Spanien und Italien
Renditen für Anleihen steigen kräftig

Investoren verlangen für italienische und spanische Anleihen spürbar höhere Zinsen. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere liegt in Spanien und Italien inzwischen bei über sechs Prozent.
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LondonAngesichts der Schuldenkrise im Euroraum sind die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen am Montag auf Rekordstände gestiegen. Sie erreichten die höchsten Werte seit der Einführung der Gemeinschaftswährung. Die große Verunsicherung vor dem Euro-Gipfel am Donnerstag treibe die Anleger heraus aus italienischen und spanischen Staatsanleihen, sagte David Schnautz, Anleiheexperte von der Commerzbank.

Die Rendite von zehnjährigen italienischen Anleihen kletterte um 0,22 Prozentpunkte auf 5,962 Prozent. Zuvor hatte sie erstmals die Marke von sechs Prozent überschritten. Zehnjährige spanische Anleihen kletterten um 0,26 Prozentpunkte auf 6,279 Prozent.

Die Höhe der Renditen für Staatsanleihen zeigt die Gefahrenzulage an, welche die Märkte für das jeweilige Land verlangen. Hohe Renditen sind grundsätzlich ein Zeichen für ein großes Misstrauen der Investoren. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen derzeit bei 2,64 Prozent und damit so tief wie in keinem anderen Euro-Land. Grund ist die erstklassige Bonität Deutschlands.

Beunruhigend ist dem Commerzbank-Experten zufolge, dass in Italien und Spanien die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent überschritten wurde. „Beschwichtigungen und Absichtserklärungen vonseiten der Politik helfen in diesem Umfeld nicht mehr weiter“, sagte Schnautz. „Der Gipfel am Donnerstag muss sehr konkrete Ergebnisse liefern, um die Märkte zu beruhigen.“ Wahrscheinlich reiche eine Einigung im Fall Griechenland nicht mehr aus. Es müsse zudem eine Regelung für die weitere Ausgestaltung des Rettungsfonds gefunden werden.

Auch die anderen Randländer der Eurozone wurden durch die große Verunsicherung belastet. Deutlich stiegen auch die Renditen für Anleihen aus Griechenland. Die Rendite kletterte um 0,61 Prozentpunkte auf 17,173 Prozent. Noch deutlicher war der Anstieg im zweijährigen Bereich. Hier kletterten die Anleihen um 1,46 Prozentpunkte auf 31,718 Prozent. Deutsche Bundesanleihen rentierten mit lediglich 1,186 Prozent.

Zweijährige portugiesische Staatsanleihen kletterten erstmals über die Marke von 20 Prozent. Bei Schuldscheinen mit einer Laufzeit von zwei Jahren stieg der Zinssatz im Vergleich zum Freitag um fast einen Prozentpunkt auf 20,3 Prozent. Trotz des im Mai beschlossenen 78 Milliarden schweren Hilfspakets der EU und des Internationalen Währungsfonds für das hoch verschuldete Land hat der Druck der Märkte auf Portugal nicht nachgelassen. Die Anleger und die Ratingagenturen bezweifeln, dass es Portugal gelingen wird, die mit der EU und dem IWF vereinbarten Ziele zu erreichen.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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