Spekulationssteuer
Brasilien baut Abwehrriegel gegen Investoren auf

Mit deutlich höheren Steuern will Brasilien ausländischen Investoren die Anlage in brasilianische Anleihen vermiesen. Die hohen Kapitalzuflüsse aus dem Ausland schüren Ängste vor einer zu starken Aufwertung der Landeswährung Real.
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HB SAO PAULO. Brasilien hat die Steuerschraube auf ausländische Kapitalzuflüsse in Festzins-Anleihen und Future-Geschäfte weiter angezogen. Durch die zweite Erhöhungsrunde in diesem Monat soll vor allem die Aufwertung der Landeswährung Real zum US-Dollar gedämpft werden. Von diesem Dienstag an gilt für ausländische Kapitalzuflüsse in Festzins-Papiere ein Steuersatz von sechs anstatt bisher vier Prozent. Auf Garantieeinlagen für Termingeschäfte ("Futures") müssen Investoren aus dem Ausland künftig sechs anstatt wie bisher nur 0,38 Prozent Steuern zahlen.

"Wir wollen den Appetit der Kurzfrist-Anleger verringern, die schnell Geld mit hohen Zinsen machen wollen", begründete Finanzminister Guido Mantega am Montagabend (Ortszeit) die neuen Schritte. Brasilien gilt wegen der hohen Leitzinsen von derzeit 10,75 Prozent und der boomenden Wirtschaft für externe Investoren als hochattraktiv. Allerdings stärkte der Milliarden-Zustrom aus dem Ausland - zuletzt bei der gigantischen Kapitalerhöhung des Staatskonzerns Petrobras - den Real, den einige Analysten für überbewertet halten.

Mantega wirbt derzeit international für ein abgestimmtes Vorgehen gegen das, was er schon mehrfach als "Währungskrieg" kritisierte. Die Lösung wäre eine koordinierte Aktion zwischen den Ländern, eine Art Währungsvereinbarung, sagte der Finanzminister. "Aber so lange man nicht zu einer Abmachung kommt, kann ich der Aufwertung des Real nicht nur zuschauen."

Nach Medienberichten summierten sich die Termingeschäfte, die Ende voriger Woche auf einen weiteren Anstieg des Real wetteten, auf rund 13 Milliarden US-Dollar.

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