Staatsanleihen
Euro-Zone besiegt die Fliehkräfte

Der Markt für europäische Staatsanleihen hat seine bisher wohl schwerste Belastungsprobe bestanden. Obwohl die Länder der Euro-Zone im kommenden Jahr noch mehr Geld von Investoren brauchen, haben sie keine Probleme, ihre Bonds zu platzieren. Grund: Die Risikoprämien sind massiv gesunken.

FRANKFURT. "Das große Krisenszenario, in dem sogar ein Zerfall der Währungsunion diskutiert wurde, spielt an den Rentenmärkten im Euro-Raum keine Rolle mehr", sagt Michael Rottmann, Leiter des Zins- und Währungsresearchs bei Unicredit.

Im Jahr 2010 werden die Euro-Staaten neue Anleihen im Rekordvolumen von 1,1 Billionen Euro begeben, prognostiziert die Commerzbank. Das wären gut 20 Prozent mehr als im laufenden Jahr, in dem die Staaten die Rentenmärkte schon stärker anzapfen als je zuvor. Auch die Strategen von Barclays Capital und ING rechnen mit Anleiheplatzierungen von mehr als einer Billion Euro. Hauptgrund für den großen Kapitalhunger sind die Kosten der Konjunkturprogramme und der erwarteten steigenden Arbeitslosigkeit.

Doch trotz der gigantischen Summe dürften die Länder keine Schwierigkeiten haben, dieses Geld aufzunehmen, denn die Lage an den Märkten hat sich deutlich entspannt. "Die Sorgen, dass sich einzelne Länder im Euro-Raum nicht refinanzieren können, sind vollkommen vom Tisch", sagt Rüdiger Kerth, Rentenfondsmanager bei Union Investment. An den Anleihemärkten lässt sich dies schon jetzt ablesen. Die Renditen der Anleihen der Euro-Länder nähern sich wieder an.

In der schärfsten Phase der Krise zu Jahresbeginn waren Investoren noch panisch aus Bonds wirtschaftlich schwächerer oder von der Bankenkrise besonders betroffener Staaten wie Griechenland, Portugal, Italien oder Irland geflohen. Entsprechend sackten die Bond-Kurse ab: Die Länder mussten für zehnjährige Anleihen zwischen 1,3 und 2,7 Prozentpunkte mehr Rendite bieten als Deutschland. Seither sind die sogenannten Risikoprämien aber wieder um die Hälfte bis zwei Drittel gesunken.

Ein Grund dafür ist, dass die konjunkturelle Talfahrt der Euro-Zone im Frühjahr nahezu zum Stillstand gekommen ist. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Jahresbeginn noch um 2,5 Prozent geschrumpft war, sank die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nur minimal um 0,1 Prozent. Für das zweite Halbjahr wird nach Ansicht der Bundesbank allgemein mit einer fortgesetzten Stabilisierung der Konjunktur im Euro-Raum gerechnet. Zwar könnten die von einigen Volkswirten erwarteten erneuten Rückschläge an der Konjunkturfront die Risikoprämien der Anleihen im Euro-Raum wieder steigen lassen - aber nur vergleichsweise moderat, meint Fondsmanager Kerth.

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