Schwellenländerbonds bleiben attraktiv
Auswahl lukrativer Anleihen wird schwieriger

Anleihen von Schwellenländern haben Investoren in den vergangenen zwölf Monaten beachtliche Gewinne beschert. Im Schnitt verteuerten sich die Bonds der Emerging Markets – vor allem aus Osteuropa, Lateinamerika und Asien – um rund 25 %.

FRANKFURT/M. Das schlägt die Kursentwicklung von Aktien und anderen Anlageklassen um Längen. Obwohl die makroökonomischen Daten in den meisten der Schwellenländer nach wie vor positive Signale aussenden, raten aber immer mehr Experten, bei Emerging-Markets-Bonds aufgelaufene Gewinne teilweise zu realisieren oder innerhalb des Sektors umzuschichten.

„Erfreuliche Wachstumsperspektiven“ sehen die Experten der WestLB für die Wirtschaft vieler Emerging Markets. Deren Anleihen seien jedoch vielfach schlicht zu teuer geworden. Zudem drohen weiter steigende Renditen – und damit sinkende Kurse – bei den richtungweisenden Anleihen aus Europa und den USA. Die meisten Experten rechnen daher auch mit langfristig steigenden Renditen bei Schwellenländer-Anleihen.

„Die Renditen der meisten osteuropäischen Bonds sind eng an die Renditen der Euro-Zone gekoppelt“, warnt Thomas Gitzel, Rentenexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Er sieht nur noch wenig Perspektiven für Emerging-Market-Bonds: „Auf den ersten Blick erscheinen die Renditen vieler Schwellenländerbonds noch hoch.“ Betrachte man aber die Renditeaufschläge unter Berücksichtigung der Ratings der Anleihen, seien die meisten überteuert. Verantwortlich dafür sei maßgeblich die Suche der Investoren nach höher verzinsten Papieren in einem Markt mit sehr niedrigen Renditen der Staatsanleihen. Die Leitzinsen in den USA und in der Euro-Zone befinden sich mit 1 % beziehungsweise 2 % auf historisch niedrigen Niveaus. Das führte zu extrem geringen Renditen bei Staatsanleihen aus dem Top-Rating-Bereich, was Investoren in die riskanteren Papiere der Schwellenländer trieb.

"Türkische Anleihen derzeit zu teuer"

„Die Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate wird sich nicht im gleichen Ausmaß fortsetzen“, sagt auch Fondsmanager Stefan Amenda von Activest. Interessant bleiben aber Neuemissionen und kurz laufende Anleihen, vor allem aus Osteuropa. In erster Linie setzen die Experten auf Anleihen von Bulgarien und Rumänien. „Klarer Favorit ist die neue Anleihe Rumäniens, die 2010 fällig und mit über 6 % Rendite attraktiv ist“, sagt Amenda. Daneben gefällt ihm die 2013 fällige Anleihe Bulgariens. Amenda rät Investoren, die Anleihen der Türkei halten, umzuschichten. „Türkische Anleihen sind derzeit zu teuer. Ruhigeren Schlaf garantieren die rumänischen oder bulgarischen Titel.“

Mauro Toldo von der DZ Bank empfiehlt bulgarische und rumänische Titel: „Deren Bonds werden von der Beitrittsperspektive zur EU und guten Makrozahlen gestützten.“ Es bestehe hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich die Renditeaufschläge (Spreads) – ähnlich wie bei den Kandidaten zum Beitritt 2004 bereits geschehen – einengen.

Gitzel rät Privatanlegern, sich bei Engagements vor allem auf Neuemissionen zu beschränken. „Dies hat auch steuerliche Gründe. Die Kurse der meisten Anleihen sind deutlich über 100 %. Für Buy-and-Hold-Anleger heißt dies beim Laufzeitende steuerlich nicht absetzbare Verluste.“ Der neue Bond Rumäniens hingegen notiere unter pari.

„Momentan ist sicher nicht der beste Zeitpunkt, um in Emerging-Markets-Bonds einzusteigen“, sagt Toldo. Gegenüber anderen, sichereren Staatsanleihen hält er die Schwellenländerbonds aber weiter für attraktiv. „Die höheren Kupons gleichen die zu befürchtenden Kursverluste besser aus als etwa bei Bundesanleihen“, argumentiert Toldo. Angesichts des Renditeanstiegs im Gesamtmarkt rät der Stratege zu Anleihen mit kürzeren Laufzeiten. Neben rumänischen und bulgarischen Papieren empfiehlt er im Non-Investment-Grade-Bereich – darunter fallen Bonds, die von Standard & Poor’s niedriger als BBB– benotet werden – Anleihen aus Kolumbien. Unter den Anleihen, die ein Investment-Grade-Rating haben, gefallen ihm mexikanische Titel.

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