Staatsanleihen
Die neue fünfjährige Bundesobligation floppt

Die Banken haben Deutschland am Mittwoch zum Teil auf der neuen fünfjährigen Bundesobligation sitzen lassen. Der Bund bot sieben Mrd. Euro an, bekam aber nur Gebote über 5,665 Mrd. Euro. Damit lagen die Kaufaufträge der Banken um 19,2 Prozent unter dem angebotenen Volumen. Ein so deutliches Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ist selten.

FRANKFURT. Anleihen des Bundes werden über Auktionen vergeben, für die nur zugelassene Banken Gebote abgeben dürfen. Sie ersteigern die Papiere meist im Auftrag von institutionellen Investoren. Bundesobligationen sind haben im Gegensatz zu den länger laufenden Bundesanleihen nur eine Laufzeit von fünf Jahren. In der Regel wird nach sechs Monaten eine Serie geschlossen und mit der Ausgabe einer neuen Serie begonnen.

Im Januar hatte es für die neue zehnjährige Bundesanleihe zwar auch nur wenige Gebote gegeben, sie lagen aber nur 1,7 Prozent unter dem Emissionsvolumen. Andere Auktionen des Bundes in diesem Jahr waren dagegen wie üblich leicht bis deutlich überzeichnet.

Zinsstrategen wie Kornelius Purps von Unicredit bezeichneten die Auktion als "extrem schwach". Ein Sprecher der Finanzagentur, die für die Versteigerungen verantwortlich ist, betonte dagegen, das Ergebnis entspreche den Erwartungen im derzeitigen Marktumfeld.

In den vergangenen Tagen sind die Kurse von Staatsanleihen gefallen und ihre Renditen gestiegen. Die Renditen sind aber immer noch sehr niedrig, und Bundespapiere bieten viel weniger Rendite als andere Staatsbonds im Euro-Raum. "In einem Umfeld, in dem die Risikoscheu etwas nachlässt, sinkt die Nachfrage nach Bundesanleihen etwas", sagte Sean Moloney, Zinsstratege bei Nomura, der Nachrichtenagentur Reuters. Kurz vor der Auktion hatte der besser als erwartet ausgefallene Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts laut Analysten die Nachfrage nach Bundesanleihen zusätzlich gedämpft.

Ein Finanzierungsproblem hat Deutschland wegen der schwachen Nachfrage nicht. Der Bund behält immer einen Teil neuer Anleihen zur Marktpflege ein und muss deshalb nicht den Gesamtbetrag versteigern. Die gestrige Marktpflegequote lag bei 1,67 Mrd. Euro. Anders als bei der Auktion der Zehnjährigen im Januar gab die Finanzagentur gestern fast allen Bietern auch einen Zuschlag. Dies zeige, dass die gebotenen Preise für den Bund recht gut gewesen seien, hieß es bei der Finanzagentur. cü

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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