Schuldenkrise

Spanien muss höhere Renditen zahlen

Geringere Nachfrage, höhere Renditen: Spanien musste am Kapitalmarkt mehr Zinsen für frisches Geld bezahlen. Anleger fürchten, dass Spanien sein Defizit nicht in den Griff bekommt. Auch die Aktienmärkte reagieren.
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Spanien musste am Mittwoch am Kapitalmarkt höhere Zinsen bezahlen. Quelle: dpa

Spanien musste am Mittwoch am Kapitalmarkt höhere Zinsen bezahlen.

(Foto: dpa)

MadridSpanien hat sich am Kapitalmarkt zu höheren Zinsen als zuletzt mit Geld eingedeckt. Bei der Aufstockung von Anleihen, deren Laufzeiten von 2015 bis 2020 reichten, verlangten die Anleger am Mittwoch Renditen von 2,89 bis 5,338 Prozent. Zuletzt hatte Spanien bei ähnlichen Auktionen lediglich 2,44 beziehungsweise 5,15 Prozent bieten müssen.

Das Interesse an einigen Anleihen war niedriger als zuletzt: So überstieg die Nachfrage nach den bis 2015 laufenden Papieren das Angebot nur um das 2,4-Fache. Zuletzt war eine ähnliche Auktion 5-fach überzeichnet. Stärker nachgefragt als zuletzt waren hingegen die bis 2020 laufenden Schuldtitel mit einer Überzeichnungsquote von 3,0 (zuletzt 2,0). Insgesamt lag das Ausgabevolumen mit knapp 2,6 Milliarden Euro am unteren Ende der angestrebten Zielspanne von 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro.

Die mit Enttäuschung aufgenommene Auktion drückte den Dax weiter ins Minus. Der Leitindex rutschte um bis zu 1,9 Prozent auf 6852 Zähler ab, nachdem er zuvor gut 1,2 Prozent im Minus gelegen hatte. Die Kurse zehnjähriger spanischer Anleihen weiteten ihre Verluste ebenfalls deutlich aus.

Die größten Risiken für die Märkte
Traders in the S&P 500 pit at the Chicago Mercantile Exchange's Chicago Board of Trade
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Der internationale Bankenverband IIF hat die größten Risiken für die Märkte in den kommenden zwölf Monaten aufgelistet. Die Liste trägt den Titel "What worries us the most", zu deutsch: "Was uns am meisten besorgt". Der Verband vertritt mehr als 400 Finanzinstitute weltweit. Josef Ackermann steht seit 2003 an der Spitze der mächtigen Lobby-Organisation, die vor kurzem den Schuldenschnitt für Griechenland ausgehandelt hat.

Mehrere Krisenherde auf der Liste des IIF sind in Europa angesiedelt. Wobei die Experten auch darauf hinweisen, dass nicht alles schiefgehen muss, was schiefgehen könnte.

Griechenland-Hilfe
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Griechenland

Spannend ist wie sich das Land nach dem zweiten Rettungspaket und dem Schuldenschritt entwickeln wird. Der große Unsicherheitsfaktor: Die Parlamentswahlen am 6. Mai. Umfragen deuten darauf hin, dass Kommunisten, linke und rechtsgerichtete Parteien, die gegen das Sparprogramm sind, mehr als 40 Prozent der Wähler für sich gewinnen könnten. Sie haben erklärt, sie würden das Sparprogramm entweder gar nicht umsetzen oder neu verhandeln wollen.

Konservative und Sozialisten, die mit großen Verlusten rechnen müssen, haben sich dagegen schriftlich verpflichtet, die Maßgaben der Geldgeber umzusetzen. Sollte Griechenland die Auflagen nicht erfüllen, würden die Geldgeber ihre Hilfszusagen zurückziehen - damit stünde Griechenland die unmittelbare Pleite bevor.

Auf welche Faktoren die Investoren achten sollten:

- Fortschritte bei der Erfüllung ehrgeizigen neuen finanzpolitischen Ziele
- Zusammensetzung der neuen Regierung
- Aussichten für eine Erholung im zweiten Halbjahr 2012

(Foto: Akropolis in Athen)

Portugal Financial Crisis
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Portugal

Nach dem Schuldenschnitt für Griechenland rückt die Staatsverschuldung Portugals in den Fokus. Das Problem: Das Land muss seine ehrgeizigen Haushaltsziele erfüllen, darf gleichzeitig aber nicht das Wachstum abwürgen. Dass Portugal wie geplant im zweiten Halbjahr 2013 auf den Kapitalmarkt zurückkehren kann, gilt als unwahrscheinlich.

