Schuldenschnitt für Griechenland
Gläubiger stimmen ihrer Enteignung zu

Die privaten Gläubiger haben dem Schuldenschnitt für Griechenland mit großer Mehrheit zugestimmt - und damit ihrer eigenen Enteignung. Wer sich bis zuletzt geweigert hat, wird nun zur Umschuldung gezwungen.
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AthenGriechenland kann den Schuldenschnitt durchziehen: Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums vom Freitagmorgen lag die Beteiligung privater Gläubiger am Schuldenschnitt bei
83,5 Prozent. Nach Angaben des Finanzministeriums beteiligten sich private Gläubiger, die griechische Anleihen im Wert von 172 Milliarden von insgesamt 206 Milliarden Euro hielten.

Das Ministerium kündigte zugleich an, die Umschuldungsklauseln (CAC) aktivieren zu wollen, die es ihr erlauben würde, weitere Gläubiger zur Teilnahme an der Aktion zu zwingen. Diese erlauben es, weitere Gläubiger zur Teilnahme an der Aktion zu zwingen. Zusammen mit den anderen Anleihen würde die Quote dann insgesamt bei 95,7 Prozent liegen. Das würde 197 der insgesamt 206 Milliarden Euro Anleihevolumen in der Hand privater Gläubiger entsprechen.

Bei dem Schuldenschnitt tauschen private Gläubiger wie Banken, Fonds und Versicherungen ihre alten Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere mit einem geringeren Wert und längeren Laufzeiten von teils bis zu 30 Jahren. Unter dem Strich verzichten sie damit auf bis zu 70 Prozent ihres Geldes.

Nach den bisherigen Planungen sollen dann am 12. März die verschiedenen Verträge zum Tausch der alten in neue Staatsanleihen mit langen Laufzeiten und günstigeren Konditionen unterzeichnet werden. Am 20. März werden Anleihen Griechenlands über 14,5 Milliarden Euro fällig. Ohne das neue Hilfspaket könnte das Euro-Land die Schulden nicht zurückzahlen.

Durch den Forderungsverzicht der Banken, Versicherer und Fonds sollen die Verbindlichkeiten um insgesamt 107 Milliarden Euro sinken, damit sich das Euro-Land aus dem Würgegriff der eigenen Schulden befreien kann. Eine erfolgreiche Umschuldung ist die Grundvoraussetzung für ein zweites Rettungspaket durch die anderen Euroländer. Die Euro-Finanzminister wollen sich am Freitagnachmittag in einer Telefonkonferenz mit den Ergebnissen des griechischen Anleihetausch-Angebots beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht die endgültige Freigabe des Anfang März grundsätzlich beschlossenen 130-Milliarden-Hilfspakets für Griechenland.

Doch auch mit Schuldenschnitt und weiteren Hilfen ist die Griechenland-Krise noch lange nicht gelöst. Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger wird das Land auf Sicht der nächsten zwölf Monate einen „echten Schuldenerlass“ benötigen. Nur so könne die Schuldenlast des Landes auf ein tragbares Niveau gesenkt werden, erklärte das Mitglied im Sachverständigenrat der deutschen Bundesregierung im Interview mit Bloomberg TV.

Auch mit einem erfolgreichen Anleihetausch bleibe die Verschuldung Griechenlands „enorm“. Im Hinblick auf die europäische Politik bestehe die Notwendigkeit eines Umdenkens, sagte Bofinger in Berlin. Weitere Schuldenschnitte für Griechenland könnten nach seiner Ansicht bereits in sechs Monaten erforderlich werden.

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  • Das erinnert mich an eine witzige Sache die nur peripher mit dem zu tun hat: Vor einiger Zeit ist die europäische Koalition von rechten Parteien im europäischen Parlament auseinandergebrochen ist. Ich habe mich schlapp gelacht. Wie sollte auch so ein Programm von rasissten aussehen? "Auf europäischer Ebene kämpfen wir zusammen, aber da wir national denken, sind wir nur ein zusammenschluss vom Menschen die sich gegenseitig hassen".

    Eine Partei von Neurotikern wäre bestimmt auch eine witzige Sache. Die Partei die sich selbst nicht über den Weg traut.

    Aber ich glaube wir driften ab :-)

  • Seit dem Nockherberg habe ich ja auch endlich einen Namen für die EuroNeurotischen:

    Der "Scheiterhaufen" ;-)

  • @zgen

    "dass nicht-Neurotiker nicht so einen großen Drang zur Selbstdarstellung haben."

    Ach was ;-)

    Ich denke mal, was die Herrschaften, wenn sie sich hier in der Masse suhlen, übersehen: Die Mehrzahl der Menschen treibt sich nun mal nicht hier herum, es gibt Millionen Orte, die ggfl. erfreulicher sind. Weil die Neurotischen aber gerne mal was ausblenden, glauben Sie sich tatsächlich in einer "Mehrheit".

    Sind sie aber nicht. Sie sind gesellschaftlich gesehen ein unorganisierter Haufen von Extremisten ohne parlamentarische Vertretung.

    Sie trauen sich aber nicht, endlich eine Partei zu gründen, weil sie das verheerende Urteil des Wählers befürchten müssen.

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