Staatsanleihen
Investoren nehmen Abstand von Italien

Italien muss wegen seiner gigantischen Schulden historisch hohe Zinsen für frisches Geld bezahlen. Und selbst damit lockt das Land nur wenige Investoren an. Eine Milliarden-Emission ging nur mit Mühe über die Bühne.
  • 2

MailandItalien büßt für seine enormen Schulden mit historisch hohen Zinsen. Bei der ersten Auktion von zehnjährigen Staatsanleihen nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur S&P mussten Investoren mit einem durchschnittlichen Zins von 5,86 Prozent gelockt werden, teilte das Finanzministerium am Donnerstag mit. Noch nie seit Einführung des Euro waren die Kosten des Landes für frisches Geld so hoch. Zum Vergleich: Deutschland zahlte vergangene Woche mit 1,80 Prozent einen Zins, der so niedrig war wie nie zuvor.

Commerzbank-Analyst David Schnautz sagte zu Italien: „Dieses Zinsniveau sorgt für Tränen.“ Anleger verlangen einen Risikoaufschlag von Italien, das nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand aller 17 Euro-Länder aufweist.

Die Nachfrage nach den Papieren war gering. Die Auktion war 1,37-fach überzeichnet. Das ist zwar mehr als bei der vorangegangenen Versteigerung im August, aber weniger als im langfristigen Durchschnitt. Insgesamt nahm der Staat mit der Auktion von langlaufenden Bonds 7,86 Milliarden Euro ein.

S&P stufte vorige Woche die Kreditwürdigkeit Italiens überraschend um eine Note auf „A“ herunter und begründete den Schritt mit hohen Schulden, langsamem Wachstum sowie der fragilen Regierung. Die mächtige Ratingagentur warnte zudem vor weiteren Herabstufungen, indem sie den Ausblick bei „negativ“ beließ.

Am Sekundärmarkt zeigte die enttäuschende Emission kaum Auswirkungen. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatspapiere hielt sich konstant bei gut 5,6 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Staatsanleihen: Investoren nehmen Abstand von Italien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was mich am meisten interessiert am Anleihemarkt: Macht der deutsche Finanzminister eigentlich Swapgschäfte, um die Zinsen in der Zukunft zu senken, indem er forward jetzt Kredite zu niedrigen Zinsen mit späterem Auszahlungstermin aufnimmt, um teuere Kredite im Laufe der Zeit billig tauschen zu können? M.E. könnte Schäuble so Hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden Euro sparen. Oder ist man im Finanzministerium etwa nur zeitkongruent bei der Schuldenaufnahme tätig?

  • Das sind doch keine hohen Zinsen!Vor 15 oder 20 Jahren war der Zinssatz mehr als das doppelt so hoch wie heute für dieses Land.Nein nur die absolute Summe der Schulden in Euro ist heute höher als damals,aber die Zinsen sind viel niedriger,das können sie in jeder, zu diesem Bezug erhältlichen, historischen Quelle nachlesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%