Schuldenstreit
Argentinien bekommt eine Galgenfrist

Investoren verweigern den Schuldenschnitt bei der argentinischen Staatspleite von 2002. Mit einer Klage rückten sie das Land an den Rand einer erneuten Pleite. Diese stoppte ein Berufungsgericht- vorerst.
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New YorkIm Streit mit Anleiheninvestoren über einen Schuldenschnitt kommt Argentinien vorerst um die Zahlung einer Milliardensumme herum. Ein Berufungsgericht in New York erließ am Mittwoch eine einstweilige Verfügung, nach der ein entsprechendes Urteil eines Bundesrichters ausgesetzt wird.

Er hatte angeordnet, dass die Regierung in Buenos Aires bis zum 15. Dezember 1,3 Milliarden Dollar auf ein Treuhandkonto einzahlen muss. Das Land erhält nun mehr Zeit, dagegen seine Einwände hervorzubringen. Die mündliche Verhandlung wurde für den 27. Februar angesetzt.

Der Rechtsstreit wird zehn Jahre nach der Staatspleite Argentiniens erbittert geführt. Argentinien war 2011, da es seine Schulden von hundert Milliarden Dollar nicht mehr bedienen konnte, bankrott gegangen.

Die meisten Gläubiger beteiligten sich 2005 und 2010 am Umtausch ihrer Schuldscheine in neue Papiere mit veränderten Konditionen. Nur eine Reihe Investoren, die vielfach während der Krise Staatsanleihen zu Ramschpreisen erworben hatten, weigerten sich, an dem Tauschprogramm teilzunehmen und fordern weiterhin die gesamten Darlehen ein.

Sollten die Kläger erneut Recht bekommen, könnte dies den mit vielen Gläubigern vereinbarten Forderungsverzicht von 70 Prozent infrage stellen - und Schuldenschnitte aktueller Krisenländer wie Griechenland erschweren.

Wegen der Auseinandersetzung haben viele Investoren erneut um ihr Geld Angst. Die Ratingagentur Fitch senkte die Bonitätsnote des lateinamerikanischen Landes am Dienstag um fünf Stufen. Eine weitere Senkung wird geprüft. Mit der Bewertung "CC" ist Argentinien nur noch zwei Stufen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt.

Die Mitte-Links-Regierung will die Forderungen der rebellischen Investoren auf keinen Fall erfüllen. Präsidentin Christina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds zuletzt als "Aasgeier". Sie steht auch innenpolitisch unter großem Druck, nachdem es vergangene Woche den ersten Generalstreik in ihrer fünfjährigen Amtszeit gegeben hatte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenstreit: Argentinien bekommt eine Galgenfrist"

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  • Kommunisten raus!

  • Komisch, daß offenbar keiner mehr denkt, daß man seine Schulden auch zurückzahlen muß! EGAL an wen! Wenn ich das nicht will, darf ich keine Schulden aufnehmen; so einfach ist das Spiel! Wo sind wir eigentlich?

  • Jetzt kann ich die EU Politiker, die nicht von den Banken gekauft sind und trotzdem diese Wahnsinnsrettungspolitik unterstützen, ein wenig verstehen. Die haben Angst das die von GB und den USA unterstützen Hedgefonds auf Pfändungstour gehen. Sicher hat man schon ein Auge auf die reichen Rohstoffvorkommen Griechenlands. Der Fall Argentinien ist der beste Beweis wie die Finanzwelt Druck auf souveräne Staaten ausübt. Ich gehe noch weiter, die us amerikanischen Gerichte unterstützen Angriffe auf Staaten durch Privatfirmen!

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