Staatsanleihen: Die Schuldenkrise schlägt wieder zu

Staatsanleihen
Die Schuldenkrise schlägt wieder zu

Für die Schuldenstaaten wird es wieder eng. Aus Sicht von Experten liegt das auch am Schlingerkurs der europäischen Politik. Lange geht das nicht mehr gut, sagen sie.
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LissabonPortugal hat sich am Mittwoch am Finanzmarkt eine Milliarde Euro geliehen, musste dabei jedoch hohe Zinsen in Kauf nehmen. Bei der Emission zweijähriger Staatsanleihen verlangten Investoren eine Durchschnittsrendite von 5,993 Prozent und damit deutlich mehr als bei der vergangenen Auktion, als das Land noch mit 4,086 Prozent davongekommen war. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 1,6-Fache. Portugal reizte bei der Schuldenaufnahme die zuvor genannte Spanne von 750 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro voll aus.

Das südeuropäische Land versucht, sich aus eigener Kraft auf dem Kapitalmarkt zu finanzieren. Das Stigma, um Hilfe bitten zu müssen, will man um jeden Preis vermeiden. "Ich würde es einen symbolischen Schritt nennen", sagte Dirk Poelman, Anleihefondsmanager bei KBC Asset Management, gegenüber Bloomberg. "Sie machen gute Miene und sagen 'Wir können immer noch an den Markt gehen'. Allerdings sind die Bedingungen, speziell für länger Laufzeiten, kaum noch zu stemmen."

"Dieser Zins ist nicht durchzuhalten", sagte auch Norbert Aul, Stratege der Royal Bank of Canada in London. "Die nächsten Finanzierungsrunden im April und Juni werde noch schwieriger, so dass es immer wahrscheinlicher wird, dass Portugal um Hilfe bitten muss."

Nicht nur für Portugal, auch für andere hochverschuldete Staaten hat sich die Lage zuletzt wieder verschärft. Irlands Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wird zurzeit mit einem Zinsaufschlag von gut sechs Prozentpunkten zur deutschen Benchmark-Anleihe gehandelt. Das sind 70 Basispunkte mehr als Anfang Februar. Ein ähnliches Bild ergibt sich für griechische oder spanische Papiere.

Aus Sicht von Experten liegt das auch am Schlingerkurs der europäischen Politik.Nach dem Schreck der Griechenland- und Irlandkrise, die eine Kapitalflucht aus Schuldverschreibungen schwächerer EU-Staaten ausgelöst hatte, hatte sich die Politik die Messlatte ziemlich hoch gelegt. So kündigte EU-Währungskommissar Olli Rehn eine "überzeugende und umfassende Strategie" an, um die Schuldenkrise zu beenden. "Deutschland und Frankreich sind fest entschlossen, dass 2011 das Jahr des neuen Vertrauens in den Euro sein wird", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch beim EU-Gipfel am 4. Februar versprochen. Doch passiert ist bislang wenig.

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  • Die 3% Hürde bei der Neuverschuldung ist banal. Stabilitätskriterium müsste die Begrenzung der Pro-Kopf Gesamtverschuldung eines EU-Mitgliedslandes sein.

  • Nach 10 Jahren Blindheit und nunmehr 4 Jahren Krise
    passiert NICHTS.

    Warum passiert nichts?

    Weil irgendwer WILL, dass NICHTS passiert.

    Und wenigstens für Deutschland weiss man, warum das so ist:

    Die CDU hat versprochen,
    sich nicht in Politik einzumischen.

  • @ Thomas - Das ist nicht logisch. Warum sollte eine einheitliche Waehrung zum Chaos fuehren? Entscheidend fuer die Leistungskraft einer offenen Wirtschaft sind Preis und Qualitaet. Eine Abwertung ist ein fauler Trick um den Preis fuer Exporte zu verringern und den Preis fuer Importe zu verteuern. Abwertung erzeugt Inflation. Bezieher von Geldeinkommen und Besitzer von Geldvermoegen werden enteignet waehrend die Schuldner die grossen Gewinner sind. Der groesste Schuldner ist oft der Staat. Und so verwundert es also nicht, dass Abwertungen meistens im Schwarm daherkommen. Sie sind immer ein Symptom unserioeser Wirtschaftspolitik. Seltenst hat ein Land nach einer Abwertung eine Genesung angetreten.

    Bei einer einheitlichen Waehrung ist der nationalen Regierung die hinterhaeltige List der Abwertung verbaut. Wenn das Olivenoel in Euro gemessen zu teuer ist, muss man mit dem Preis runter. Wenn sich die Produktion von Olivenoel zum niedrigeren Preis nicht mehr lohnt, muessen die Loehne runter. Oder Rentenalter rauf, oder effizienter arbeiten, oder Steuern runter und so weiter. Zwischen allen Parametern, die Preis und Qualitaet beeinflussen gibt es Trade-offs. Die ideale Kombination dieser Parameter wird durch den freien Markt und entsprechend den Praeferenzen der jeweiligen Nationen gefunden. Wer frueher in Rente gehen will, muss sich mit niedrigerer Rente oder mit hoeheren Beitraegen arrangieren.

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