Sieben Prozent
Spanien-Anleihe schon wieder an kritischer Grenze

Das Vertrauen in die EZB schwindet: Auch nach der Zinssenkung zeigt sich keine Entspannung auf den Anleihemärkten. Die Renditen für Spanien und Italien sind gestiegen. Deutsche Papiere sind gefragt.
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FrankfurtDie Hoffnung der Rentenanleger auf eine baldige Eindämmung der Euro-Krise schwindet: Die Zinsen zehnjähriger spanischer Anleihen knackten zum Wochenschluss wieder die Sieben-Prozent-Marke. Auch die Renditen italienischer Papiere zogen merklich an, nachdem die EZB am Donnerstag die Leitzinsen für die Euro-Zone gesenkt hatte. Einige Investoren hätten sich noch zusätzliche Maßnahmen wie neue Geldspritzen für die Banken oder Staatsanleihenkäufe erhofft, um die Spannungen am Rentenmarkt zu lösen, sagten Händler.

Doch EZB-Chef Mario Draghi hatte vor allem einer weiteren langfristigen Geldspritze für die Banken vorerst eine Absage erteilt. Die um die Jahreswende aufgelegten langfristigen Kreditlinien für die Banken benötigten noch Zeit, um zu wirken, betonte er. Die EZB hatte mit zwei sogenannten Langfristtendern mehr als eine Billion Euro in das Finanzsystem gepumpt und damit eine Kreditklemme abzuwenden versucht.

Spanische Papiere rentierten am Freitag in der Spitze bei 7,010 Prozent nach 6,785 Prozent im Vortagesgeschäft. Sie näherten sich damit wieder den Höchstständen von 7,3 Prozent, die sie vor den überraschend weitreichenden EU-Beschlüssen erreicht hatten. Die Staats- und Regierungschefs hatten sich vor einer Woche auf eine zentrale Bankenaufsicht geeinigt. Zudem sollen angeschlagene Banken künftig direkt mit Kapital aus dem Rettungsfonds versorgt werden können.

Die Zinsen der zehnjährigen italienischen Papiere kletterten am Tag nach der EZB-Ratssitzung in der Spitze auf 6,105 Prozent (Vortag: 5,989 Prozent). Zinsen über sieben Prozent gelten für die hoch verschuldeten Euro-Staaten langfristig als untragbar.

Der Markt traue der EZB nicht mehr zu, dass sie die Probleme in der Euro-Zone zu lösen vermag, schreibt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar. „Denn wer glaubt schon wirklich, dass die EZB mit der gestrigen Zinssenkung die Konjunktur in der Eurozone auch nur marginal anzuschieben vermag. Auch am Geldmarkt wird eine Bank kaum beginnen, einer anderen Bank, der sie nicht traut, wieder Geld zu leihen, nur weil der Einlagensatz der EZB nochmals um einen Viertelprozentpunkt gesunken ist.“

In Zurückhaltung übten sich die Anleger auch angesichts der am Nachmittag erwarteten US-Arbeitsmarktdaten. Investoren erhofften sich von den Zahlen weitere Hinweise, ob die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik noch einmal lockert oder nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @RDA,
    ob Du es weisst, RDA bedeutet Republique Democratique Allemande in französisch, also Deutsche Demokratische Republik, so wie Du denkst und was Du schreibst lässt mir vermuten dass Du dort erzogen worden bist.
    Mir wundert nur wie lange die Anpassungsphase bei manchen dauert!

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.

  • Das HB textet: " ... an kritischer Grenze". Bei 7.3 % ???
    Da lachen doch die Hühner! Solange die PIFIGS nicht wieder Zinsen zahlen in der vor dem Euro gewohnten - und von niemand beanstandeten Höhe -, solange wird die Krise weiterlaufen und böse enden.

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