Staatsanleihen
Banken erwarten niedrigere Zinsen

An den Anleihemärkten weht derzeit ein rauer Wind: Der rasche Kursverfall der zehnjährigen Bundesanleihe beunruhigt Anleger, die ihr Geld in Zinspapiere oder Rentenfonds investiert haben. Doch Analysten prognostizieren ein Comeback der Staatsanleihen im zweiten Halbjahr.

FRANKFURT. An den Anleihemärkten weht ein rauer Wind. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe – Richtmaß für die Stimmung an Europas Bondmärkten – ist in diesem Jahr schon um drei Prozent eingebrochen. Entsprechend ist die Rendite um 0,40 Prozentpunkte auf 3,70 Prozent in die Höhe geschnellt. Damit hat sie schon jetzt das Niveau erreicht, das Volkswirte im Schnitt vor vier Monaten für Ende des Jahres prognostiziert hatten.

Der rasche Kursverfall beunruhigt Anleger, die ihr Geld in Zinspapiere oder Rentenfonds investiert haben. Die meisten europäischen Rentenfonds fuhren in diesem Jahr bislang leichte Verluste ein. Doch nach Ansicht von Experten besteht kein Grund zur Panik. Im Februar erwarteten die 35 vom Analysehaus Consensus Economics monatlich befragten Banken im Mittel, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in zwölf Monaten bei 3,80 Prozent und damit nur leicht über dem aktuellen Niveau liegen wird.

Das liegt auch daran, dass die „Bond-Bullen“ an ihrem Optimismus festhalten und mittelfristig wieder sinkende Renditen erwarten, wie eine aktuelle Umfrage des Handelsblatts unter acht Banken, die schon länger auf einen Rückgang der langfristigen Kapitalmarktzinsen setzen, ergab. Sie begründen das vor allem damit, dass sich die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich wieder abkühlen wird. „Gerade die US-Konjunktur könnte angesichts einer Verlangsamung der Preiszuwächse am Immobilienmarkt Schwäche zeigen“, sagt etwa Nicole de Haan vom Bankhaus Lampe. „Das wird vor allem die US-Verbraucher treffen, die 70 Prozent zum amerikanischen Bruttosozialprodukt beitragen“, ergänzt Sylvain Broyer von der französischen Investmentbank Ixis CIB.

Gianni Hirschmüller, Gesellschafter des auf die verhaltensorientierte Analyse der Finanzmärkte spezialisierten Research-Hauses Cognitrend, betont, dass viele Anleger jüngst Geld aus Schwellenländer-Bonds in Fremdwährungen abgezogen haben. Diese Investoren würden bei einem Renditeanstieg lieber Euro- und US-Anleihen kaufen, bisher zögerten sie aber noch, entsprechend umzuschichten. „Das Geld ist geparkt, wird aber früher oder später angelegt und die Renditen wieder sinken lassen“, sagt Hirschmüller.

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