährlich prüft, ist Irland auf einem guten Weg. Trotz erheblicher Herausforderungen werde das im Gegenzug für die Hilfen vereinbarte Reformprogramm gut umgesetzt, heißt es im aktuellen Troika-Bericht. Wichtig sei, dass die Beschäftigung wieder anziehe. Dazu wolle die Regierung auch auf Mittel der Europäischen Investitionsbank zugreifen. Die Aussichten für 2012 und 2013 blieben gemischt.

Tatsächlich zeigen die aktuellen BIP-Statistiken weiter Licht und Schatten: Im ersten Quartal schrumpfte die irische Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent zum Vorjahresquartal, wie das Statistikamt mitteilte. Zugleich wurde aber das BIP-Plus in 2011 von 0,7 auf 1,4 Prozent revidiert, was die Abschwächung zu Beginn dieses Jahres in einem milderen Licht erscheinen lässt.

Hoffnung macht der Regierung zudem, dass die Exporte zu Jahresbeginn um 2,6 Prozent im Quartalsvergleich zulegten. „Die negative Wachstumsrate dürfte nicht von Dauer sein", sagte der Chefvolkswirt von Davy Stockbrokers, Conall McCoille: "Insgesamt sind die neuen BIP-Zahlen ein positives Zeichen für Irland." Die EU-Kommission erwartet für das Gesamtjahr ein Wachstumsplus.

Probleme bereitet allerdings weiter die Binnennachfrage. Sie wird durch die Sparprogramme und die hohe Arbeitslosenquote von fast 15 Prozent belastet. In der Folge schrumpfte der private Konsum im ersten Quartal um 2,1 Prozent. Anzeichen für ein Anziehen der Binnenkonjunktur gibt es bisher noch keine.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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