Schuldenschnitt in Griechenland
Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

Der Schuldenschnitt hat den Griechen Zeit verschafft, das Problem jedoch nicht gelöst. Die Reaktion am Anleihemarkt zeigt: Auf die griechische Zahlungsfähigkeit vertrauen Anleger noch lange nicht.
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DüsseldorfDie Investoren lassen locker – zumindest ein bisschen, für heute. Am Tag nach dem denkwürdigen Euro-Gipfel in Brüssel steigen die Kurse für Anleihen der Schuldenstaaten und die Renditen sinken.

Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen aus Griechenland fällt um 1,1 Prozentpunkte. Sie liegt nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen aber immer noch bei 22,3 Prozent. Dass die Skepsis der Investoren nach wie vor groß ist, zeigt sich bei den kurzlaufenden Papieren. Die Rendite zweijähriger Bonds sinkt nur leicht und liegt weiterhin bei mehr als 70 Prozent.

In der Nacht hatten sich die Regierungschefs der Euro-Zone auf neue Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise geeinigt. Einer der Kernpunkte: Die Gläubiger sollen Griechenland die Hälfte seiner Schulden von rund 200 Milliarden Euro erlassen. Experten bezweifeln, dass die Schuldenkrise damit gelöst ist. „Auch bei einer vollständigen Umsetzung des angestrebten Schuldenschnitts würde das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt noch immer deutlich über 100 Prozent liegen“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Griechenland-Anleihen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), gaben ebenfalls nach. CDS auf griechische Staatsanleihen notierten am Donnerstag bei 5460 Basispunkten; vor zehn Tagen waren es noch 6333 Basispunkte. Das bedeutet, dass es aktuell 5,46 Millionen Dollar kostet, um griechische Anleihen im Wert von zehn Millionen Dollar für die Dauer von fünf Jahren abzusichern. Zum Vergleich: Eine Ausfallversicherung auf deutsche Bundesanleihen liegt bei 100 Basispunkten.

Auf eine Entschädigung durch eine Ausfallversicherung dürfen die Gläubiger allerdings nicht hoffen. So lange sie einem Schuldenschnitt freiwillig zustimmen, werden die Kreditausfallversicherungen nicht ausgelöst. Das hat die zuständige Behörde, die International Swaps and Derivatives Association (ISDA), entschieden.

Die ISDA trifft verbindliche Entscheidungen dazu, wann Kreditversicherungen fällig werden. Da die Inhaber der griechischen Anleihen den vereinbarten Anteil freiwillig erlassen würden, trete voraussichtlich kein Kreditereignis ein, sagte David Geen, Chefjurist der ISDA. Ob der Schnitt bei 50 Prozent oder bei den ursprünglich geplanten 21 Prozent liege, sei dabei egal, solange das Entgegenkommen freiwillig sei. Die Entscheidung liege letztlich aber beim Experten-Gremium der ISDA.

Der internationale Bankenverband IIF erklärte sich bereit, eine entsprechende „freiwillige“ Vereinbarung zu entwickeln. Derzeit werden CDS auf griechische Anleihen im Wert von 3,7 Milliarden Dollar gehandelt. Anfang des Jahres waren es laut Bloomberg noch 5,3 Milliarden Dollar.

Unterm Strich heißt das: Für Griechenland ist die Krise noch lange nicht ausgestanden, und die Investoren ahnen das. Die zehnjährigen griechischem Anleihen waren am Morgen bei einem Kurs von 34,7 Prozent - das heißt, sie werden für gut ein Drittel ihres Nennwertes gehandelt. Selbst mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent ist dieser Wertverlust noch nicht wettgemacht

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Schuldenschnitt in Griechenland: Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig"

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  • @ hideyoshi,
    wieso in 3 Jahren?
    Meiner Meinung nach müsste viel früher wieder eng werden, eigentlich ist bis jetzt absolut nicht gelöst worden, es sei denn es kommt ein weißer Ritter vorbei (China) und hilft wo wir nicht können und auch nicht wollen, nämlich hilft Griechenland retten und nicht die Banken, was wir bis jetzt eigentlich getan haben und auch nur die deutsche und die französische dazu.
    Übrigens, warum brauchen die französische Banken nur 8 Milliarden um sich zu refinanzieren, wo ist da von Merkozy wieder geschummelt worden? Es ist in Brüssel schon fast ein Selbstbedienungsladen ohne Kasse für die Achse.

  • @ Einigungs-Fata-Morgana,
    "Einig ist man sich nur darin, zu behaupten , dass eine Einigung stattgefunden habe"
    Nich einmal darüber sind sie sich einig, nur die Achse ist sich einig, die andere tun was die Achse sagt.
    Ich werde bal 70, solche unfähige politiker wie zur Zeit Europa regieren (möchten) habe ich noch nie erlebt.

  • Warum werden die Hauptverantwortliche, die die Überschuldung erlaubt haben, nicht strafrechtlich gesucht und verurteilt. Ohne Reziprozität werden sich solche Fehlverhalten nicht verhindern lassen.
    Dafür muss jetzt das griechische Volk büßen obwohl absolut unschuldig und obwohl es davon kaum etwas gehabt hat.
    Die griechische Regierungen, die Banken und die Großindustrie, überwiegend die deutsche Großindustrie (bewiesene Bestechung) sind die Hauptverantwortliche und Nutznießer dieses Fehlverhalten.
    Eine Untersuchung durch eine internationale Kommission wäre hier angebracht. Mercedes und Siemens haben erwiesenermaßen in Griechenland mächtig geschmiert. Gegen eine freiwillige Zahlung wurde die Anklage in den USA fallen gelassen.
    Was will man noch mehr an Beweise?

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