Staatsanleihen

Anleiherenditen weltweit auf Rekordkurs

Die Renditen von Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand dieses Jahres geklettert – weltweit. Bessere Konjunkturaussichten und anziehende Preise sind aber nur ein Grund für die extreme Reaktion der Märkte.
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In nur wenigen Wochen legten die Renditen europäischer Staatsanleihen spürbar zu. Quelle: dpa
Kaum zu glauben:

In nur wenigen Wochen legten die Renditen europäischer Staatsanleihen spürbar zu.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie durchschnittliche Rendite von Staatsanleihen ist am Dienstag auf 1,34 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit dem 26. Dezember, wie aus Index-Daten von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Die Wertpapiere kommen für das laufende Quartal unter Berücksichtigung von Kuponzahlungen auf Verluste von zwei Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von Japan (BoJ) kaufen beide Staatspapiere in Rekordvolumina auf. Über die geldpolitische Lockerung (QE) versuchen sie, die Wirtschaft anzukurbeln. Die EZB hat ihre Anleihekäufe im Mai vor der Sommerferienzeit noch verstärkt. Die Bestände an Treasuries bei der US-Notenbank liegen nach einem Bondankaufprogramm in den Jahren 2008 bis 2014 nahe an einem Rekordvolumen.

Als Folge sind zwei Dinge geschehen: Die Investoren revoltierten gegen eine Rendite nahe null Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen; sie kippten sie aus ihren Beständen beziehungsweise wetteten auf Kursverluste. Die mangelnde Markttiefe – also zu wenig handelbare Anleihen am Markt – verstärkte dann das Ausmaß der Kursausschläge.

„Das geht größtenteils von Europa aus”, sagte Yusuke Ito, Fondsmanager bei Mizuho Asset Management in Tokio. „Wegen der quantitativen Lockerung der EZB ist die Liquidität dort ziemlich knapp. In einer solchen Situation kann die Rendite leicht nach oben oder unten gehen.”

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist von einem Rekordtief bei 0,05 Prozent im April auf 0,72 Prozent gestiegen. Bei zehnjährigen Treasuries kletterte die Rendite von 1,64 Prozent im Januar auf 2,28 Prozent und bei zehnjährigen Japan-Bonds hat sich die Rendite seit Januar mehr als verdoppelt auf 0,46 Prozent.

Diese Charts zeigen, welche Märkte verrückt spielen

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+102,18 +0,76%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 10

Der Konflikt in der Ostukraine, der Schuldenstreit mit Griechenland, der fallende Ölpreis - zu Beginn des Jahres schien all das die Dax-Anleger kaum zu kümmern. Seit die Europäische Zentralbank angekündigt hatte, Staatsanleihen und andere Papiere im Umfang von 1,1 Billionen Euro bis 2016 aufzukaufen, kannte der Index nur eine Richtung: nach oben. Pendelte er zu Beginn des Jahres noch deutlich unter 10.000 Punkten, durchbrach er im Februar bereits die 11.000 Punkte-Marke. Im März folgte die nächste Etappe der Rally: Der Dax stieg erstmals in seiner Geschichte über 12.000 Zähler. Inzwischen ist die Euphorie der Anleger aber verflogen. Seit seinem Rekord von 12.391 Punkten im April befindet sich der Dax auf Korrekturkurs. Die Anleger sind vorsichtig geworden, der Zauber der Milliarden von „Super”-Mario Draghi dahin.

DAX- VOLATILITAETSINDEX

WKN
ISIN
DE0008467408
Börse
EUREX

0,00 0,00%
Chart von DAX- VOLATILITAETSINDEX
Dax-Volatilitätsindex
2 von 10

Wie sehr der Dax schwankt, lässt sich auch an seinem Volatilitätsindex ablesen. Der Index gibt an, welche Schwankungen des Dax am Terminmarkt erwartet werden. Ein hoher Wert deutet auf einen unruhigen Markt hin. Seit Jahresbeginn legte dieser Index um rund 24 Prozent zu. Allein in der ersten Maiwoche ging es 17 Prozent nach oben. Von den starken Schwankungen profitieren vor allem Börsenbetreiber und Hochfrequenzhändler. Ihnen bieten die Kursschwankungen höhere Handelsvolumina und mehr Möglichkeiten aus Kursdifferenzen an verschiedenen Handelsplätzen Gewinne zu machen. Für Privatanleger heißt es dagegen: Nerven bewahren.

