Staatsanleihen
Griechenlands Kampf um seinen Ruf als Schuldner

Das Mittelmeerland und seine Großbanken sind auf die Unterstützung der Europäischen Zentralbank angewiesen. Die sinkende Kreditwürdigkeit droht einen Teufelskreis auszulösen. Was Anleger wissen sollten.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF/ATHEN. Jahrzehnte unsolider Haushaltspolitik rächen sich für Griechenland. Die jüngste Aufwärtskorrektur der Haushaltsdefizite hat die Rating-Agenturen und die EU-Partner verärgert und dem Land die schlechtesten Bonitätsnoten der Eurozone beschert. Nun muss die neue Regierung das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen.

Die gestrigen Marktreaktionen auf die Herabstufung der Bonitätsbewertung durch die Rating-Agentur Fitch haben der seit zwei Monaten amtierenden sozialistischen Regierung vor Augen geführt, dass die bisherige Wende in der Finanzpolitik nicht ausreicht. Zehnjährige griechische Anleihen werden nun einen Risikoaufschlag von 2,25 Prozentpunkten auf vergleichbare deutsche Anleihen gehandelt – das ist mehr als die 1,71 Prozentpunkte für Irland und die 0,65 Prozentpunkte für Portugal. Die Börse Athen verlor sechs Prozent.

Sorge um langfristige Schuldenlast Anders als zu Jahresbeginn sorgten sich Anleger nicht mehr um kurzfristige Liquiditätsprobleme, sondern um die langfristig hohe Schuldenlast, erklärte David Schnautz, Zinsstratege der Commerzbank. Er fürchte, dass die Risikoaufschläge weiter stiegen, wenn Griechenland neue Anleihen auf den Markt bringe. Analysten erwarten für 2010, dass der Staat sich 45 Mrd. Euro leihen muss.

Das wird nicht leicht, denn schon jetzt halten sich die Zentralbanken mit dem Kauf griechischer Anleihen zurück. Sie besitzen nach Angaben des Banken- und Brokerverbandes Sifma ein Viertel aller Staatsanleihen im Euroraum, aber nur fünf Prozent der griechischen. Dafür sind Geschäftsbanken mit 45 Prozent die größten Gläubiger der Griechen.

Bisher hatte das Land kein Problem, Käufer für Anleihen zu finden. Schließlich konnten die Banken sie als Sicherheit bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen und sich dafür zu einem sehr niedrigen Zins mit Geld versorgen. Auf diese Weise sind seit Sommer 2008 nach Schätzungen der Royal Bank of Scotland staatliche und private griechische Wertpapiere im Wert von 35 Mrd. Euro bei der EZB gelandet.

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