Auf welche Faktoren die Investoren achten sollten:

- Spreads portugiesischer Staatsanleihen

- Fortschritt der versprochenen Sparmaßnahmen

- Weitere Hilfszusagen der Geberländer, falls Portugal nicht wie geplant an den Kapitalmarkt zurückkehren kann

(Foto: Demonstranten vor dem Parlament in Lissabon)

huGO-BildID: 25785317 General view of the Puerta del Sol Square in Madrid during a demonstration on a national strike day on March 29, 2012. Spaniard
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Spanien

Ministerpräsident Mariano Rajoy hat die strengsten Sparmaßnahmen seit der Rückkehr Spaniens zur Demokratie im Jahr 1978 vorgelegt. Er riskiert damit eine tiefere Rezession, um zu verhindern, dass das Land Opfer der Euroraum-Schuldenkrise wird. Rajoy, der seit Dezember im Amt ist, will das Haushaltsdefizit auf von 8,5 auf 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken, obwohl die Wirtschaft die zweite Rezession seit 2009 erlebt und die Arbeitslosenquote bei 23 Prozent liegt.

Auf welche Faktoren die Investoren achten sollten:

- Haushaltsdefizit

- Arbeitslosenquote - die Daten für das 1. Quartal 2012 sind am 27. April fällig

(Foto: Demonstration auf dem "Puerta del Sol"-Platz in Madrid)

An Irish flag flies next to an EU flag near the EU Commission headquarters in Brussels
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Irland

Irland ist das einzige EU-Land, in dem ein Referendum über den neuen EU-Fiskalpakt vorgeschrieben ist. Der Fiskalpakt soll künftig eine stärkere Kontrolle der Länderhhaushalte ermöglichen. Bei einer Umfrage für die „Sunday Business Post“ gaben 49 Prozent der Iren an, für das neue Regelwerk stimmen zu wollen. Bei der ersten Umfrage vor drei Wochen lag die Zustimmung noch fünf Prozent niedriger. 33 Prozent der Befragten wollen gegen den Fiskalpakt stimmen und 18 Prozent waren noch unentschlossen. Die Abstimmung wird voraussichtlich im Mai oder Juni stattfinden. Der Vertrag kann allerdings auch ohne ein Ja aus Irland in Kraft treten. Trotzdem wäre ein Scheitern ein schlechtes Signal für die Märkte.

Auf welche Faktoren die Investoren achten sollten:

- Wirtschaftsleistung im Anschluss an die neue Welle von Sparmaßnahmen
- Meinungsumfragen im Hinblick auf das geplante Referendum
- Aufstieg der Sinn Fein in Umfragen. Die Partei gilt als politischer Arm der IRA.

(Foto: Irische Flagge neben Europäischem Pendant in Brüssel)

USA verschärfen Öl-Sanktionen
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Naher Osten

Nach Meinung der Experten des IIF könnten die steigenden geopolitischen Risiken in dieser Region zu einem neuen Ölpreisschock und oder zu Versorgungsunterbrechungen führen. Neben dem möglichen Konflikt zwischen dem Iran und westlichen Mächte über das Atomprogramm des Landes weisen sie auch auf die Unruhen und den beginnende Bürgerkrieg in Syrien hin. Aber auch die Herausforderungen bei der Wiederherstellung der Stabilität in Libyen sind ein Thema der Region. Zudem bestehe die Gefahr von politischen Spaltungen im Irak.

Auf welche Faktoren die Investoren achten sollten:

- Auswirkungen neuer Sanktionen gegen den Iran
- Gefahr eines direkten militärischen Konflikt könnte zu einer Störung des Öl-Handel durch die Straße von Hormus führen
- Bereitschaft von Saudi-Arabien die fehlenden Ölversorgung auszugleichen.

- Ausmaß der Erholung der libyschen Produktion

(Foto: Die Flaggen des Iran und der nationalen iranischen ölgesellschaft (NIOC) auf einem iranischen Gasfeld.)

Mideast Egypt
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Ägypten

Für das Land besteht die Gefahr einer Währungskrise. So sind die offiziellen Währungsreserven deutlich geschrumpft. Auch der Tourismus und die ausländischen Direktinvestitionen sind angesichts der immer noch nicht zur Ruhe gekommenen politischen Lage sehr schwach.

Auf welche Faktoren die Investoren achten sollten:

- Einigung über einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar.

- Präsidentschaftswahlen Ende Mai

(Foto: Ägyptische Demonstranten auf dem Tahrir Platz in Kairo)

„Die Marktreaktion finde ich nicht ganz gerechtfertigt. Zwar lag das Emissionsvolumen am unteren Rand der Planung, aber schließlich hat Spanien in den vergangenen Wochen und Monaten meist so viel wie geplant verkaufen können“, sagte Sebastian von Koss, Analyst bei HSBC Trinkaus. Dass die Renditen gegenüber der letzten Auktion gestiegen seien, spiegele lediglich die Entwicklung am Sekundärmarkt wider.

