Staatsanleihen
Anleiheauktion in Portugal beruhigt Investoren nicht

Lissabon hat 1,24 Milliarden Euro bei Anlegern locker und ist damit nach Angaben der staatlichen Schuldenagentur für dieses Jahr durchfinanziert. Erst im kommenden Jahr muss Portugal wieder Geld bei Anleihe-Investoren einsammeln. Warum der Zeitgewinn die Investoren dennoch keineswegs beruhigt hat.
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FRANKFURT. Portugal hat sich Zeit verschafft und muss erst im kommenden Jahr wieder Geld bei Anleihe-Investoren einsammeln. Lissabon machte 1,24 Mrd. Euro bei Anlegern locker und ist damit nach Angaben der staatlichen Schuldenagentur für dieses Jahr durchfinanziert. Allerdings zu einem hohen Preis: Die in sechs Jahren fällige Anleihe wurde mit einer Rendite von 6,16 Prozent aufgestockt und die zehnjährige zu 6,81 Prozent - beides sind die höchsten Effektivzinsen, die Portugal seit Einführung des Euros zahlen musste. Vor wenigen Tagen hatte Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos noch erklärt, bei Renditen um die sieben Prozent sei es Zeit, Kredite aus dem staatlichen Hilfspaket zu erbitten. Nach harscher Kritik der Opposition wich er davon aber wieder ab.

Der Chef der Schuldenagentur, Alberto Soares, betonte am Mittwoch, dass die Renditen zum Zeitpunkt der Auktion etwas niedriger als im Handel waren. Nach der Auktion zogen die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen allerdings weiter an. Genau diese Entwicklung ist nach Meinung von Johannes Rudolph, Anleiheanalyst bei HSBC Trinkaus, bedenklich: "So werden Investoren abgeschreckt, die ihre Anleihepositionen zu Marktpreisen bewerten müssen." Rudolphs Fazit: "Es ist gut, dass Portugal das gewünschte Volumen am Anleihemarkt absetzen konnte - aber eine Starauktion war das nicht."

Nach Angaben der Schuldenagentur gingen 70 Prozent der aufgestockten Anleihen an ausländische Investoren. Wie groß der Anteil chinesischer Käufer war, wurde nicht bekannt. Zuletzt hatten sich in Peking Gerüchte verdichtet, dass China in größerem Stil portugiesische Staatsanleihen kaufen will.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Staatsanleihen: Anleiheauktion in Portugal beruhigt Investoren nicht"

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  • Dass die, die uns lenken, nichts verstehen, wird wohl langsam jedem klar. Sie haben wohl allesamt nie Strategiespiele gespielt und es von daher nicht besser gekonnt. Zur Sache: Erst haben die Chinesen mit künstlichen Niedriglöhnen hier sehr viele Arbeitsplätze vernichtet und fast alle haben sich noch in Europa gefreut. Die Zukunft sieht aber anders aus. Zukünftig arbeiten wir für die Chinesen in dem wir fleißig Zinsen dorthin überweisen. Und vor kurzem hat Deutschland sogar noch Entwicklungshilfe nach China überwiesen. Tolle Strategen in der Politik. Danke.........

  • Portugal - Herzlich willkommen unter dem Rettungsschirm, noch sind Plätze frei.

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