Staatsanleihen
Griechenland droht weitere Herabstufung

Griechenland muss in den nächsten Wochen mit weiteren Herabstufungen seiner Kreditwürdigkeit rechnen. Das würde den Schuldendienst verteuern und den griechischen Banken die Refinanzierung erschweren. Die griechische Regierung will deshalb entschlossener sparen, um die Gefahr eines drohenden Staatsbankrotts zu bannen.
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ATHEN. Nachdem in den vergangenen Wochen die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) Griechenlands Kreditwürdigkeit auf „BBB+“ herabgesetzt und das Land damit in die zweite Liga der Schuldner verbannt haben, steht jetzt eine Neubewertung durch die Agentur Moody's an. Die Fachleute des Finanzinstituts hatten sich vergangene Woche in Athen informiert. Der griechische Finanzminister Gorgios Papakonstantinou erwartet ihr Urteil „in den nächsten Wochen“. Moody's bisherige Bewertung liegt mit „A1“ drei Stufen über den Noten, die Griechenland von Fitch und S&P bekommt. Diese beiden Agenturen hatten den Ausblick auf „negativ“ belassen, was weitere Herabstufungen erwarten lässt. S&P-Griechenland-Experte Marko Mrsnik kündigte an, man werde die Entwicklung nun „drei bis vier Monate lang“ beobachten, um dann erneut über eine Neubewertung zu entscheiden.

Damit droht Griechenland immer mehr zum Gefangenen der Ratingagenturen zu werden. Von deren Urteil hängt nicht nur die Kursentwicklung der griechischen Bonds an den Finanzmärkten und damit die Höhe des Risikozuschlags ab, die der griechische Finanzminister seinen Gläubigern zahlen muss. Kritisch werden könnten weitere Downgrades auch für die Athener Banken, die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in großem Umfang griechische Staatsanleihen als Sicherheiten hinterlegt haben, um sich mit billiger Liquidität zu versorgen. Krisenbedingt akzeptiert die EZB seit Herbst 2008 auch Bonds bis zur Bewertung „BBB-“als Sicherheiten, will aber ab 2011 zu der früheren Regelung zurückkehren, wonach nur Bonds, die mindestens mit „A-“ bewertet sind, als Sicherheiten taugen.

So könnte der Fall eintreten, dass die EZB die Staatspapiere eines ihrer Mitglieder nicht mehr akzeptiert. Denn die EZB scheint nicht bereit zu sein, für Griechenland eine Ausnahme zu machen. Die Bank werde Ende 2010 hinsichtlich der Sicherheiten zu der alten Regelung zurückkehren, sagte EZB-Vizepräsident Loucas Papademos zu Reuters.

Damit liegt das Schicksal Griechenlands in den Händen der Ratingagenturen – „eine bizarre und letztlich für die EZB unhaltbare Situation“, wie Erik Nielsen, Chefökonom bei Goldman Sachs in London, meint. Griechenland müsse nun „entschiedene, substanzielle und mutige Entscheidungen“ zur Konsolidierung der Staatsfinanzen treffen, „je schneller, desto besser“, mahnte Papademos.

Finanzminister Papakonstantinou will nun die Defizitquote von 12,7 Prozent in diesem Jahr 2010 auf 8,7 Prozent drücken – bisher waren 9,1 Prozent angesetzt. Das neue Defizitziel ist Bestandteil des Haushaltsentwurfs, über den das Athener Parlament am morgigen Mittwoch abstimmen soll. „Wir müssen unser Haus in Ordnung bringen“, sagte Papakonstantinou in der Etatdebatte. Damit will der Minister nicht zuletzt das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen.

Markt für griechische Bonds beruhigt sich wieder

Die Talfahrt der griechischen Staatsanleihen an den Finanzmärkten verlangsamte sich am Montag. Die Angst vor einer drohenden Staatspleite Griechenlands, die letzthin zu immer höheren Risikozuschlägen bei griechischen Bonds geführt hatte und die Athener Börse seit Mitte November um 25 Prozent abstürzen ließ, sei übertrieben gewesen, hieß es in Marktkreisen. Die in den vergangenen Tagen auf fast 280 Basispunkte geschnellte Zinsdifferenz zwischen den zehnjährigen griechischen Bonds und der vergleichbaren Bundesanleihe sei „viel zu hoch“, urteilte Ciaran O'Hagan von der Société Générale und empfahl griechische Staatsanleihen zum Kauf. Das etwas aufgehellte Bild könnte sich aber schon bald wieder verfinstern.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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