Sieben Prozent

Renditen für Spanien und Italien steigen

Das Vertrauen in die EZB schwindet: Auch nach der Zinssenkung zeigt sich keine Entspannung auf den Anleihemärkten. Die Renditen für Spanien und Italien sind gestiegen. Deutsche Papiere sind gefragt.
Update: 06.07.2012 - 13:19 Uhr 15 Kommentare
Börsianer in der Börse in Madrid. Quelle: dpa

Börsianer in der Börse in Madrid.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Hoffnung der Rentenanleger auf eine baldige Eindämmung der Euro-Krise schwindet: Die Zinsen zehnjähriger spanischer Anleihen knackten zum Wochenschluss wieder die Sieben-Prozent-Marke. Auch die Renditen italienischer Papiere zogen merklich an, nachdem die EZB am Donnerstag die Leitzinsen für die Euro-Zone gesenkt hatte. Einige Investoren hätten sich noch zusätzliche Maßnahmen wie neue Geldspritzen für die Banken oder Staatsanleihenkäufe erhofft, um die Spannungen am Rentenmarkt zu lösen, sagten Händler.

Doch EZB-Chef Mario Draghi hatte vor allem einer weiteren langfristigen Geldspritze für die Banken vorerst eine Absage erteilt. Die um die Jahreswende aufgelegten langfristigen Kreditlinien für die Banken benötigten noch Zeit, um zu wirken, betonte er. Die EZB hatte mit zwei sogenannten Langfristtendern mehr als eine Billion Euro in das Finanzsystem gepumpt und damit eine Kreditklemme abzuwenden versucht.

Spanische Papiere rentierten am Freitag in der Spitze bei 7,010 Prozent nach 6,785 Prozent im Vortagesgeschäft. Sie näherten sich damit wieder den Höchstständen von 7,3 Prozent, die sie vor den überraschend weitreichenden EU-Beschlüssen erreicht hatten. Die Staats- und Regierungschefs hatten sich vor einer Woche auf eine zentrale Bankenaufsicht geeinigt. Zudem sollen angeschlagene Banken künftig direkt mit Kapital aus dem Rettungsfonds versorgt werden können.

Die Zinsen der zehnjährigen italienischen Papiere kletterten am Tag nach der EZB-Ratssitzung in der Spitze auf 6,105 Prozent (Vortag: 5,989 Prozent). Zinsen über sieben Prozent gelten für die hoch verschuldeten Euro-Staaten langfristig als untragbar.

Der Markt traue der EZB nicht mehr zu, dass sie die Probleme in der Euro-Zone zu lösen vermag, schreibt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar. „Denn wer glaubt schon wirklich, dass die EZB mit der gestrigen Zinssenkung die Konjunktur in der Eurozone auch nur marginal anzuschieben vermag. Auch am Geldmarkt wird eine Bank kaum beginnen, einer anderen Bank, der sie nicht traut, wieder Geld zu leihen, nur weil der Einlagensatz der EZB nochmals um einen Viertelprozentpunkt gesunken ist.“

In Zurückhaltung übten sich die Anleger auch angesichts der am Nachmittag erwarteten US-Arbeitsmarktdaten. Investoren erhofften sich von den Zahlen weitere Hinweise, ob die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik noch einmal lockert oder nicht.

Spanien: Von den Iren lernen

  • rtr
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15 Kommentare zu "Sieben Prozent: Spanien-Anleihe schon wieder an kritischer Grenze"

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  • @RDA,
    ob Du es weisst, RDA bedeutet Republique Democratique Allemande in französisch, also Deutsche Demokratische Republik, so wie Du denkst und was Du schreibst lässt mir vermuten dass Du dort erzogen worden bist.
    Mir wundert nur wie lange die Anpassungsphase bei manchen dauert!

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.

  • Das HB textet: " ... an kritischer Grenze". Bei 7.3 % ???
    Da lachen doch die Hühner! Solange die PIFIGS nicht wieder Zinsen zahlen in der vor dem Euro gewohnten - und von niemand beanstandeten Höhe -, solange wird die Krise weiterlaufen und böse enden.

  • Bonis gehen an die Mitarbeiter,Dividenden gehen an die Aktionäre.
    Aber was nützen selbst 3 Euro Dividende je Aktie,wenn selbige 25 Euro an Wert verliert.Bleibt immer noch ein Minus von 22 Euro je Aktie.

