Schuldenstreit
Anleger liefern sich den USA aus

Die USA rücken immer näher an den Zahlungsausfall. Ökonomen schlagen Alarm und warnen vor einer Massenflucht aus Staatsanleihen. An den Märkten ist von Panik keine Spur. Vielen Anlegern sind aber die Hände gebunden.
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DüsseldorfDie Debatte um die Schuldenobergrenze in den USA spaltet nicht nur Republikaner und Demokraten in den Vereinigten Staaten. Auch an den Finanzmärkten gehen die Meinung über Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls und das Ausmaß der Bedrohung für das Finanzsystem auseinander. Während einige Ökonomen eine vorübergehende Zahlungsunfähigkeit der USA für unabwendbar halten, vertrauen andere Experten nach wie vor auf eine Lösung des Streits in letzter Minute.

Auch an den Märkten gibt es keine klare Tendenz. Zwar gerieten US-Staatsanleihen in den letzten Tagen unter Druck und auch der Dollar rutschte deutlich ab. Von panikartigen Verkäufen, wie sie Pessimisten schon seit dem Wochenende vorhersagen, ist allerdings nichts zu spüren. Am Donnerstag erholten sich die Kurse von US-Anlagen sogar leicht.

Demokraten und Republikaner ringen seit Wochen um eine Anhebung der US-Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar (rund zehn Billionen Euro). Die Demokraten von Präsident Barack Obama wollen zur Etatsanierung nicht nur die Ausgaben kürzen, sondern auch höhere Steuern für reiche Bürger und große Konzerne durchsetzen, was die Republikaner jedoch entschieden ablehnen.

Die USA haben die Obergrenze für die Staatsverschuldung bereits vor einigen Wochen überschritten. Seither hangelt sich die Regierung mit haushalterischen Tricks durch, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Ab kommenden Dienstag ist dies laut Finanzminister Timothy Geithner allerdings nicht mehr möglich. Sollten sich die Parteien im US-Kongress bis dahin nicht auf eine höhere Schuldengrenze geeinigt haben, droht ihnen von den Ratingagenturen der Stempel Zahlungsausfall.

Im schlimmsten Fall eskaliert der Schuldenstreit so weit, dass die USA ihre US-Staatsanleihen nicht mehr bedienen können. In diesem Fall wären die Folgen Ökonomen zufolge schlimmer als ein Bankrott Griechenlands oder anderer europäischer Schuldenstaaten.

An den Finanzmärkten gilt dieses Szenario trotz der festgefahrenen Verhandlungen in Washington nach wie vor als unwahrscheinlich. Am stärksten sind die Ausschläge nach wie vor bei den Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS). Mit knapp 62,50 Basispunkten kosteten CDS auf US-Anleihen so viel wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Die Absicherung von amerikanischen Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit im Wert von zehn Millionen Dollar kostete damit 62.500 Dollar. Damit sind die CDS immer noch 1.000 Dollar günstiger als diejenigen auf deutsche Bundesanleihen.

Amerikanische Anleihen konnten sich am Donnerstag sogar leicht von den Verlusten der Vortage erholen. Zehnjährige Bonds rentierten mit 2,97 Prozent, nachdem die Rendite in den Vortagen über drei Prozent gelegen hatte. Der Renditeabstand (Spread) zu deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit lag stabil bei rund 35 Basispunkten. Zum Vergleich: Im Januar hatte der Spread zeitweise über 50 Basispunkten gelegen.

Kommentare zu " Schuldenstreit: Anleger liefern sich den USA aus"

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  • Der Untergang der USA als Supermacht wäre nur möglich, wenn diese die Schuldengrenze immer wieder anheben würden, bis diese die Schulden nicht mehr bedinen können.

    In den besagten 5 Tagen - was soll denn da schon passieren ?

    Die USA generieren täglich so viel Liquidität, dass sie die anfallenden Zinsen bzw. den Schuldendienst locker bedinen können - und das werden sie auch tun.

    Es wird an anderer Stelle gespart werden.

    Und die Heuschrecken wissen sowieso was sie (nicht) zu tun haben:

    "don't fight the FED" - alle werden sich eine blutige Nase abholen, die versuchen von dieser angeblichen Not zu profitieren.

  • Ist es dir lieber das die banken pleite gehen und die gesellschaften weltweit unter massiven schäden zu leiden haben wie damals in der immobilienkrise?

  • Wo ist das Problem?
    Die Ackermänner dieser Welt schaffen es sicher dass europäische Steuerzahler die Banken heraushauen - das ist schließlich alternativlos.

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