Staatsanleihe verzinst sich nur noch knapp über drei Prozent
Zehnjährige Bund-Rendite fällt auf Rekordtief

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist gestern auf 3,013 Prozent und damit auf ein neues Rekordtief gefallen. „In den nächsten Tagen wird die Rendite wahrscheinlich unter die markante Marke von drei Prozent fallen“, sagte Peter Müller, Zinsstratege bei der Commerzbank. Die Hypo-Vereinsbank prognostiziert schon länger, dass die zehnjährige Bund-Rendite unter drei Prozent sinken wird.

FRANKFURT/M. Auslöser für den Kursanstieg und den damit einher gehenden Renditerückgang war ein neuer Wirbelsturm in den USA, der den Ölpreis erneut kräftig steigen ließ. Dazu kam für die Bondmärkte gestern, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe nach der Leitzinsanhebung der US-Notenbank (Fed) am Vortag weiter fielen. Die Rentenmärkte interpretierten die Ankündigung weiterer Leitzinserhöhungen der Fed offensichtlich als potenzielle Bremse für die US-Konjunktur, meinte Müller. Dies stütze auch hiesige Bonds.

Zum deutschen Handelsschluss lag die Rendite der zehnjährigen Treasuries bei 4,19 Prozent. Die zehnjährige Bund-Rendite notierte etwas höher bei 3,02 Prozent und damit auf einem historisch niedrigen Schlussstand. Die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihe lag bei 3,50 Prozent, nachdem sie zwischenzeitlich mit 3,493 Prozent ebenfalls einen historisch niedrigen Stand markiert hatte. Der Bund-Future – Terminkontrakt auf acht- bis zehnjährige Bundesanleihen – stieg um 0,54 Prozentpunkte auf 123,82 Prozent.

Seit Februar ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe schon auf zahlreiche historische Tiefstände gefallen. Zuletzt lag sie Anfang September bei 3,04 Prozent. Auslöser für die Renditerückgänge waren immer wieder aufkommende Ängste der Investoren über eine schwächere Konjunktur sowie die strukturell bedingte wachsende Nachfrage institutioneller Investoren nach festverzinslichen, lang laufenden Anleihen. Fundamental gilt eine Rendite von unter drei Prozent nach Meinung der meisten Analysten aber als zu niedrig.

Die niedrigen Anleiherenditen kamen auch dem Bund zu Gute, der eine neue fünfjährige Bundesobligation über sieben Mrd. Euro mit einer Durchschnittsrendite von nur 2,57 Prozent begab. Für den Bond bekam die Finanzagentur des Bundes Kaufaufträge über 9,34 Mrd. Euro. Sie behielt 1,14 Mrd. Euro zur Marktpflege ein, so dass sich eine Überzeichnung (cover ratio) von 1,6 ergab. Händler bezeichneten die Auktion als Erfolg.

Erfolgreich verlief auch die Emission der zehnjährigen Bertelsmann-Anleihe über 500 Mill. Euro. Der Bond war nach Angaben der Konsortialführer Commerzbank, HSBC und Société Générale fast dreifach überzeichnet. Er wurde mit einer Rendite von 3,699 Prozent gepreist. Die Rendite lag am unteren Ende der avisierten Spanne. Ein an dem Deal beteiligter Banker sprach von einem „hochwertigen Orderbuch“, in dem viele Fonds und Pensionskassen vertreten waren. Außerdem war der Bond international gefragt.

Der Medienkonzern Bertelsmann wird von den Ratingagenturen mit „BBB+“ beziehungsweise „Baa2“ und stabilem Ausblick bewertet. Die Landesbank Baden-Württemberg meinte, dass die Anleihe zwar gegenüber anderen, mit diesem Rating eingestuften Unternehmensbonds nur einen geringen Aufschlag biete, aber dennoch attraktiv sei. Sie begründete das mit den „hervorragenden Marktstellungen von Bertelsmann“ und der Tatsache, dass es nur wenige Anleihen des Medienkonzerns gibt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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