Schutz vor Krisen
Banken können bald neuartige Anleihen ausgeben

Für deutsche Banken macht die Finanzverwaltung wohl bald den Weg zu neuartigen Kapitalinstrumenten frei: Unter anderem betrifft das Steuererleichterungen für Bonds, über die sich die Banken Kapital beschaffen wollen.
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FrankfurtDem Einsatz neuartiger Kapitalinstrumente zum Schutz vor Krisen steht offenbar auch für deutsche Banken nichts mehr im Wege. Das grüne Licht der Finanzverwaltung sei bald zu erwarten, erklärte der Bankenverband am Mittwoch in Berlin. „Dem Vernehmen nach“ wolle sich die Finanzverwaltung hier an der Praxis in anderen europäischen Ländern orientieren, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Das bedeutet, dass die Banken die Zinszahlungen etwa auf Zwangswandelanleihen (CoCo-Bonds) als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen können. Auf diesen Beschluss hatten Institute wie die Deutsche Bank und die Aareal Bank seit langem gewartet. Sie sitzen in den Startlöchern, um sich über derartige Bonds Kapital zu beschaffen. Ohne die Steuererleichterungen wären das für sie deutlich teurer geworden.

Zudem geht es darum, ob ausländische Käufer der Papiere wie bisher keine Quellensteuer darauf zahlen müssen. In Ländern wie Frankreich, der Schweiz und Spanien hatten die Finanzbehörden längst den Weg für dieses „zusätzliche Kernkapital“ geebnet.

Seit die spanische BBVA sich im Mai 2013 auf diese Weise 1,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgt hatte, sind derartige Papiere in Dollar, Euro und Pfund in einem Volumen von 16 Milliarden Euro begeben worden. „Es ist dringend an der Zeit, dass die Behörden für den Finanzstandort Deutschland nun rasch Rechtssicherheit schaffen“, erklärte Kemmer. „Sonst drohen deutschen Banken erhebliche Wettbewerbsnachteile.“ Rund um den laufenden Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften Banken europaweit eine Welle von CoCo-Emissionen lostreten.

Das Bundesfinanzministerium bekräftigte, die Abstimmungen innerhalb der Finanzverwaltung liefen noch. Ein endgültiger Erlass wird Branchenkreisen zufolge erst in der nächsten Woche erwartet. Das „zusätzliche Kernkapital“ dürfte vor allem in Form von Zwangswandelanleihen begeben werden. Sie sollen eine Bank in der Krise abfedern. Sinkt ihr Kapitalpuffer auf weniger als 5,125 Prozent, wandeln sich die Anleihen entweder automatisch in hartes Kernkapital oder werden zeitweise abgeschrieben. Die Verluste tragen damit die Käufer der Zwangswandelanleihen, die für das höhere Risiko mit einer höheren Rendite rechnen können.

Die Deutsche Bank hatte bereits angekündigt, als erstes deutsches Institut bis Ende 2015 derartige Instrumente im Volumen von fünf Milliarden Euro zu begeben. Die Aareal Bank will im zweiten Halbjahr ihre restlichen Staatshilfen von 300 Millionen Euro mit solchen Papieren tilgen. Banker rechnen noch für dieses Jahr auch mit CoCo-Bonds von der NordLB und der Commerzbank. „Ich würde keine Riesenwelle erwarten, ich gehe von zwei bis drei Transaktionen aus“, sagt ein hochrangiger Investmentbanker.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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