Staatsanleihen
Frankreich refinanziert sich historisch günstig

Frankreich zählt derzeit nicht zu den Top-Anlage-Adressen im Euro-Raum. Dennoch konnte das Land Anleihen im Wert von knapp acht Milliarden Euro ausgeben – und muss dafür kaum vergleichsweise wenig Zinsen zahlen.
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ParisDie zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich hat sich ungeachtet der Abwertung seiner Kreditwürdigkeit durch zwei US-Ratingagenturen im vergangenen Jahr am Donnerstag zu rekordniedrigen Zinsen frisches Kapital besorgt. Bei einer Versteigerung von Staatsanleihen mit Fälligkeit 2022 sank die zu zahlende Durchschnittsrendite auf 2,07 Prozent, wie aus Zahlen der nationalen Schuldenagentur in Paris hervorgeht.

Das ist ein Rekordtief in dieser Laufzeit. Bei der letzten vergleichbaren Ausgabe Ende Oktober hatte Frankreich noch 2,22 Prozent Zinsen zahlen müssen. Zusammen mit drei weiteren Anleihen, die zwischen den Jahren 2019 und 2032 fällig werden, nahm das Land am Donnerstag insgesamt knapp acht Milliarden Euro auf. Das entsprach in etwa dem anvisierten Ziel. Die Nachfrage nach den Schuldtiteln war abermals hoch, allerdings leicht rückläufig.

Frankreich zählt aus Anlegersicht derzeit nicht zu den Top-Adressen im Euroraum. Das Land profitiert aber von dem großen Anlagenotstand: Wegen sehr niedriger Renditen insbesondere in Deutschland sehen sich Investoren gezwungen, auf Länder mit etwas geringerer Bonität auszuweichen. Hierzu gehört Frankreich. Zehnjährige französische Staatsanleihen erbringen derzeit rund einen halben Prozentpunkt mehr an Rendite als entsprechende Schuldtitel Deutschlands.

Frankreich profitiert derzeit davon, dass Anleger in der Euroschuldenkrise das Vertrauen in Staaten wie Spanien und Italien verloren haben. Frankreich wird daher trotz seiner angespannten Haushaltslage und Wirtschaftsprobleme von Investoren als vergleichsweise sicherer Hafen gesehen. Dabei hatte die Ratingagentur Moody's Frankreich im November die Bestnote Aaa entzogen und das Land auf Aa1 herabgestuft.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Staatsanleihen: Frankreich refinanziert sich historisch günstig"

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  • Frankreich ist sozialer als Deutschland, weswegen dort noch Linder geboren werden (F: 2,03 Kinder/Frau vs. BRD: 1,36 Kinder/Frau). Ich kaufe doch keine langfristige Staatsanleihe in éinem Land, welches kurzfristig auf prekäre Beschäftigungen, Minijobs und Dumpinglöhne setzt, langfrisig jedoch zu einem verarmten Altersheim wird.

    Außerdem sind Frankreichs aktuellecRisiken doch eh schon längst auf gesamt Kerneuropa gestreut - das Risiko des Zahlungsausfalls ergo das selbe - bei genauer Betrachtung (s. o.) sogar noch niedriger - als in Deutschland.

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