Spanien in der Euro-Krise
„Wer zögert, der ist verloren“

Während Anleihe-Gläubiger darauf warten, dass Spanien Finanzhilfen beantragt, lassen sich die Südeuropäer alle Zeit der Welt. Bei vielen Investoren kommt das gar nicht gut an. Sie drohen und warnen vor den Folgen.
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DüsseldorfDie Nachricht ist eindeutig: Wenn es so weiter geht, schreibt Justin Knight in einer Mitteilung an seine Kunden, werde das hochverschuldete Spanien schon bald den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren. Womöglich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Knight ist Stratege bei der Schweizer Großbank UBS. Und so richtig glücklich ist er nicht darüber, was gerade in Spanien, genauer gesagt: in dessen Hauptstadt Madrid vor sich geht.

Denn Mariano Rajoy, der spanische Regierungschef, weigert sich hartnäckig, einen Rettungsantrag bei der EU in Brüssel zu stellen. Ein solcher ist Voraussetzung dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) über den Sekundärmarkt spanische Staatsanleihen kaufen und so die Refinanzierungskosten des hochverschuldeten Landes drücken zu können. Linderung zu verschaffen.

Rajoy hat seine Gründe. Er will nicht als Bittsteller auftreten; je länger er pokert, umso nervöser werden die Euroretter in Brüssel. Rajoy kann Bedingungen stellen, zumindest hofft und glaubt er das. Eigentlich habe Spanien die Hilfen gar nicht nötig, das ist die Botschaft, die der Regierungschef aussenden mag. Nach Brüssel, vor allem aber an die Investoren in aller Welt. Spanien könne es aus eigener Kraft schaffen. Bei der EU und an den Börsen will man stattdessen vor allem Klarheit. Denn Klarheit bringt Ruhe.

Dass der Regierungschef irgendwann den Hilfsantrag einreichen wird, daran zweifelt niemand. Dennoch fühlen sich viele Investoren hingehalten von Senior Rajoy. Bill Gross etwa, der mächtige Fondsmanager von Pimco, ist einer von ihnen. Über Twitter hat er kürzlich die Spanier aufgefordert, doch möglichst bald einzulenken. „Wer zögert, der ist verloren“, schrieb der weltweit als Bondkönig bekannte Amerikaner. „Spanien sollte seinen Stolz herunterschlucken und jetzt um Hilfe bitten!“ Groß befehligt bei Pimco den größten Anleihefonds der Welt. Seit Wort hat Gewicht an den Börsen.

Knight von der UBS fürchtet, dass sich die Spanier noch mindestens bis zum kommenden Jahr Zeit lassen könnten und damit für zunehmende Verunsicherung an den Märkten sorgen würde. Die Renditen für Spanien-Bonds dürften in einem solchen Falle erneut deutlich anziehen, meint der Banker – zuletzt rentierten zehnjährige Anleihen bei etwa 5,5 Prozent. Eine Situation, wie vor wenigen Monaten, als Investoren für diese Bonds mehr als 7,5 Prozent Rendite forderten, sei nicht ausgeschlossen, sondern sogar wahrscheinlich, meint Knight.

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Die Pleite droht

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  • Altes Problem. Wer 1 Mio im Depot hat hat kein Problem, wenn jemand 1 Mio Schulden hat, hat der Gläubiger ein Problem.
    So ähnlich läuft es hier. Spanien ist immerhin unangefochtener Rekordhalter bei Staatspleiten!
    Italien muß nur seine Staatsbetriebe verkaufen dann sind die annähernd schuldenfrei.
    Zu Frankreich fällt mir nur folgendes ein: "La grande nation est morte." Wie alle anderen Mittelmeeranrainer auch.
    Wenn Frankreich kommt gehen die Lichter aus!


  • Stirbt der Euro, so sterben Regierungen (zB das Merkel-Regime), Institutionen (zB die Europäische Eunuchen-Diktatur) und Parteien (zB die FDP, die ja so gerne eine echte Euro Blockpartei sein möchte).

    Das wissen die schlauen Regierungen der PIGS. Und solange die PIGS noch im Euro sind, werden sie das ausnutzen, um noch mehr Milliarden zu bekommen. Dieses Geld bekommt natürlich nicht die einfache Bevölkerung, sondern landet bei den Entscheidungsträgern und Investoren.

  • Wenn der Rajoy einlenkt dann darf der Rettungs Michel ran, hurra! Hoffentlich ist D auch bald pleite. Bei 83%/BIP Verschuldung, jede Menge Buergschaften und schlechter Demographie kann es ja nicht mehr all zu lange dauern. Aber Solidaritaet ist natuerlich keine Einbahnstrasse, unsere europaeischen "Partner" hauen uns dann raus, keine Sorge. Ich bin mal gespannt was sich die Leute noch alles von den Banken und den Polit-Marionetten bieten lassen bevor sie anfangen zu meutern.

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