Schuldenschnitt
Griechenland schließt Anleihentausch ab

Die Regierung in Athen meldet Vollzug: Der Schuldenschnitt ist abgeschlossen. Die davon betroffenen Kleinanleger fühlen sich übergangen. Sie wollen vor Gericht ziehen und hoffen auf Entschädigung.
  • 12

Hamburg/DüsseldorfGriechenland hat den Anleihentausch im Wert 177,2 Milliarden Dollar abgeschlossen. Damit erreicht die Beteiligung der privaten Gläubiger eine Beteiligung von 96 Prozent. Das erklärte das Finanzministerium in Athen am Montag. Die letzten widerspenstigen Anleger wurden zum Tausch gezwungen.

Dass der Schuldenberg Griechenlands bei einer vollständigen Schuldenschnitt-Beteiligung privater Gläubiger bis 2020 stärker abgebaut werden könnte als bisher angepeilt, geht aus dem aktuellen Bericht zur Tragfähigkeit der Staatsschulden hervor. Bei einer Beteiligungsquote über 96 Prozent sei demnach eine Marke von 116 bis 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen. Ziel der Euro-Länder ist es bisher, die Verschuldung von derzeit deutlich über 160 Prozent bis 2020 auf 120 Prozent zu senken. Nach Angaben der griechischen Regierung sind bisher 96 Prozent der Besitzer griechischer Staatsanleihen zum Verzicht auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen bereit.

Die davon betroffenen Kleinanleger sehen davon allerdings noch nichts - in den Depots ist der Tausch noch nicht vollzogen. So kann beispielsweise die Direktbank Comdirect zur Stunde nicht sagen, wann die Änderungen wirksam werden. Die Bank wartet nach eigenen Angaben auf ein Signal von den entsprechenden Abwicklungsstellen. Nach Auskunft der Deutschen Börse, deren Tochter Clearstream für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften zuständig ist, könnte die Umstellung noch bis zum 21. März dauern. Erst danach seien die neuen Anleihen im Handel.

Besonders die Privatanlegern fühlen sich beim Schuldenschnitt übergangen. Sie hatten keine Möglichkeit, über die Umschuldung abzustimmen, werden nun aber zur Teilnahme gezwungen. In Deutschland wollen einige Privatanleger deshalb vor Gericht gehen. Doch wie aussichtsreich sind Klagen gegen den Schuldenschnitt? Die meisten der Anleihen – 177 von 206 Milliarden Euro – unterliegen dem nationalen, also dem griechischen Recht. Dort vor Gerichten zu verhandeln ist nahezu aussichtslos und verursacht weitere Kosten.

Etwas anderes ist es, wenn ein deutscher Bankberater seine Kunden mangelhaft über die Risiken dieser Anlage aufgeklärt hat. Dass durchaus noch etwas zu holen ist, zeigt der Fall der Lehman-Zertifikate vor einigen Jahren. Hier gelang es einigen Anlegern, ihren Banken nachzuweisen, fehlerhaft beraten zu haben. „Jeder, der Griechenland-Anleihen nach Anlageberatung durch die Bank erworben hat, sollte prüfen lassen, ob Schadensersatzansprüche wegen Fehlberatung bestehen, falls nicht ausreichend auf die Risiken hingewiesen wurde“, rät der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding.

Seite 1:

Griechenland schließt Anleihentausch ab

Seite 2:

Anwälte: „Die Bank haftet“

Kommentare zu " Schuldenschnitt: Griechenland schließt Anleihentausch ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer glaubt, dass er jetzt ca. 2 % Zins bekommt, vergisst, dass er von bisher 1 Position gleich 22 (!) neue Postionen bekommen hat. Wenn man die Depotgebühren dafür rechnet ist die Rendite gleich NULL!

  • Die Rechtsanwälte suggerieren Erfolgschancen, wo es keine gibt. Mandat ist Mandat heisst es in Rechtsanwaltskreisen. Und kassiert wird schon beim Aufsetzen eines einfachen Briefes an irgendeinen vermeintlich Schuldigen. Ganz weit hergeholt scheint mir auch die "Beraterhaftung" zu sein. Dass ein Berater den Kauf von Griechenland empfohlen hat?, das glaubt doch keiner, der sich die derzeitige Anlageberatung anschaut. Die Berater haben heutzutag doch schon Angst davor, Guten Tag! zu sagen. Griechenland-Anleihen sind dagegen von Zeitungen und Zeitschriften zum Kauf angepriesen worden. Die Rechtsanwälte sollte eher die Journalisten/Redakteure der einschlägigen Zeitung auf's Korn nehmen.

  • Wenigstens weiß ich jetzt, wo ich keinen Urlaub mehr buche. Man stelle sich vor, man hat 10 Tage Kreta gebucht - und dann kommt Venizelos und sagt: "Wir machen jetzt einen freiwillig-erzwungenen Haircut mit 70 %".
    Da hat man dann nur noch ein verlängertes Wochenende in der Sonne, aber zum vollen Preis. Nein, danke!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%