Schwellenländer-Anleihen
Die verlockende Alternative

Zwar bieten Anleihen aus Schwellenländern Zinsaufschläge von 5,4 Prozent, doch Anleger sollten bei aller Begeisterung für Brasilien, Indien und Korea auf die Währung achten.
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FrankfurtSchwellenländer wie Brasilien, Indonesien, Korea oder Polen stehen fundamental besser da als viele Industriestaaten, was sie für Investoren attraktiv macht. "Langfristig fließt das Kapital grundsätzlich von Gegenden mit niedrigem Wachstum und niedrigen Zinsen in Gegenden mit höherem Wachstum und hohen Zinsen", so Bernhard Esser, Schwellenländeranalyst bei HSBC Trinkaus. Trotzdem leiden auch diese Staaten, wenn sich die globale Konjunktur abkühlt. Darauf deutet einiges hin. Jim Leaviss, Leiter des Anleihenbereichs bei M&G Investments warnt zudem: "Die Gefahr einer Kapitalflucht aus den Schwellenländermärkten zurück in die etablierten Industriestaaten ist aufgrund der sich zuspitzenden Schuldenkrise im Euro-Raum angestiegen." Die größten Risiken sieht er bei Anleihen in Lokalwährung.

Die Strategen von BNP Paribas Investment Partners empfehlen daher Schwellenländerbonds, die in Dollar notiert sind, besser handelbar und eine durchschnittliche Rendite von 5,4 Prozent über zwölf Jahre abwerfen. Für besonders attraktiv halten die Analysten der WGZ-Bank hier zum Beispiel Indonesien, weil das Land ein stabiles Wachstum und einen der besten Staatshaushalte der Region hat. Die Bonds, die gut 3,6 Prozent Rendite für zehn Jahre bieten, sind für Kleinanleger aufgrund ihrer hohen Stückelung jedoch nur über Fonds erwerblich. Kleinere Stückzahlen gibt es dagegen etwa aus Ungarn. Das Land wurde kürzlich vom Internationalen Währungsfonds gestützt und zahlt Investoren daher 6,7 Prozent für neun Jahre. Anleihen des sehr soliden Schwellenlands Mexiko rentieren bei drei Prozent für zehn Jahre Laufzeit.

Die Rendite kann sich für deutsche Anleger noch erhöhen, wenn der Dollar aufwertet - was möglich ist, solange die Euro-Schuldenkrise anhält. Wem das zu heikel ist, der kann auch auf Euro-Anleihen aus Schwellenländern ausweichen: Hier ist zum Beispiel Litauen interessant, das drei Prozent für vier Jahre bietet. "Das Land absolvierte ein hartes Konsolidierungsprogramm, hat dadurch seine Wettbewerbsfähigkeit wieder verbessert und wird dafür von den Ratingagenturen mit Anerkennung bedacht", lobt WGZ-Bank-Analyst Torsten Hähn. Etwas riskanter sei die Türkei, die 3,7 Prozent für fünf Jahre bietet. "Hier gab es zuletzt Tendenzen, den hohen Fehlbetrag in der Leistungsbilanz abzubauen, zudem ist die Staatsverschulung rückläufig", so Hähn. Eine Ratingheraufstufung sei möglich, was die Rendite schmälern könnte.

Kommentare zu " Schwellenländer-Anleihen: Die verlockende Alternative"

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  • Also bevor ich mein Geld jetzt in Indonesien, Indien, Pakistan oder nach Brasilien verschleppe, möge sich der IWF seiner Aufgabe widmen, und dort menschliche Arbeitsbedingungen und Löhne schaffen helfen. Ich möchte immer noch in den Spiegel gucken können, wenn ich mir morgens mein Unterhemd anziehe, und nicht das Gefühl haben, es ist von Sklaven gewebt.
    Abgesehen davon würde das tatsächlich fairen Wettbewerb zum Nutzen aller ergeben.
    Es sieht ja fast so aus, die dummen Industriestaaten haben sich am eigenen Geld überfressen, nun schaufeln wir noch mehr mittels neuer dumpfer billiger Arbeitsklaven, der Rest kann sehen wo er bleibt. Verbrannte Erde, nicht nur der Regenwald läßt grüßen

  • Tja, was sich in den letzten 10 Jahren so an Klischees in den Köpfen dieser PISA-Schreiberlinge festgesetzt hat, kriegt man so schnell nicht wieder raus

  • Es ist verwundelich, dass ein serioeses Wirtschaftsmagazin Texte von Fondsmanagern 1:1 abdruckt, ohne die Faktentreue zu pruefen. Gleich am Anfang heisst es da "Schwellenländer wie Brasilien, Indonesien, Korea oder Polen ..." Seit wann ist das langjaehrige OECD-Mitglied Suedkorea, eine im Vergleioch zum Westen ueberindustrialisierte, post-moderne Volkswirtschaft an der Weltspitze vieler Entwicklungs-KPIs ein "Schwellenland"?! Das oekonomische und soziodemgraphische Profil des Landes entspricht am ehesten dem von Japan und den skandinavischen Laendern. Sind das folglich alles "Schwellenlaender"? Und wenn ja, wo steht dann Spanien und Italien - in der Liste der "abstuerzenden Entwicklungslaender"? Auch bei Polen bin ich mir nicht mehr sicher, ob eine Aufzaehlung zusammen mit Indonesien heute noch Sinn macht ...

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