Schuldenkrise
USA bekommen nach Zahlungsausfall Galgenfrist

Die USA steuern ungebremst auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Sollte es tatsächlich zum Ernstfall kommen, droht an den Märkten aber nicht umgehend Chaos. Ein zusätzlicher Puffer gibt den USA eine letzte Chance.
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FrankfurtDie drohende Zahlungsunfähigkeit der USA wird den Markt für Kreditausfall-Versicherungen nicht ins Chaos stürzen - jedenfalls nicht sofort. Die USA können nachträglich zahlen. „Die Nachfrist gilt für alle US-Bonds, in deren Bestimmungen keine oder eine von weniger als drei Werktagen festgeschrieben sind“, betont ISDA-Chef-Sprecher Steven Kennedy. Seien in den Regularien der Treasuries längere Nachfristen vorgesehen, habe die Regierung entsprechend mehr Zeit, das fehlende Geld aufzutreiben In den vergangenen Tagen war heftig darüber diskutiert worden, ob bei einer ausgefallenen Zins- oder Rückzahlung die CDS sofort fällig würden. Da bislang ein Zahlungsausfall der weltgrößten Volkswirtschaft als undenkbar galt, fehlt es an eindeutigen Regelungen für diesen Fall. Entsprechend groß ist die Verunsicherung an dem Markt, der Anlegern eigentlich Sicherheit bieten soll.

Den Daten des Zahlungsabwicklers Depository Trust & Clearing Corp zufolge müssten CDS-Anbieter den Käufern dieser Papiere 4,77 Milliarden Dollar zahlen, sollten die USA ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Im Vergleich zum Gesamtmarkt sind dies allenfalls Peanuts: Derzeit sind US-Bonds im Volumen von neun Billionen Dollar im Umlauf. Viele Investoren sehen bislang keinen Nutzen darin, einen „sicheren Anlagehafen“ abzusichern.

Für die einzelnen CDS-Anbieter ist der finanzielle Schaden Börsianern zufolge ebenfalls überschaubar. Schließlich bekämen sie bei Fälligkeit der Versicherungen im Tausch die entsprechenden Anleihen. Deren Kurs werde aber selbst nach einer nicht geleisteten Zahlung voraussichtlich weniger als zehn Prozent unter den Nominalwert fallen.

Über die Auszahlung der CDS entscheidet nach Angaben der ISDA ein Komitee aus 15 Banken und Vermögensverwaltern. Darin vertreten sind unter anderem Deutsche Bank, JP Morgan, Goldman Sachs und BlackRock.

Angesichts des anhaltenden Streits um die Anhebung der US-Schuldengrenze und der drohenden Zahlungsunfähigkeit haben in den vergangenen Tagen immer mehr Halter von US-Anleihen zu CDS gegriffen. So kostet die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets an T-Bonds derzeit mit knapp 60.000 Dollar etwa so viel wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr.

Börsianer betonen allerdings, dass dieser Wert immer noch vergleichsweise niedrig sei und der Markt damit die Wahrscheinlichkeit eines US-Zahlungsausfalls als sehr gering einschätze. Zum Vergleich: Die Versicherung von Krediten an die europäischen Krisen-Staaten Griechenland, Portugal oder Irland kosten 15 bis 30-mal so viel. CDS auf Bundesanleihen sind dagegen rund 20 Prozent billiger als diejenigen auf US-Bonds.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenkrise: USA bekommen nach Zahlungsausfall Galgenfrist"

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  • Kein Mensch sieht da durch.Die politischen Parteien der USA pokern im Sinn des Wortes um die Durchsetzung ihres jeweiligen Credos zur angemessenen Behandlung dieses ernsthaften Problems.
    Solange am Ende zur Vermeidung der Staatspleite ein tragender Kompromiss erzielt werden wird,mag dieses Ringen um die bessere Lösung hinnehmbar sein.
    Von außen kann man den USA nur schwerlich 'gute Ratschläge'geben,die täglich von geistigen Trittbrettfahrern in der internationalen Presse zu lesen sind.

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