Spanien herabgestuft: Moody's schürt neue Sorgen an den Märkten

Spanien herabgestuft
Moody's schürt neue Sorgen an den Märkten

Ab morgen beraten Europas Staats- und Regierungschefs über eine dauerhafte Lösung der Euro-Krise. Der Druck ist groß, denn die Nervosität an den Märkten steigt wieder. Die Ratingagentur Moody's trägt ihren Teil dazu bei.
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DüsseldorfDie US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Spanien um eine Note gesenkt. Die Kreditwürdigkeit werde von „Aa1“ auf „Aa2“ reduziert, teilte Moody's am Donnerstag mit. Der Ausblick bleibe negativ. Es droht also eine weitere Herabstufung.

Moody's begründete die Herabstufung vor allem mit den Problemen im spanischen Sparkassensektor. Die Kosten einer Restrukturierung könnten höher ausfallen als bisher von der Regierung erwartet. Dies könnte das Staatsdefzit erhöhen.

Die Ratingagentur zweifelt zudem an der Fähigkeit der spanischen Regierung, die erforderliche Verbesserung der Staatsfinanzen zu erreichen. Sie verweist auf die große Bedeutung der Haushalte der Regionen. Zudem dürfte das Wirtschaftswachstum moderat bleiben.

Spanien bleibe auch verwundbar durch mögliche Verwerfungen an den Märkten. Dies gelte nicht nur für den Gesamtstaat, sondern auch für die Regionen und Banken.

„Aa2“ ist aber immer noch die drittbeste Note der Agentur. Spanien wird damit weiter deutlich besser bewertet als andere finanzschwacher Länder wie Griechenland oder Irland. Zuletzt hatte aber auch die Rating-Agentur Fitch den Ausblick für Spanien auf negativ herabgestuft.

An den Märkten geriet der Euro nach der Entscheidung unter Druck und fiel auf ein Tagestief von 1,3802 US-Dollar. Die Risikoaufschläge für zehnjährige spanischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Papieren legten auf 230 Basispunkte zu. Die Herabstufung sorgte zudem für eine Flucht in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Die Rendite der Bundesanleihen gleicher Laufzeit fiel um fünf Basispunkte auf 3,24 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future kletterte um 46 Basispunkte auf 122,05 Prozent. Diese verzeichneten kräftige Kursgewinne. Auch US-Treasuries legten zu. An den Aktienmärkten fielen die Kurse deutlich zurück: Der Dax gab in Frankfurt gut ein Prozent nach, in Madrid gaben Aktien der Großbanken BBVA und Banco Santander deutlich nach.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone beraten am Freitag auf einem Sondergipfel über eine dauerhafte Lösung für die Schuldenkrise. Der Druck ist angesichts der wieder stärkeren Unsicherheit an den Märkten groß. Zuletzt hatte Moody's bereits Griechenland um drei Noten herabgestuft. Zudem musste Portugal für die Emission neuer Anleihen am Mittwoch einen massiven Zinsaufschlag zahlen, um Investoren für die Papiere zu gewinnen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich bin Spanier und lebe ebenfalls in Spanien (nur zeitweise etwas 5 Monate im Jahr) und ich kan leider Pedros Meinung gar nicht unterstüzen.
    Die Spanier sind ein tipisches südländisches Volk, die das sparen und fleissig arbeiten nicht so wie die nord Europeär kennen. Die Krise im Spanien wird sehr lange dauern, und die Verschuldung auch. Von eine Einwanderung von etwa 1 Million im Jahr kann leider gar keine Rede mehr sein, sondern eher eine große Auswanderung, zuerst gingen viele Ausländer weg die keine Sta´ttliche Unterstützung mehr bekammen und jetz sind leider sogar die Spanier an der Reihe dran, die junge Spanier wissen ganz genau daß im Inland keine Zukunft haben, da mit der Krise sehr aber wirklich sehr lange dauern wird und lieber sich im Ausland nach einen Job umschauen.
    Ich bin seit 3o Jahre im mehrere Länder gewesen und so eine Krise wie diese habe ich noch nicht erlebt auch nicht als ich gezwungen war damals wegen der schlechte arbeitsmark Lage auszuwandern.

  • Hi Martin,
    dann bin ich ja beruhigt. Beim Thema USA werde ich nur leicht hippelig.
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    Zu Spanien:
    Die Immibilienblase ist mit Ansage geplatzt. Man muss allerdings einschränken, dass sie sich auf künstlich hochgezogene Wohnanlagen beschränkte. Normale Fincas oder Weideland sind kaum betroffen. Diese Millionen von leerstehenden Wohnungen, oft ohne Heizung, sind noch immer viel zu teuer. In meiner Gegend bekommt man nichts unter 120.000 € und das ist dann 1 Zimmer Erdgeschoss Nordseite, also Müll. Um Madrid herum ist es noch teurer. Warum ist das so? Die Cajas (Sparkassen) können nicht viel billiger verkaufen, denn sonst sind sie pleite. Also bleiben die Wohnungen in den Bilanzen, bis sich ein Käufer findet und das kann dauern. Ich rechne damit, dass in 5 Jahren die Sache erledigt sein dürfte. 5 Jahre vergehen schnell. Die Zahl der Einwohner Spaniens wächst pro Jahr um 1 Million. Da momentan kaum gebaut wird, brauchen die Zuzügler irgend wann eine Wohnung. Folglich warten die Cajas bis alles weg ist. Ein Spezialgesetz verhindert die eigentlich notwendigen Abschreibungen auf einen niedrigeren Wert.
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    Die Arbeitslosigkeit ist in Spanien traditionell hoch. Die jungen Menschen leben bei ihren Eltern, bis sie sich eine eigene Wohnung leisten können. Dann sind oft die Eltern schon tot. Das ist kein Witz. Die Spanier leben in Familienverbänden, zumindest in ländlicheren Gegenden. Es gibt keine Sozialhilfe und nur für ältere Arbeitslose gibt es etwas Geld. Der Rest muss für sich selbst sorgen. Ausländer bekommen ohnehin nichts.
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    Dies hat zur Folge, dass der Sozialetat eher klein ist. Spanien kann seine - zweifllos vorhandenen Probleme - vielleicht sogar lösen, wenn die Regierung hart bleibt. Hätte Zapatero anfangs nicht alles falsch gemacht, was er nur falsch machen konnte, hätte Spanien nicht diesen schlechten Ruf, sondern wäre weiterhin der Musterknabe der EU.

  • Moin Pedro
    Ich habe schon vor Jahren meine Euros in physisches Silber und Gold umgetauscht - und mache es Monat für Monat noch ! Wer etwas anderes tut schläft....
    Spanien als Land mag ja noch soweit ok sein. Aber !!!!!
    Was ist mit all den faulen Immobilien, den maroden Banken, der hohen Arbeitslosigkeit ????
    Das gehört auch zu Spanien und sollte nicht ausgeblendet werden.....
    Die USA sind von allem negativen natürlich an vorderster Front....

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