Staatsanleihen
Anleger sehen die Schuldenpolitik der USA mit Sorge

Während in der Euro-Zone noch die Schuldenkrise herrscht, gelten US–Staatsanleihen bisher als sicher. Einige Investoren zweifeln daran, dass das so bleibt. Probleme sind unter anderem die steigende Staatsverschuldung und das hohe Haushaltsdefizit.
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NEW YORK. Noch schaut alles auf die Schuldenkrise am Rande der Euro-Zone - doch schon 2011 rücken möglicherweise die USA ins Visier der Investoren. Nervöse Anleger könnten Washington vor allem dann abstrafen, wenn die politische Lähmung einem Schuldenabbau im Wege steht. Die Probleme in Europa haben bei Investoren ein Umdenken ausgelöst; die Anleihen von Industriestaaten gelten nicht mehr als uneingeschränkt risikoloses Investment. Ein hoher Fed-Vertreter nannte die Turbulenzen in der Euro-Zone bereits einen Weckruf für Amerika.

Die Schwachpunkte der US-Wirtschaft sorgen in diesem Umfeld für Unbehagen - die steigende Staatsverschuldung, das hohe Haushaltsdefizit, klamme Bundesstaaten und Kommunen und Banken, die immer noch als zu groß gelten, um sie zusammenbrechen zu lassen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite als äußerst gering gilt, so müssen sich die USA wohl auf steigende Zinsen einstellen. "Die Amerikaner verpennen die Weichenstellung", sagte Joseph Quinlan, Chefstratege bei US Trust und Autor des Buches "The Last Economic Superpower". "Der Markt will sehen, dass wir den Defizitabbau ernsthaft angehen." Seit der Finanzkrise gelten US-Staatsanleihen als sicherer Hafen. Die Zinsen sind niedrig, für zehnjährige Papiere müssen die USA weniger als drei Prozent zahlen. Doch sollte die Unsicherheit am Markt weiter um sich greifen, könnte damit 2011 Schluss sein, heißt es bei Investoren. Das schränkt den Spielraum der US-Politik ein, der Wirtschaft weiter unter die Arme zu greifen. Zudem muss die US-Regierung mehr für die Staatsschulden zahlen, die sich inzwischen auf mehr als 60 Prozent der Wirtschaftsleistung belaufen. Unklar ist, ob es dem US-Kongress gelingt, auf Schuldenabbau umzuschwenken. Die Vorschläge eines parteiübergreifenden Gremiums zum Abbau des Haushaltsdefizits in Höhe von 1,3 Billionen Dollar wurden von Republikanern wie Demokraten hart kritisiert. "Ich denke, dem Markt geht bei der politischen Lähmung die Geduld aus", sagte Quinlan.

Günstigere Konjunkturaussichten

Umstritten ist, ob der alte Plan der USA aufgeht und das Land aus seinen Schulden wachsen kann. Von Reuters befragte Analysten rechnen für 2011 mit einem Wachstum von 2,7 Prozent, nach 2,4 Prozent in diesem Jahr. Das unterscheide die USA von Griechenland oder Irland, wo die lahme Wirtschaft den Schuldenabbau erschwert. Richard Bernstein von der gleichnamigen Investmentfirma rechnet durchaus mit steigenden langfristigen Zinsen für die USA - aber nicht aus Sorgen um die Finanzkraft, sondern weil das Wachstum stärker ausfällt als erwartet.

Allerdings könnte sich alles sehr schnell ändern. So könnte die Konjunktur schwächeln, wenn US-Bundesstaaten eine ähnliche Finanzhilfe aus Washington brauchen, wie sie Griechenland oder Irland aus Brüssel und Frankfurt bekommen haben, sagte Frances Hudson von Standard Life Investments.

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