Schuldenschnitt
Griechenland erkämpft Enteignung der Gläubiger

Athen holt zum entscheidenden Schlag aus: Nachdem die Gläubiger dem Schuldenschnitt mit großer Mehrheit zugestimmt haben, werden nun auch die letzten Investoren enteignet. Doch gerettet ist das Land damit nicht.
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AthenGriechenland kann den Schuldenschnitt durchziehen: Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums vom Freitagmorgen lag die Beteiligung privater Gläubiger am Schuldenschnitt bei 85,8 Prozent. Nach Angaben des Finanzministeriums beteiligten sich private Gläubiger, die griechische Anleihen im Wert von 172 Milliarden von insgesamt 206 Milliarden Euro hielten.

Das Ministerium kündigte zugleich an, die Umschuldungsklauseln (CAC) aktivieren zu wollen. Diese erlauben es, weitere Gläubiger zur Teilnahme an der Aktion zu zwingen. Zusammen mit den anderen Anleihen würde die Quote dann insgesamt bei 95,7 Prozent liegen. Das würde 197 der insgesamt 206 Milliarden Euro Anleihevolumen in der Hand privater Gläubiger entsprechen.

Bei dem Schuldenschnitt tauschen private Gläubiger wie Banken, Fonds und Versicherungen ihre alten Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere mit einem geringeren Wert und längeren Laufzeiten von teils bis zu 30 Jahren. Unter dem Strich verzichten sie damit auf bis zu 70 Prozent ihres Geldes.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, äußerte sich im Deutschlandfunk positiv überrascht von der relativ hohen Beteiligung am Schuldenschnitt. Er selbst habe eine geringere Akzeptanz erwartet. Das Ergebnis sei schon „sehr sehr gut“. Er glaube nicht, dass der Schuldenschnitt nun noch scheitern könne, sagte Kemmer. Aus Sicht des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall trotzdem weiter bei über 50 Prozent. „Ich sehe eine Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent, dass eine entnervte Staatengemeinschaft den Geldhahn zudrehen würde“, sollte Griechenland vom angekündigten Sparkurs abweichen, sagte er der Nachrichtenagentur dapd.

Auch Finanzinvestoren rechnen offenbar fest damit, dass Griechenland auch nach dem Schuldentausch seine Verbindlichkeiten nicht bezahlen kann. Neue Papiere mit Laufzeiten bis 2032 und 2042, die am Montag im Rahmen des Schuldentauschs ausgegeben werden sollten, wechselten nach Angaben von Händlern und Reuters-Daten zufolge am Graumarkt für gerade einmal 20 Prozent des Nennwertes den Besitzer. „Dies zeigt, dass der Markt noch immer kein Vertrauen hat, dass Griechenland seine Schulden bedienen kann“, sagte ein Händler. Auf dem Graumarkt können Finanztitel bereits vor ihrem offiziellen Erscheinungstermin gehandelt werden.


Kommentare zu " Schuldenschnitt: Griechenland erkämpft Enteignung der Gläubiger"

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  • und es geht weiter bergab:

    Die Wirtschaftsleistung in Griechenland ist im vierten Quartal mit -7,5% stärker eingebrochen, als zunächst mit -7,0% gemeldet.

    vor 27 Min (12:22) - Echtzeitnachricht

  • "schnellstmögliche Reformen"
    Wie oft haben wir das schon gehört? Wann folgen endlich Taten?
    Im Moment bezahlt nur der gemeine Grieche, die reichen und mächtigen, die genauso von der Vetterleswirtschaft profitiert haben, schaffen ihr Vermögen weiterhin ins Ausland und leisten keinerlei Beitrag.

    Wenn sich hier nichts gravierendes ändert waren der Schuldenschnitt und alle Rettungspakete für die Katz. Jetzt sind die Griechen selbst gefordert!

  • Fragezeichen ohne Ende:

    Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger ist die Griechenland-Krise auch nach dem Schuldenschnitt noch nicht gelöst.
    In den nächsten 12 Monaten werde das Land einen "echten Schuldenerlass" benötigen, sagte er zu Bloomberg TV. Nur so könne die Schuldenlast auf ein tragbares Niveau gesenkt werden.

    10:23 - Echtzeitnachricht

    Wie war das noch: wollte der EFSF nicht bei Neuausgabe von Anleihen diese zu 20% garantieren?
    Na dann .....



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