Schwieriger Markt
Experten raten von chinesischen Anleihen ab

Anders als der Aktienmarkt führt der Anleihemarkt in China nach wie vor ein Schattendasein. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Renditen der chinesischen Staatsanleihen in der lokalen Währung Yuan sind trotz des jüngsten Anstiegs niedriger als die im Euro-Raum. Zudem ist es sehr kompliziert, China-Bonds zu kaufen.

cü FRANKFURT. Nur so genannte qualifizierte institutionelle ausländische Investoren haben Zugang zum Bondmarkt im Reich der Mitte. Sie müssen eine Lizenz beantragen, Aktiva von mindestens zehn Mrd. Dollar haben und 50 Mill. Dollar in China anlegen. Außerdem brauchen sie geeignete Handels- und Infrastrukturen. „Das ist selbst für professionelle Investoren aufwändig, und die Transaktionskosten sowie geringen Renditen lassen im derzeitigen Marktumfeld ein Investment nicht attraktiv erscheinen“, sagt Nicolas Schlotthauer, Fondsmanager für Schwellenländer-Anleihen bei der DWS. „Fonds können die China-Bonds zwar auch über Banken mit entsprechender Lizenz beziehen, aber der Markt ist unattraktiv“, ergänzt Michael Ganske, der bei Deka Investment das Team für Schwellenländer-Anleihen leitet.

Ganske fürchtet zwar keine deutlichen Kursverluste respektive Renditeanstiege der chinesischen Bonds. Das Potenzial für Kursgewinne sei aber begrenzt. Die chinesische Zentralbank hat im April damit begonnen, die Zinsen leicht zu erhöhen. Der Einlagenzins für ein Jahr liegt derzeit bei 2,52 Prozent. Der niedrige Schlüsselzins gilt als Hauptgrund für die niedrigen Anleiherenditen. Die Politik der Notenbank gilt indes als nicht sehr transparent und ist laut Experten ein Risiko für die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen.

Auch für Devisenspekulationen eignet sich der Yuan nur bedingt. Zum Euro hat er in diesem Jahr über sechs Prozent verloren. Zum US-Dollar hatte die Regierung in Peking die eigene Währung im Juli 2005 um 2,1 Prozent aufgewertet und den Kurs in engen Bandbreiten freigegeben. Seither hat der Yuan nochmals zwei Prozent zugelegt. „China wird den Yuan im Vergleich zum Dollar nur langsam aufwerten lassen“, meint Schlotthauer.

Für Investoren, die dennoch auf den Yuan setzen wollen, eignen sich laut Schlotthauer eher synthetische Termingeschäfte mit Banken, statt ein Direktkauf der Bonds. Daneben bieten zum Beispiel die Asiatische Entwicklungsbank und die Weltbank-Tochter IFC je eine – allerdings nur kleine – Anleihe in Yuan an. Die so genannten Panda-Bonds können Investoren außerhalb Chinas leicht kaufen.

Das gilt auch für die wenigen auf Euro oder Dollar lautenden Anleihen Chinas. Sie bieten aber nur zwischen gut 0,3 und 0,5 Prozentpunkten mehr Rendite als europäische und amerikanische Staatsanleihen. „Das ist für ein Schwellenland mit diesem Risikoprofil zu wenig“, urteilt Ganske. Die Kreditwürdigkeit von China ist mit Ratings im Bereich Einfach-A zwar gut. Angesichts der systemischen Risiken seien die Bonitätsnoten aber recht ambitioniert, meint Ganske.

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