Staatsanleihen
Es gibt keine Sicherheit mehr

Wer sein Geld sicher anlegen will, kauft Staatsanleihen. Eine ganze Generation von Anlegern hat daran geglaubt. Es war ein Trugschluss. Seit der Schuldenkrise wird das klar. Selbst an Deutschland wird gezweifelt.
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DüsseldorfDie Welt ist nicht mehr sicher. Das war sie eigentlich noch nie. Aber viele Investoren an den Finanzmärkten haben das jetzt erst gemerkt. Sie hatten sich eingebildet, es gebe nichts sicheres, als ihr Geld dem Staat zu leihen. Nun stellt mancher Anleger fest, dass das keine gute Idee war.

Die bittere Erkenntnis der Euro-Krise: Es gibt keine absolute Sicherheit. Was sicher, und was riskant ist, muss neu gedacht werden. Selbst Deutschland ist nicht unantastbar. Nicht erst seit dem Warnschuss durch die Ratingagentur Moody’s, die den Ausblick für die Kreditwürdigkeit am Montagabend auf „negativ“ gesenkt hat, ist klar, dass die Euro-Rettung für die Bundesrepublik teuer werden könnte. Noch gelten Bundesanleihen als der „sichere Hafen“ schlechthin. Aber das muss nicht so bleiben.

„Der Begriff ‚sichere‘ Anlagen ist eine Momentaufnahme: Weder gibt es auf ewig sichere Anlageklassen noch derartige Schuldner oder gar Erträge“, schreibt Harald Preißler, Volkswirt der auf Anleihen spezialisierten Bantleon Bank.

Eine wenig überraschende Erkenntnis, die dennoch für viele neu ist. Für eine ganze Generation von Anlegern galten Staatsanleihen als sicherste Anlage überhaupt. Noch dazu viel nervenschonender als Aktien, da die Kurse weniger schwankten. Der Staat hat die tiefsten Taschen, hieß es. Jahrzehntelang galt der Ausspruch von Walter Wriston, ehemaliger Chef der Citibank und einer der einflussreichsten Banker. Er prägte in den 1970er-Jahren den Satz: „Countries don’t go bust“, zu deutsch: Staaten gehen nicht pleite. Die Ratingagenturen trugen ihren Teil zu diesem Mythos bei, indem sie hochverschuldeten Staaten eine hervorragende Kreditwürdigkeit bescheinigten. 

Das kann man spätestens seit der Schuldenkrise in Europa so nicht mehr stehen lassen. Griechenland hat bereits einen Schuldenschnitt hinter sich, was de facto nichts anderes als eine Pleite bedeutet. Trotzdem kommen die Griechen nicht wieder auf die Beine - der nächste Zahlungsausfall zeichnet sich bereits ab. Ein ähnliches Schicksal droht Spanien. Das Land kann sich zwar noch am Kapitalmarkt finanzieren, allerdings nur zu extrem hohen Zinsen. Am Anleihemarkt liegt die Rendite für zehnjährige Bonds bei 7,5 Prozent. Ein solches Niveau ist auf Dauer kaum tragbar.

„Wir müssen uns endlich von der Versicherungsmentalität lösen“, sagt Philipp Vorndran, Anlagestratege der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Die Bürger könnten nicht mehr darauf hoffen, dass der Staat im Notfall haftet.

Das Problem ist, dass es kaum objektive Kriterien gibt, um zu beurteilen, ob ein Staat ein guter oder schlechter Schuldner ist. Meist wird nur auf die Zahlen wie die Schuldenquote geschaut – also auf das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt. Die sagt aber leider wenig aus über die wahre Qualität eines Schuldners. Neben den gängigen volkswirtschaftlichen Kennzahlen sollten Anleger auch auf weniger bekannte Faktoren achten.

Kommentare zu " Staatsanleihen: Es gibt keine Sicherheit mehr"

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  • Und immer wieder ist die Antwort nach Sicherheit die selbe, Egal zu welcher Zeit sind Immobilien immer die beste Fluchtburg für Sicherheit und Ertrag. www.claus-fischbach.de

  • Edelmetalle sind eine Krisenwährung, d.h. sie kommen zum Einsatz, wenn die landeseigene Papierwährung zusammengebrochen ist. Kurzum: Gold hält man, weil kein anderes Zahlungsmittel zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr akzeptiert werden wird. Und Gold erhält man im Austausch gegen Dienstleistungen und Produkte. Gold ist Geld!

  • Ich habe mich schon immer gewundert, wieviele Fliegen diesen scheinbar "sicheren" Braten gegessen haben.
    Ein Anleihensystem bei einem Schuldenstaat, für den ich mit meinen eigenen Ersparnissen hafte?
    Wer diesem System Sicherheit attestiert, hat wohl nicht alle Tassen im Schrank.
    Sicher ist nur, dass wir alle enteignet werden.
    Und das ist auch gut so. Denn nur dann lernen wir, dass wir innerhalb 100 Jahren 3mal unser Geld verloren haben.

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