Staatsanleihen
Asmussen warnt vor Turbulenzen an Zinsmärkten

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat weitere Reformen in Südeuropa angemahnt. Die verschuldeten Staaten müssten ihre Haushalte zügig sanieren. Sonst könnten die Anleihenmärkte erneut verrückt spielen.
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FrankfurtDie Krisenstaaten in der EU sollten zügig ihre Staatsfinanzen sanieren. Das hat Jörg Asmussen, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert. Wenn Ländern wie Spanien oder Italien mehr Zeit dafür gegeben wird, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen, droht ein Wiederaufflammen der Turbulenzen an den Staatsanleihemärkten, warnte er bei einer Rede in Magdeburg.

„Ohne weitere Strukturreformen und zügige Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung kann es leicht zu erneuten Spannungen an den Staatsanleihenmärkten kommen”, sagte Asmussen. „Pause machen und Ausruhen ist keine wirkliche Option.”

Von der Rezession betroffene Staaten hatten im Mai mehr Spielraum bei ihren Haushalten von der Europäischen Kommission erhalten. Sechs Quartale mit einem Rückgang der Wirtschafts-Leistung in der Eurozone und eine Jugendarbeitslosigkeit von 24 Prozent veranlassten Spanien und Frankreich, für die Erreichung ihrer Fiskalziele um zwei Extra-Jahre zu bitten.

„Gerade in Zeiten geringen Wachstums werden die Rufe nach etwas mehr Zeit und weniger Reformdruck laut”, sagte Asmussen. Die derzeitigen Diskussionen in der Europäischen Union, die zur Aufweichung der Vorgaben geführt haben, „sind hier nicht sonderlich hilfreich. Denn sie strecken den Zeitrahmen zur Budgetkonsolidierung in einigen Staaten ungerechtfertigt lang und mindern so den Reformdruck”.

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Asmussen warnt vor Turbulenzen an Zinsmärkten

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„Ehrgeizige Zeitvorgabe“

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  • Die Schuldenkrise ist nicht überwunden. Die Clubmed Staaten werden nur soviel machen, wie es gerade noch irgendwelche (Schein)verpflichtungen den anschein hat.
    Natürlich wird immer wieder Sand in die Augen gestreut.
    Später kann man nichts für die Entwicklung und ist logischerweise nicht schuld. Das sind immer die anderen.

    Auch Asmussen muss den Schein wahren und immer mal mahnend den Finger erheben.
    Jedoch in seinen Entscheidungen bei der EZB zeigt seine Haltung ein anderes Bild.
    Wer interessiert sich heute noch für den Fiskalspakt.
    Wer für die bisher geschlossenen Verträge.
    Lagarde sagte mal richtig:
    Es gibt in den Eurostaaten noch keinen Vertrag, der nicht auch gebrochen wurde.

    Letztendlich dienen solche Aussagen wie von Hr. Asmussen und anderen Leute nur dafür zu beruhigen und als Verfechter einer wahren Idee zu stehen, auch wenn diese im inneren anders denken.

  • Ich bin entsetzt. Entsetzt über die Qualität unserer sog. Eliten. Als Student der Wirtschaftswissenschaften hätte man mich nach solch einem Vortrag standepete exmatrikuliert. In einer rezession zu konsolidieren und die Arbeitseinkommen unter Druck zu setzen, und das in einem konsum- und wachstumsorientierten System. Eine echte Lachplatte. Wann ziehen diese Herrschaften endlich eine Lehre aus ihren nachgewiesenen wirtschaftlichen Fehlentscheidungen und lassen kompetenten (sozial und fachlich) Leuten das Feld. Am Beispiel Asmussen sieht man, dass die Gesellschafft in dessen (und Anderer) Ausbildung fehlinvestiert hat.

  • Das fragt man sich tatsächlich, insbesondere da es die selben Herren sind unter deren weiser ökonomischer Führung sich die Ungleichgewichte erst derat aufgetürmt haben, dass es nun immer schmerzhafter wird auf eine gesundes Niveau zu kommen. Deren Weiheit reicht leider nicht weiter als Schmerzmittel in immer höherer Dosis zu verabreichen, derweil der Krebs munter vor sich hinwächst und das System von innen aushölt.

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