Staatsanleihen
Russland pumpt das Ausland an

Jahrelang stand in Russland der Abbau von Schulden klar im Fokus. Doch die Finanzkrise und der Verfall des Ölpreises zwingen das Land jetzt zur Kehrtwende. Um die Devisenreserven, die durch Stützungskäufe für den Rubel stark geschrumpft sind, nicht weiter aufzuzehren, muss sich Russland erstmals seit dem Jahr 2000 Geld im Ausland leihen.

HB MOSKAU. Angesichts der düsteren Konjunktur-Aussichten zieht Russland erstmals seit fast einem Jahrzehnt wieder eine Schuldenaufnahme im Ausland in Betracht. Bereits im kommenden Jahr solle über den Verkauf eines Eurobonds im Volumen von maximal fünf Mrd. Dollar nachgedacht werden, sagte Finanzminister Alexej Kudrin am Dienstag. Es wäre das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass Russland mit einer derartigen Anleihe an ausländische Investoren herantritt. Zudem wäre es eine Kehrtwende für das osteuropäische Land, das sich nach der Krise 1998 auf den Abbau von Schulden konzentriert hat.

Russlands Wirtschaft leidet besonders unter dem Verfall der Energiepreise, dem wichtigsten Exportgut, und der rückläufigen Nachfrage. Kudrin bezeichnete die Vorhersage der Regierung in Moskau, wonach die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,2 Prozent schrumpfen dürfte, als „optimistisch“. Es könnte zudem Jahre dauern, bis Russland die Krise hinter sich lasse. Russland hat zwar in einem Notfallfonds 121 Mrd. Dollar beiseite gelegt. Nach Einschätzung des Finanzministeriums reichen diese Mittel aber nur bis Mitte 2011 aus, um Haushaltslöcher zu stopfen - nicht lange genug.

Eurobonds sind Anleihen, die nicht in der Landeswährung wie Rubel, sondern in einer anderen Währung begeben werden. Die Investoren tragen dabei kein Wechselkursrisiko, das sie bei Rubel-Papieren hätten. Bereits in diesem Jahr wolle Russland auf die Anleger zugehen, sagte Kudrin. „Das erlaubt es den internationalen Investoren, unsere Pläne und Ziele besser kennenzulernen.“

Experten räumen Russland gute Chancen ein, Interessenten für die neuen Anleihen zu finden. „Auch mitten in der Krise kann sich Russland darauf verlassen, auf ausreichenden Zuspruch zu stoßen“, sagte Michail Galkin von der MDM-Bank. Derzeit ist das Land gerade einmal mit 28,4 Mrd. Dollar im Ausland verschuldet, die Ratingagenturen schätzen die Kreditwürdigkeit hoch ein. Auch die Staatsfirmen Gazprom und die VEB-Bank arbeiten an Eurobonds.

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