Spanien stemmt sich mit einem drastischen Sparhaushalt gegen die Schuldenkrise. Zuletzt hatte jedoch Ministerpräsident Mariano Rajoy in Brüssel ein Aufweichen seines kurzfristigen Defizitziels erreicht, was bei Investoren Irritationen auslöste. 2013 soll das in die Rezession abgerutschte Land aber wieder die im Maastricht-Vertrag festgelegte Obergrenze für das Staatsdefizit von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) einhalten.

Spaniens Vorzeigemodell: Mondragón

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4 Kommentare zu "Schuldenkrise: Spanien muss höhere Renditen zahlen"

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  • Wie recht Sie leider haben...solange der Peripherie nicht klar gemacht wird, dass der Lebensstandard, den Sie in den letzten Jahren genossen haben, eine schuldengestützte Fata Morgana war und sie ihn nicht halten können, solange nicht andere Länder weiterhin ihre Industrieprodukte an sie veschenken oder sie produktiver werden, wird es mit Europa langsam den Bach runtergehen...denn was die Herren Politiker offensichtlich komplett übersehen haben: Wir haben mit dem sich zuspitzenden internationalen Wettbewerb um die verbleibenden Ressourcen der Welt eigentlich ganz andere Probleme als den schwächsten und unproduktivsten Volkswirtschaften der europäischen Union immer wieder Blaupausen zu verschaffen, um sich auch ja nicht an veränderte Rahmenbedingungen anpassen geschweige denn weiterentwickeln zu müssen. Frau Merkel als Naturwissenschaftlerin sollte eigentlich wissen, dass "Survival of the Unfittest" sicher nicht die Devise ist, mit der man optimistisch in die Zukunft blicken kann...besonders dann nicht, wenn die Starken anfangen, die Mißerfolgskonzepte der Schwachen zu übernehmen und nicht anders herum!!

  • Spanien steht kurz vor der Pleite bzw. wäre es schon, wenn die EZB nicht vor Kurzen den spanischen Privat-Banken Millarden geliehen hätte um damit span. Staatsanleihen zu kaufen (Spanien Geld zu leihen).

    Um korrekt, über das Thema Spanien (und genauso muss man es mit Griechenland, Italien, Portugal, Irland, Ungarn u.a. sehen) und deren tatsächlichen Schulden zu sprechen, muss man alles addieren, um auf eine realistische Schuldensumme zu kommen. In der Folge wird Spanien sicher keinen € zur Erstellung des ESM – mit 800 Milliarden € – beitragen. Mit den anderen genannten Ländern ist es nicht anders. Das heißt, dass die Haftungen (klingt nicht so schlimm als Verluste aus nicht einbringbaren Forderungen) von diesen Ländern zur Errichtung des ESM nicht kommen werden. Wenn der ESM aber mit 800 Milliarden € ausgestattet werden muss, dann wird das Geld ausschließlich von Deutschland, Österreich, Holland und Finnland kommen (Luxemburg steuert das Trinkgeld bei). Bei Österreich und Holland bin ich aber auch nicht mehr so sicher, da diese die 3 % Schuldengrenze nur sehr schwer halten werden können. Wenn dann niemand mehr bezahlt, dann kann sich Deutschland auch bald von den theoretischen 600 Milliarden € auf ihrem Target-2 Pluskonto verabschieden. Denn wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren, sagt man.

    Alles was ich hier geschrieben habe, trifft zum Teil zur Gänze und überwiegend teilweise zu. Aber die Schulden, von denen immer wieder gesprochen wird, sind um ein vielfaches höher, was heißt, das ein Zusammenbruch des € immer schneller, warscheinlich wird.

    Diese ganze EU beschäftigt sich schon seit Jahren mit nichts anderem, als mit €, Rettungspaketen, Geld drucken, ESM usw. Der ESM dient ausschließlich dem Zweck, dass die politischen Verbrecher das ausquetschen der Völker, ohne sich mit irgend jemandem zu streiten und ohne jemanden zu fragen, einfach abrufen können. Unwiderruflich auf ewig !!!

  • @Petra
    Den Haircut wird es früher oder später bei Allen Staatsanleihen geben. Die Frage ist nur wann?
    Kein Staat hat jemals seine Schulden werthaltig zurückgezahlt!
    Wette alles darauf.

  • Auch für spanische Anleihen wird es einen Haircut geben, genauso wie für portugisische und Italienische Anleihen. Vielleicht noch nicht dieses, spätestens nächstes Jahr. Selbst schuld, wer da jetzt noch investiert... Von mir kein Mitleid beim kollektiven Jammern und Schuldzuweisen. Die Entwicklung ist mehr als vorhersehbar!

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