SEC überprüft Pimco
Bill Gross unter Verdacht

Neuer Ärger für Pimco: Die US-Börsenaufsicht nimmt einen Fonds des Firmengründers Bill Gross unter die Lupe. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hätte auch die deutsche Allianz ein Problem.
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Newport BeachDie US-Börsenaufsicht SEC knöpft sich Pimco vor. Untersucht wird, ob die Erträge des Pimco Total Return ETF korrekt ausgewiesen wurden. Der Fonds mit einem Volumen von 3,6 Milliarden Dollar wird von Pimco-Gründer Bill Gross verwaltet. Ein Sprecher des Unternehmens, eine Tochter der Allianz, bestätigte am Dienstag entsprechende Untersuchungen.

Das „Wall Street Journal“ hatte zuvor berichtet, die SEC prüfe, wie der Fonds seine Anlagen eingekauft und bewertet habe und ob dies dazu geführt habe, dass Investoren falsche Informationen zur aktuellen Entwicklung des Fonds bekommen hätten. Der Verdacht: Der Fonds könnte Vermögenswerte zu reduzierten Preisen erworben, sich aber bei der Berechnung des Werts seiner Beteiligungen auf höhere Bewertungen gestützt haben. Damit würde man den Anschein erwecken, der Fonds hätte Gewinne erzielt, obwohl tatsächlich nur abweichende Bewertungen ausgenutzt wurden.

Die Untersuchungen liefen seit mindestens einem Jahr, schreibt die Zeitung. Gross habe sich mehr als einen ganzen Tag lang den Fragen der Beamten stellen müssen. Auch andere führende Manager des Fonds seien befragt worden.

Pimco ist sich keiner Schuld bewusst. „Wir meinen, dass unsere Preisfindung absolut angemessen ist und im Einklang mit den bewährten Methoden in der Branche steht“, sagte der Sprecher. Pimco habe zudem mit der SEC kooperiert. Bei der US-Aufsicht war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Der Total Return ETF ist die kleinere Variante von Pimcos Flaggschifffonds, dem Total Return Fund, der etwa 221 Milliarden Dollar verwaltet. In diesem Jahr hat der kleine Ableger mit einem Plus von 5,4 Prozent sogar besser abgeschnitten als der große Fonds mit 3,4 Prozent.

Der Total Return ETF beinhaltet unter anderem Anleihen und Hypothekenpapiere, die wenig oder nur in kleiner Stückzahl gehandelt werden. Das macht eine korrekte Bewertung besonders schwierig. Beim großen Total Return Fund setzt Gross dagegen stärker auf Derivate – zum Beispiel Futures, Optionen und Swaps. So soll der Fondsmanager nach Informationen von Bloomberg in den vergangenen Monaten einen großen Anteil an US-Staatsanleihen verkauft und diese durch Futures auf entsprechende Anleihen ersetzt haben. Diese Kontrakte erfordern nur eine kleine Abschlagszahlung, was Mittel freisetzt, die Gross in höherverzinsliche Papiere stecken kann – wie Bonds aus Brasilien, Spanien und Italien.

„Sie nehmen die liquiden Mittel und kaufen all diese Peripherieanleihen, die im Verhältnis zu Treasuries über hohe Renditeabstände verfügen“, sagt Erik Schiller, Vermögensverwalter von Prudential Fixed Income. „So hebeln sie ihren Fonds.“

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Die Allianz hält noch still

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