Spezialbond: Athen pumpt Auslandsgriechen an

Spezialbond
Athen pumpt Auslandsgriechen an

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou legt einen Spezialbond auf, um die Finanznot seines Landes ein wenig zu verringern.
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AthenKnapp elf Millionen Menschen leben im hoch verschuldeten, rezessionsgeplagten Griechenland. Bei ihnen ist für den Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou nach den massiven Steuererhöhungen und Lohnkürzungen des vergangenen Jahres nicht mehr viel zu holen. Papakonstantinou will deshalb jetzt die Auslandsgriechen anpumpen. Sie sollen eine „Diaspora-Anleihe“ zeichnen und so helfen, die Finanznöte der Heimat etwas zu lindern.

„Wir werden diese Anleihe in den nächsten Monaten emittieren“, bestätigte Finanzminister Papakonstantinou am gestrigen Mittwoch dem Handelsblatt. „Wir glauben, dass wir damit erfolgreich sein werden“, sagte der Minister.

Das Konzept, betuchte Auswanderer anzupumpen, ist nicht neu: Israel begibt seit 1951 fast jährlich eine Diaspora-Anleihe und hat damit bisher rund 31 Milliarden Dollar eingesammelt. Indien konnte mit drei solchen Emissionen seit 1991 rund elf Milliarden Dollar aufnehmen.

Geschätzt fünf bis sieben Millionen Griechen leben im Ausland. Während der beiden Weltkriege wanderten Hunderttausende Hellenen nach Amerika und Australien aus. In den 1960er- und 70er-Jahren zog es sie vor allem nach Deutschland. Sie flohen vor Arbeitslosigkeit und Armut. Jetzt sollen die Nachfahren der Auswanderer helfen, die Heimat aus der Schuldenfalle zu befreien. In Deutschland leben etwa 350 000 Griechen, ebenso viele in Kanada. Rund 700 000 Menschen zählt die griechische Gemeinde in Australien, etwa zwei Millionen sind es in den USA.

Die meisten sind gut situierte Mittelständler, einige auch Multimilliardäre wie der Immobilienmogul Alex Spanos oder der Finanzmanager John Calamos. An sie richtet sich die geplante Bond-Emission, an ihren Patriotismus appelliert Finanzminister Papakonstantinou. Die Rechnung könnte aufgehen, weil sich Auslandsgriechen auch noch in der zweiten und dritten Generation sehr eng mit der Heimat ihrer Vorfahren verbunden fühlen.

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