Staatsanleihen Neue Wahlumfrage macht Frankreich-Bonds beliebt

Beflügelt von einer Umfrage, nach der wohl Emmanuel Macron französischer Präsident würde, haben viele Anleger sich mit französischen Staatsanleihen eingedeckt. Die Rendite fiel deshalb auf ein Fünf-Wochen-Tief.
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Einer Umfrage vom Wochenende zufolge, würde sich Macron bei einer Stichwahl gegen Marine Le Pen klar durchsetzen. Quelle: AFP
Emmanuel Macron

Einer Umfrage vom Wochenende zufolge, würde sich Macron bei einer Stichwahl gegen Marine Le Pen klar durchsetzen.

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FrankfurtIn der Hoffnung auf einen künftigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron haben sich Anleger am Montag mit Staatsanleihen des Landes eingedeckt. Die drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Fünf-Wochen-Tief von 0,884 Prozent.

Einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage von Odoxa/Dentsu-Consulting zufolge wird der unabhängige Kandidat Macron bei der Stichwahl am 7. Mai seine wahrscheinliche Kontrahentin Marine Le Pen mit 61 zu 39 Prozent besiegen. Die Chefin des rechtsextremen Front National will ihr Land aus der Euro-Zone herauslösen. Zudem konnten sich der Sozialist Benoit Hamon und der unabhängige Kandidat Jean-Luc Melenchon nicht auf eine Allianz einigen. „Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein linker Kandidat Macron oder Fillon überholt“, sagte Anlagestratege Rene Albrecht von der DZ Bank.

Die Rendite bei den Anleihen kehrt zurück
Wie sich die Rendite berechnet
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Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent (also zum Beispiel 1 000 Euro) bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die in Prozent angegebenen Kurse. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt gilt: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Die Kurse vieler Anleihen – vor allem die von Staatsanleihen im Euroraum und in Japan – sind in den vergangenen Jahren so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz eines hohen Zinskupons keine oder nur eine nur geringe Rendite erzielen können. Für manche sind die Renditen sogar negativ. Doch jetzt führen zunehmende politische Unsicherheiten rund um den Amtsantritt Donald Trumps und die Eurozone zu wieder steigenden Renditen – insbesondere bei wirtschaftlich schwächeren Länder. Wie haben sich die Renditen westeuropäischer Länder, Japans und der USA im vergangenen Jahr entwickelt? Die Übersicht zeigt es.

Japan
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Japanische Staatsanleihen gelten traditionell als sehr sicher, viele Japaner leihen dem Staat ihr Erspartes. Dafür sind die Profitchancen beispiellos niedrig – in keinem anderen Land unserer Übersicht erhalten Neuinvestoren weniger Rendite. Im vergangenen Jahr entwickelte sich die zehnjährige japanische Staatsanleihe hier sogar negativ. Am 01.01.2016 lag die Rendite noch bei 0,265 Prozent, am 06.02.2017 nur noch bei minimalen 0,106 Prozent.

Deutschland
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Auch deutsche Bundesanleihen gelten als besonders ausfallsicher. Die Sicherheit hat ihren Preis: Die Renditen für Anleger liegen trotz eines leichten Anstiegs in den vergangenen Monaten weiterhin sehr niedrig – tatsächlich sogar noch unter dem Wert von Anfang vergangenen Jahres. So notierte die zehnjährige Bundesanleihe am 01.01.2016 mit einer rechnerischen Rendite von lediglich 0,629 Prozent. Am 06.02.2017 lag ihre Rendite noch einmal um rund die Hälfte niedriger bei 0,37 Prozent.

Dänemark
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Bergab ging es auch für Dänemark. Während die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe am 01.01.2016 noch bei 0,971 Prozent lag, erreichte sie am 06.02.2017 nur noch 0,396 Prozent.

Niederlande
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Parallelen gibt es auch zwischen Deutschland und den Niederlanden. Auch im westlichen Nachbarland sind die Renditen noch niedriger als im Jahr zuvor. Bei der zehnjährigen Bundesanleihe der Niederlande lag am 01.01.2016 die Rendite bei 0,793 Prozent; am 06.02.2017 nur noch bei 0,57 Prozent.

Finnland
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Wie in den anderen skandinavischen Ländern entwickelte sich auch die Rendite von finnischen Staatsanleihe negativ und fiel von 0,919 Prozent am 01.01.2016 auf 0,595 Prozent am 06.02.2017.

Österreich
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Ähnlich wie Deutschland, den Niederlanden und anderen wirtschaftlich stabilen Ländern ergeht es auch Österreich. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe, die am 01.01.2016 noch 0,899 Prozent notierte, lag am 06.02.2017 nur noch bei 0,647 Prozent.

Macron sicherte sich dagegen die Unterstützung des bürgerlichen Politikers Francois Bayrou. Der lange Zeit favorisierte Konservative Francois Fillon steht unter dem Verdacht der Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen. Starke Umfragewerte Le Pens hatten die Risikoaufschläge für französische Anleihen zu vergleichbaren Bundestiteln vergangene Woche Zeitweise auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch getrieben.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Staatsanleihen: Neue Wahlumfrage macht Frankreich-Bonds beliebt"

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  • Ich halte einen Sieg für Macron für wahrscheinlich, schon deshalb, weil sich alle nicht FN-Anhänger in der Stichwahl zusammentun werden. Ich hoffe, daß er gewinnt, obwohl er EU-freundlich ist.


    Allerdings ist Macron auch die allerletzte Chance, daß Marine Le Pen nie Präsidentin wird. Wenn er es nicht schafft, die Probleme in F (Wirtschaft, arabische Einwanderung, etc.) zu lösen, marschiert der FN bei den nächsten Wahlen durch.

    Fünf Jahre sind eine kurze Zeit für die Lösung der französischen Probleme.

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