Staatsanleihen
Spanien finanziert sich am Bondmarkt

Knapp 2,5 Milliarden Euro hat Spanien heute mit neuen Anleihen eingenommen. Trotz großer Nachfrage kletterte die Durchschnittsrendite der drei Anleihen jedoch über das Niveau der vorherigen Auktion.
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MadridDas hoch verschuldete Spanien hat erfolgreich den Kapitalmarkt angezapft. Die Nachfrage nach den Staatsanleihen war hoch, allerdings ist es für das Land wieder deutlich teurer geworden, sich an den Finanzmärkten Geld zu leihen. Spanien konnte sich am Donnerstag 2,49 Milliarden Euro über die Ausgabe längerfristige Anleihen sichern, die verlangten Zinsen legten aber deutlich zu, wie die spanische Zentralbank mitteilte. Für drei- bis vierjährige Schuldverschreibungen zahlt Spanien demnach nun zwischen 4,375 und 5,106 Prozent Zinsen, bei vergleichbaren Papieren waren es zuvor noch 2,89 bis 4,037 Prozent gewesen.

Grund ist vor allem die Lage in Griechenland, wo nach den Parlamentswahlen vor zwei Wochen keine Regierung gebildet werden konnte und nun am 17. Juni erneut Wahlen bevorstehen. Spanien gilt trotz massiver Sparbemühungen seiner Regierung weiter als Wackelkandidat in der Euro-Schuldenkrise.

Spanien ist nach offiziellen Angaben in die Rezession gerutscht und musste zuletzt seinen angeschlagenen Bankensektor mit Milliarden stützen. Wegen der Griechenland-Krise rückte das Land ebenfalls wieder in den Fokus der Finanzmärkte. Das Land hat eine Gesamtverschuldung von 68 Prozent der Wirtschaftsleistung und hat große Probleme, seine Wirtschaft wieder in Schwung und sein Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen.

Bereits am Mittwoch kletterten die Renditen zehnjähriger spanischer Bonds bis auf 6,5 Prozent. Bei Renditeniveaus um sieben Prozent für zehnjährige Papiere ersuchten Griechenland, Irland und Portugal um Rettungspakete von Europa.

“Spanien ist potenziell das größte Land in der Euro-Zone, wo ein Unglück so gut wie vorprogrammiert ist”, sagte Neil Williams, Chefvolkswirt bei Hermes Fund Management in London. “Solange es nicht eine plötzliche und nachhaltige Verbesserung bei der Wettbewerbsfähigkeit Spaniens gibt, wird die nächste Rettungsrunde in Europa sich auf weitere Länder als die bisher bekannten ausdehnen.”

Am Mittwoch warnte Ministerpräsident Mariano Rajoy, Spanien sei ernsthaft in Gefahr, seinen Zugang zu den Kapitalmärkten zu verlieren. Er forderte die Unterstützung durch europäische Institutionen.

Der Anteil ausländischer Gläubiger bei Spaniens Verschuldung ist auf den niedrigsten Stand seit 2003 gefallen. Ende März hielten ausländische Investoren 219,6 Milliarden Euro oder 37,5 Prozent der umlaufenden spanischen Anleihen, wie aus Daten des Schatzamtes hervorgeht. Ende 2011 waren es noch 281,4 Milliarden. Euro oder 50 Prozent. Dagegen stockten spanische Banken ihre Positionen von 94,4 auf 170,6 Milliarden Euro auf, nachdem die Europäische Zentralbank unbegrenzte Dreijahreskredite angeboten hatte.

Deutschland konnte sich dagegen bereits am Mittwoch zu rekordniedrigen Zinsen neues Geld besorgen. Bei der Aufstockung von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wurde bei der Versteigerung ein durchschnittlicher Zinssatz von 1,47 Prozent erzielt, wie die Finanzverwaltung des Bundes und Bundesbank mitteilten. Am Donnerstag lag der Zinssatz zeitweise bei sogar nur 1,42 Prozent. Damit lag die Rendite für Anleihen mit dieser Laufzeit so tief wie noch nie.

Agentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Es hält Sie niemand davon ab Ihr Erspartes ebenfalls in spanische Staatsanleihen zu investieren. Hier ist Ihre Rechnung dann sogar: 0% bezahlen und 6,5% kassieren. Sie haben also eine um fast 20% bessere Rendite als die Banken! Und wenn Spanien nicht zurückzahlt, zahlt der deutsche Steuerzahler. Was ein schönes Geschäft für RamonGaluptra. Einfach genial! Oder?! ;-)

  • Was ein schönes Geschäft für die Banken. 1% bezahlen und 6,5% kassieren. Macht einen Gewinn von 137,5 Millionen pro Jahr. Und wenn Spanien nicht zurückzahlt, zahlt der deutsche Steuerzahler. Einfach genial!

  • http://www.heise.de/tp/blogs/8/152013

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