Staatsanleihen
Im nächsten Jahr steigen die Renditen

Gute Nachrichten für konservative Anleger: Im nächsten Jahr sollen die Renditen für Staatsanleihen weiter steigen. Das erwarten zumindest führende Ökonomen. Die wirtschaftliche Erholung trüge dazu bei. Kommt 2010 die Trendwende?
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HB FRANKFURT. Staatsanleihen gelten als sicherer Hafen für Geldanleger. Im nächsten Jahr könnte sich ein Investment wieder lohnen, Ökonomen rechnen mit einem weiteren Anstieg der Renditen. Die Belebung der Wirtschaft nach dem beispiellosen Einbruch und erholten Finanzmärkte werden neben der wachsenden Staatsverschuldung als Gründe für ein höheres Renditenniveau genannt. Dank der massiven Stützung durch Zentralbanken und Regierungen fasste die Wirtschaft 2009 wieder Tritt. Entscheidend für das Renditeniveau dürften die Stärke des Aufschwungs und die Reaktion der Zentralbanken darauf sein. Ökonomen rechnen mit einem sehr behutsamen Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik. Die stabilere Verfassung der Finanzmärkte sollte die Attraktivität von Staatsanleihen, die in turbulenten Zeiten als "sicherer Hafen" gelten, weiter senken.

Zu Beginn des Jahres 2009 in der Hochphase der Krise hatte die Flucht der Anleger die Rendite von deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf das Rekordtief von knapp 2,9 Prozent gedrückt. Neben der Suche nach Sicherheit galten auch die extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken und der direkte Kauf von Anleihen im Kampf gegen die Krise als Stütze für die Rentenmärkte. Die hohe Emissionstätigkeit der Staaten zur Finanzierung der Konjunkturpakete dürfte erst allmählich zu einer Belastung für den Rentenmarkt werden. Insgesamt setzt der Markt eher auf einen sanften Entzug der Liquidität. "Das Jahr 2010 liefert uns das Ende der extremen Niedrigzinspolitik", erwartet Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank.

Trendwende in Sicht

"Bei den Notenbanken ist nur eine sehr moderate Kehrtwende zu erwarten", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Die Wende könnte vielleicht sogar "etwas zu moderat" ausfallen. Er rechnet wie die Mehrheit der 16 befragten Experten mit einem Anstieg der langfristigen Zinsen. Gründe seien die Konjunkturerholung, die Normalisierung der Inflation und die hohe Emissionstätigkeit. In der Eurozone dürfte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen laut den befragten Experten von derzeit rund 3,24 Prozent auf 3,9 Prozent steigen. Für die USA rechnen die Experten bis Ende 2010 mit einem Renditeanstieg von nun etwa 3,71 Prozent auf 4,2 Prozent. Der Renditeabstand würde sich damit etwas einengen.

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet mit weiter niedrigen Renditen: "Trotz des starken Wachstums im zweiten Halbjahr werden die Renditen nur wenig steigen. Das Niedrigzinsumfeld bleibt intakt." Die Renditen der US-Staatsanleihen und zehnjähriger Bundesanleihen dürften weiter zwischen drei und vier Prozent schwanken. Postbank-Chefökonom Marco Bargel rechnet wegen der anhaltenden Konjunkturerholung in der ersten Hälfte 2010 unterdessen mit einem deutlichen Anstieg der Renditen in Richtung vier Prozent. Die Wachstumsverlangsamung im Zuge des Auslaufens der staatlichen Maßnahmen dürfte im weiteren Verlauf das Niveau aber wieder dämpfen. Experte Stefan Schilbe vom Bankhaus HSBC Trinkaus rechnet Ende 2010 im Gegensatz zur Mehrheit sowohl in den USA als auch in Europa mit einem leichten Renditerückgang auf 3,0 und 3,1 Prozent. Das Deflationsthema bleibe bestimmend, da die Kapazitätsauslastung sehr niedrig sei.

Auch die Credit Suisse rechnet vorerst noch mit einem relativ günstigen Umfeld für Staatsanleihen. Auslöser für den Trendwechsel dürften der stabilere Häusermarkt, eine Erholung des Konsumentenvertrauens, die Ausweitung des Bondangebots sowie das Auslaufen der quantitativen Geldmengenausweitung durch Anleihekäufe sein. Mittelfristig dürften die massiven Liquiditätsspritzen der Zentralbanken zu höheren Zinsen, Steuern und Inflation führen. Auch SEB-Experte Klaus Schrüfer rechnet ausgehend von dem sehr niedrigen Niveau mit leicht anziehenden Renditen wegen der Konjunkturerholung und kräftig steigender Staatsschulden.

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