BUNDESREP.DEUTSCHLAND ANL.V.2015 (2025)

WKN
ISIN
DE0001102374
Börse
STU

+0,04 +0,04%
+102,20€
Chart von BUNDESREP.DEUTSCHLAND ANL.V.2015 (2025)
Bundesanleihe (10 Jahre)
3 von 10

Auch der sonst eher ruhige Markt für Staatsanleihen spielt neuerdings verrückt. Denn seit Maibeginn werfen die Investoren Bundesanleihen reihenweise aus ihren Depots. Die Kurse brechen ein - innerhalb von nur einer Woche verlor die zehnjährige Bundesanleihe knapp 2,8 Prozent - dafür steigen die Renditen. Für viele Analysten kam der Kurseinbruch jedoch nicht überraschend. Vielmehr glauben sie, dass dies die Korrektur der durch die Staatsanleihenkäufe der EZB ausgelösten Übertreibungsphase am Markt einläute.

EUR/USD SPOT

WKN
ISIN
EU0009652759
Börse
FX

+0,00 +0,18%
+1,23€
Chart von EUR/USD SPOT
EUR/USD
4 von 10

Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat sich nicht nur auf die Staatsanleihen, sondern auch auf den Euro ausgewirkt. Die Europäische Gemeinschaftswährung wertete zu Beginn des Jahres gegenüber dem US-Dollar massiv ab. War zum Jahresbeginn ein Euro noch rund 1,21 US-Dollar wert, rutschte die Währung am 16. März auf ein Rekordtief von rund 1,04 US-Dollar. Das befeuerte zunächst noch mehr die Aktien-Rally, etwa beim Dax, in dem exportstarke deutsche Unternehmen gelistet sind. In den USA machte der starke Dollar der einheimischen Industrie dagegen zu schaffen. Doch auch auf dem Devisenmarkt zeichnet sich seit kurzem eine Wende ab. Zuletzt stieg der Euro wieder über die 1,1 US-Dollar-Marke.

EURO-BUND-FUTURE FUTURE Jun./18

WKN
ISIN
DE0009652644
Börse
EUREX

+0,14 +0,09%
+158,09€
Chart von EURO-BUND-FUTURE FUTURE Jun./18
Euro-Bund-Future
5 von 10

Beim Euro-Bund-Future - dem Terminkontrakt für eine fiktive, zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von sechs Prozent - gilt: Je stärker die Rendite für die Bundesanleihe steigt, umso billiger wird der Euro-Bund-Future. Seit dem ersten Januar 2015 ist der Wert des Kontrakts um 1,3 Prozent gefallen, innerhalb der ersten Maiwoche sogar um 2,5 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt den Ausverkauf wider, der auf dem Markt für Staatsanleihen passiert. Der Kurs der Schuldpapiere der Bundesrepublik fällt, entsprechend steigt die ihre Rendite.

Ölpreis (Brent Barrel Oil)

WKN
ISIN
Börse

Chart von Ölpreis (Brent Barrel Oil)
Ölpreis (Brent Barrel Oil)
6 von 10

Die wohl für die Realwirtschaft folgenreichste Entwicklung hat der Ölpreis genommen. Kostete noch im Juli vergangenen Jahres ein Barrel rund 114 US-Dollar, fiel der Preis im Januar 2015 auf ein Tief von rund 48 Dollar je Barrel. Ein Grund für den rapiden Preisverfall ist das Überangebot am Markt. Die zunehmende Schieferöl-Produktion der USA drückte die Preise für den Rohstoff. Inzwischen hat sich die Marktlage allerdings wieder etwas entspannt - die US-Firmen produzieren bereits an ihren Kapazitätsgrenzen, sodass der Ölpreis kaum weiter fallen kann. Im vergangenen Monat ist er wieder um rund 17 Prozent gestiegen. Auf die Firmen hatte der billige Rohstoff unterschiedliche Effekte: Während einige von den günstigen Energiepreisen profitierten, mussten Öl- und Gasfirmen angesichts des Preisverfalls sparen.

