Schuldscheine
Russland erschließt neue Geldquellen

Bei Investoren ist Russland unten durch. Seit der Annexion der Krim musste das Land mehrere Anleiheauktionen absagen. Doch die Russen sind erfinderisch. Sie haben schon einen anderen Weg gefunden, um an Geld zu kommen.
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MoskauRussland muss sich alternative Geldquellen suchen. Seit der Annexion der Halbinsel Krim sind mehrere Bondauktionen gescheitert. Weil Investoren das Land meiden, platziert das Land nun Schuldscheine direkt bei Pensionsfonds und Banken - allerdings zu einem hohen Preis.

Das Finanzministerium bietet am heutigen Freitag nicht handelbare Wertpapiere im Volumen von 100 Milliarden Rubel (zwei Milliarden Euro) an. Die Hälfe wird im März 2015 fällig und bietet eine Rendite von 7,73 Prozent, der Rest mit Fälligkeit Februar 2016 bringt eine Rendite von 8,25 Prozent, wie es auf der Website des Ministeriums hieß. Die Rendite von in Rubel denominierten Staatsanleihen mit Fälligkeit Januar 2016 ist seit Jahresbeginn um 212 Basispunkte auf 8,25 Prozent am Tag vor Bekanntgabe der Platzierung gestiegen.

Russland offeriert an einem einzigen Tag fast das Dreifache der Summe, die bisher in diesem Jahr über Auktionen eingenommen wurde. Das könnte ein Signal sein, dass das Land nicht mit einer baldigen Verbesserung der Anlegerstimmung rechnet, vermuten BCS Financial Group und GHP Group. Die russischen Fremdkapitalkosten sind seit der Annexion der Krim auf ein Rekordhoch geklettert.

„Das Finanzministerium will eine möglicherweise noch bestehende Nachfrage nicht vergraulen“, sagte Fedor Bizikow, Vermögensverwalter bei GHP Group in Moskau. „Seine Botschaft lautet: 'Ich bin bereit, Kapital aufzunehmen, aber ich werde es nicht am Markt tun.' Es kann nicht auf ausländische Investoren zählen, und heimische Anleger werden ohne kräftigen Aufschlag wohl kein Geld zur Verfügung stellen.“

Russland hat seit Jahresbeginn sieben Bondauktionen abgesagt und dabei auf die „ungünstigen“ Marktbedingungen verwiesen. Die Kapitalabflüsse aus Russland beliefen sich in den ersten drei Monaten wohl auf fast 70 Milliarden Dollar, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrei Klepach gegenüber Journalisten. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2013 lagen die Abflüsse bei 63 Milliarden Dollar.

Die Regierung könnte auch von sieben Milliarden Dollar schweren Eurobond-Emissionen absehen und ihr Emissionsziel von 825 Milliarden Rubel für heimische Bonds reduzieren, sagte Finanzminister Anton Siluanow. Das Ministerium hat seit Beginn des Jahres 37 Milliarden Rubel aufgenommen, wie aus Daten auf seiner Website hervorgeht.
„Sie wollen den Markt nicht unter Druck bringen, indem sie die Finanzierungskosten für die Gesamtwirtschaft erhöhen“, sagt Dmitri Dudkin, Leiter Analyse Festverzinsliche bei UralSib Capital in Moskau. Die nicht handelbaren Papiere erlauben ihnen, „ihren Refinanzierungsbedarf für den Rest des Jahres zu decken“, erklärte er.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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