  • Die beim Gipfel vor einer Woche als Sieg von Monti und Rajoy gegenüber Merkel in den Medien dargestellten Ergebnisse und Effekte in Form fallender Anleihezinsen in Italien und Spanien, wurden in wenigen Tagen mit einem einzigen Satz der angeblichen Verliererin in den Medien "es gibt keine Haftung für Banken und Staaten, man solle sich die Protokolle zu den Gipfelbeschlüssen ansehen" wieder auf den Vorgipfelstand gebracht. Damit hat sich vermutlich die Bundeskanzlerin selbst mit der von ihr und ihren politischen Mitstreitern in letzter Zeit in der EURO Krise benutzten Lösungsinstrumenten der Propaganda, Desinformation und absichtlich gestreuten Fehlinformationen und ihre politischen Freunde in Italien und Spanien zur Strecke gebracht. Das "Retten" des EURO wird dadurch nicht unbedingt einfacher, wenn einige Akteure, die nicht zum Spiel gehören, einen der Akteure, die das Spiel bestimmen, zu unbedachten Äusserungen zwingen.

  • Spanien sollte an ihre Goldreserven gehen! Dann brauchen die spanischen Banken auch keine direkte Hilfe aus dem ESM.

    Seit wann reagieren Börsen objektiv?

    Die Politiker in Europe versuchen aktuell nur die innere Ruhe und Ordnung innerhalb der Bevölkerung zu erhalten, Lösungen zu den Themen
    1. Verschuldung der Haushalte
    2. Probleme der span., zypr., etc Banken
    3. Neuschaffung von sozialvers.pflichtigen Jobs

    hört man leider nichts.

    zu 1.
    entweder höhere Steuereinnahmen, sind allerdings in Griechenland, Spanien, Italien und Frankreich nicht in sicht
    oder
    Inflation
    zu 2.
    wenn AG's sich verzocken, haben die Aktionäre pech! Boni wären auch nur an die Aktuionäre gegeangen und nicht an den EFSF oder ESM
    Zypr. Banken dürfen eigentlich aus dem ESFS keien Gelder erhalten, da sie keine System relevanz haben

    zu 3.
    dazu benötigt man Nachfrage oder Innovation von neuen Produkten oder Dienstleistungen, welche der Markt (Konsumenten) kaufen wollen

    Fazit:
    Staaten sind überschuldet
    es gibt zuviel Kapital (welches solvente Schuldner sucht)im Verhältnis zum Welt BIP

  • Da haben Sie vollkommend Recht, zum Glück reagiert die Börse (Investoren) noch einigermaßen objektiv und durchschaut die Versuche seitens der Politik Kurse zu manipulieren. Letzteres ziehlt sowieso nur noch auf die unwissende "Masse" ab welche auch an den Börsen handelt, diese bemerkt Trends jedoch nur noch zeitversetzt. Wer dazwischen handelt macht den Reibach!

  • Die Pfandflaschen Taktik erinnert mich an meine H4 Zeit in Berlin. Dort liegen Abend für Abend soviele leere Flaschen auf den Strassen, einige Menschen leben gut davon. Gut ist natürlich relativ, aber für das niedrige Brutto Gehalt in Berlin sind ein paar Euros pro Nacht nebenbei verdient schon gutes Geld! :-)

  • Es ist immer wieder faszinierend zu sehen und zu lesen, mit wieviel Anstrengung und Verzweiflung versucht wird, Marktwirtschaft aus den Angeln zu heben. In der Politik gibt es offensichtlich nichts störenderes als die Preisfindung durch Angebot und Nachfrage. Das gilt für Gold, Kupfer, Aktien und natürlich auch für Rentenpaiere. Aber genau hier passiert etwas, was nicht sein darf, weil auf gar keinen Fall gewünscht. Der Rentenmarkt beurteilt GR Anleihen als Schrott dicht gefolgt von POR, ESP wohl nächster Kandidat, ganz zu schweigen von Zypen. Anstatt Marktkräfte wirken zu lassen wird mit viel zuviel Geld versucht zu vertuschen. Es wird nicht funktionieren, weil sonst alle den Bach runtergehen.

  • @Milvus

    Ich habe bei der Volkshochschule einen Kurs gebucht 'Ueberleben als Obdachloser". Da lernen wir wie wir ohne Bierbauch an Pfandflaschen zu kommen. Der waere auch nur hinderlich, wenn wir uns in die Muelleimer beugen muessen.

    Seit diesem Kurs sehe ich die Euro-Krise wieder zuversichtlicher. Es gibt ein Leben nach dem Zusammenbruch, auch wenn es wieder von Flaschen bestimmt wird.

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