UNITED STATES OF AMERICA DL-NOTES 2012(22)

WKN
ISIN
US912828SV33
Börse
STU

+0,05 +0,05%
+97,54€
Chart von UNITED STATES OF AMERICA DL-NOTES 2012(22)
10-jährige US-Staatsanleihe
7 von 10

Während die deutschen Staatspapiere ihren Kurswert einbüßen, werden die US-Staatsanleihen bei den Anlegern wieder beliebter. Der Kurs der zehnjährigen Anleihe ist seit Januar um rund 2,3 Prozent gestiegen. Angesichts einer möglichen Leitzinswende in den USA werden die bislang renditearmen Papiere für die Anleger wieder attraktiver.

Die Renditen steigen angesichts von Anzeichen, dass die Weltwirtschaft auf die beispiellosen Anreize der Zentralbanken reagiert. Im Euroraum sind die Verbraucherpreise im Mai auf Jahresbasis erstmals in sechs Monaten gestiegen, in den USA verstärken sich die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und die Bauausgaben, wie Daten aus dieser Woche zeigten. In Japan war die Wirtschaft das zweite Quartal in Folge gewachsen.

„Die Regulierungen, die von den Marktteilnehmern eine Verringerung ihrer Risiken verlangen, tragen zu dem Mangel an Liquidität im Markt bei“, sagte Hajime Nagata, Vermögensverwalter bei Diam in Tokio. Eine Folge sei, dass die Marktmacher weniger Bonds im Bestand halten, was zu übertriebenen Bewegungen bei den Wertpapieren führe. „Plötzlich fallen die Bondkurse.“

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2 Kommentare zu "Staatsanleihen: Anleiherenditen weltweit auf Rekordkurs"

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  • Es wäre doch sehr peinlich für eine Währung, wenn herauskommen würde, dass die Anleihen in Dollar und EURO Trashbonds sind.

    Im Prinzip fungieren die Notenbank der USA und die EZB wie riesige Müllschlucker.

    Und dies aus folgendem Grund: Man muss sich nur mal vorstellen, welchen Ansehensverlust eine Währung erleiden würde, wenn die Anleihezinsen alter Anleihen so stark steigen würden, dass dieser Anstieg einen sehr hohen Verlust im Vergleich zur Erstanschaffung im Primärmarkt bedeuten würde.

    Das würde einen so hohen Vertrauensverlust für die am Markt tätigen Anleihegläubiger bedeuten. Die USA und die EZB mussten daher die Anleihen "ankaufen", wenn sie weiterhin zu günstigen Zinsen Anleihen im Primärmarkt aufnehmen wollen.

  • „Wegen der quantitativen Lockerung der EZB ist die Liquidität dort ziemlich knapp. In einer solchen Situation kann die Rendite leicht nach oben oder unten gehen.”

    Diese Aussage halte ich für wenig logisch. Gerade weil die EZB Anleihen als Sicherheit ankauft, sollte die Liquidität auf der Geldseite besonders groß sein. Fakt ist doch vielmehr auch, dass die Chinesen im erheblichen Umfang Anliehen im Dollar und EURO verkauft haben.

    Und wie Wahrheit sollte doch auch eher sein, dass die EZB das auch wissen musste. Sie hat also nicht so sehr deshalb das Anleihekaufprogramm aufgelegt weil sie angeblich eine Inflation antreiben wollte, sondern weil der Markt die von den Chinesen gehaltenen Papiere nicht aufgenommen hätte. Und das wäre arg peinlich gewesen, wenn das sichtbar geworden wäre.

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