Schwerer Fehler

Ratingagentur stuft irrtümlich Frankreich ab

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat versehentlich eine Mitteilung verschickt, nach der die Bonität Frankreichs gesunken sei. Nun ermittelt die französische Finanzmarktaufsicht AMF.
Update: 10.11.2011 - 21:50 Uhr 27 Kommentare
Die Zentrale von Standard & Poor's in New York. Quelle: dapd

Die Zentrale von Standard & Poor's in New York.

(Foto: dapd)

New YorkDie Rating-Agentur Standard & Poor's hat am Donnerstag mit der irrtümlichen Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit für Verwirrung gesorgt. Die Agentur räumte ein, versehentlich eine Mitteilung an einige Abonnenten ihrer Internet-Seite verschickt zu haben, die eine Verschlechterung der Bonität signalisierte. Erst anderthalb Stunden später wurde die irrtümliche Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit korrigiert.

Ursache sei ein technischer Defekt gewesen, erklärte S&P und betonte gleichzeitig, dass Frankreich noch immer die Bestnote „AAA“ mit einem stabilen Ausblick habe. In New York gaben die Aktienkurse in Folge der Mitteilung vorübergehend nach, während französische Staatsanleihen deutlich an Wert verloren.

Die französische Finanzmarktaufsicht AMF hat noch am Abend Ermittlungen gegen die Ratingagentur Standard & Poor's eröffnet. Die AMF habe zudem die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) kontaktiert, erklärte die Behörde am Donnerstag. Frankreichs Finanzminister François Baroin hatte zuvor die AMF zu einer Untersuchung des Vorfalls aufgerufen.

Die Mitteilung von S&P wurde um 9.57 Uhr (Ortszeit USA) verschickt mit der Überschrift „DOWNGRADE“ und einer Verknüpfung zu den Ratings für Frankreich. Jeder, der den Link angeklickt hätte, hätte aber gesehen, dass die Bestnote für Frankreich nicht geändert worden sei, sagte S&P-Sprecher Martin Winn in London. Eine weitere Mitteilung, in der der Irrtum aufgeklärt wurde, ging um 11.30 Uhr an die Kunden. Der Fehler werde untersucht, hieß es.

Die fehlerhafte Nachricht hätte kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können - viele Anleger fragen sich seit geraumer Zeit, ob Frankreich seine Bestnote in der Schuldenkrise noch lange verteidigen kann. Zudem sind die Rating-Agenturen zuletzt wegen ihres Verhaltens in der Schuldenkrise in der Politik ohnehin unter Beschuss geraten.

Französische Anleihen rutschten nach der vermeintlichen Herabstufung kräftig ab. Die Rendite für zehnjährige Papiere, die sich entgegengesetzt zu den Kursen entwickelt, stieg um 27 Basispunkte bzw. mehr als acht Prozent auf 3,45 Prozent. Der Renditeabstand zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen stieg auf einen Rekordwert von fast 1,7 Prozentpunkten.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich der Abstand deutlich ausgeweitet. Denn obwohl beide Staaten von den Ratingagenturen mit Bestnoten bewertet werden, werden sie an den Märkten sehr unterschiedlich gesehen. Während Deutschland in der Schuldenkrise als Hort der Stabilität gilt und Anleger in Scharen in deutsche Bundesanleihen flüchten, gilt Frankreich wegen seines laxen Umgangs mit den Staatsfinanzen als potenzieller Krisenkandidat. 

Am 18. Oktober hatte sich die Ratingagentur Moody's als erste der großen drei kritisch zu Frankreich geäußert. Moody's warnte, dass sie das Top-Rating "AAA" mit einem negativen Ausblick versehen könnte, wenn die Kosten für eine mögliche Rettung von Banken und anderer Euro-Staaten den Haushalt zu sehr belasten sollten.

  • rtr
  • rad
  • afp
Startseite

27 Kommentare zu "Schwerer Fehler: Ratingagentur S&P stuft irrtümlich Kreditwürdigkeit Frankreichs herab"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • so ein angeblich technischer fehler u. die ganze finanzwelt durcheinander. gegen S & P muss ordentlich mit den höchst möglichen Schadenersatzzahlungen vorgegangen werden....

    dr. kadri a. bahsi
    istanbul / türkei

  • @smartman

    niemand guckt irgendwie weg.

  • Und es gibt eine Alternative: Deutsche Umweltstiftung hat vor drei Wochen Kampagne für eine gemeinnützige, nachhaltige Ratingagentur gestartet: Weizsäcker, Eppler, Simonis und zahlreiche Unternehmen unterstützen dies. Mainstreammedien gucken leider angestrengt weg > http://www.enra.deutscheumweltstiftung.de

  • Sowas mögen Republikaner nun mal: den tricky dick raushängen lassen, um mal zu zeigen how big deren Dick ist.
    us-amerikanische schwanzparade.
    schon im internat war das langweilig im jungshaus.
    frauen sollen sowas auch nicht besonders spannend finden...

  • @KeepCool
    Amiland hat imao ganz andere Sorgen als Europa lächerlich zu machen.
    Das sollten wir in Europa nicht vergessen.
    Das ist natürlich eine Riesensauerei, die da probiert wurde.

  • Die Rating-Komödie steigert sich.

    Vielleicht war es ja eine Mutprobe; so wie mal kurz nackt über die Straße flitzen. Oder eben kurz "aus Versehen" Frankreich downgraden.

    "Tschuldigung, nix passiert." Da hat wohl mal wieder jemand nen dicken Finger gehabt.

    Amiland macht Europa lächerlich. Da kann man die wahren Machtverhältnisse erkennen.

  • @Koboldo
    eine eigene ratingagentur, für noch mehr schlamperten mist.
    es war ein fehler, überhaupt ratingagenturen als privatwirtschaftlich geführte unternehmen zu favorisieren.
    stimmt: es wird nicht besser wenn Mist amtlich wird.
    indes das hochamt, das privaten Unternehmen als Weltlenkern zugestanden wird muß doch insgesamt ganz erstaunlich bleiben.

  • So langsam glaube ich auch, dass die Ratingagenturen Amerikas sehr bewusst Nachrichten und Bewertungen lancieren. Vielleicht sollte sich Europa doch eine eigene Ratingagentur leisten....

  • Übersehen?
    hat S&P nun nun Blindenförderungsprogramm aufgelegt?
    das wäre neu.

  • Das war bestimmt kein Irrtum! Da hat einer die Sperrfrist
    zur Veröffentlichung übersehen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%