Staatsanleihen
Sprengstoff in den Bankbilanzen

Wegen der Schuldenkrise könnten Anleihen der Euro-Länder künftig nicht mehr risikolos in den Bankbilanzen stehen, Ökonomen und Finanzanalysten drängen auf eine Neubewertung. Die Folge: Die Finanzhäuser leiden oder der Euro.
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ZÜRICH, FRANKFURT. Den europäischen Banken droht eine neue Kapitallücke. Finanzaufseher denken darüber nach, die bislang risikofreie Bilanzierung von Staatsanleihen aus dem Euro-Raum in den Bankbüchern abzuschaffen. "Das ist ein brennendes Thema für uns", sagt ein Finanzwächter aus der Bankenaufsicht. Ökonomen und Finanzanalysten drängen ebenfalls auf eine Neubewertung.

Dann müssten Finanzhäuser auch für Staatsanleihen Kapital zurücklegen oder ihre Bestände an den staatlichen Schuldscheinen verringern. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera: Zusätzliches Kapital ist teuer und kommt zu den ohnehin schon höheren Kapitalanforderungen infolge des Regelwerks Basel III noch hinzu. Ein Verkauf von Staatsanleihen wäre hingegen ein Brandbeschleuniger für die Euro-Krise.

Dass die Risiken für Staatspapiere aus den Euro-Ländern bislang unterschätzt wurden, ist ein Geburtsfehler der Währungsunion. "Die Finanzminister entschieden (damals), dass innerhalb der Euro-Zone sämtliche öffentlichen Schulden der Mitgliedsländer als risikolos gelten sollten", sagt Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel. In Deutschland ist diese Sorglosigkeit in Paragraf 26 der Solvabilitätsordnung verankert. Für alle Beteiligten war das ein gutes Geschäft: Die Banken mussten kein teures Kapital vorhalten, die Euro-Staaten konnten ihre Schulden günstig finanzieren.

Eine Einladung zum Exzess

Rückblickend war es jedoch ein fataler Fehler. "Dieser Schritt hat wesentlich zur Euro-Krise beigetragen", sagt Gros. Denn ohne die "Null-Risiko"-Vorgabe hätten die Banken vermutlich niemals so viel Geld in riskante Staatsanleihen investiert. Selbst Banker räumen das ein: Das einheitliche Risikogewicht von null Prozent habe direkt dazu beigetragen, dass Banken den Bestand an Staatsanleihen niedriger Qualität "exzessiv" ausgebaut hätten, sagte Commerzbank-Vorstand Achim Kassow dem Europäischen Parlament. Deutsche Banken haben nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mehr als 200 Milliarden Dollar in Griechenland, Irland und Portugal investiert.

Ein Zahlungsausfall könnte eine neue Bankenkrise auslösen. Dadurch, dass Staatsanleihen nicht als Risikoaktiva angerechnet werden, seien die Risiken in den Bilanzen europäischer Banken im vergangenen Jahr gestiegen, sagt Katharina Barten, Bankenexpertin bei der Ratingagentur Moody's.

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  • Klar, wenn der Haircut für Staaten aktuell wird, stellt sich natürlich die Frage nach derer und ihrer Anleihen bewertung. Nachdem nicht einmal alle alten EU-Verträge ratifiziert sind, also nicht verbindlich anerkannt, steht ohnedies Etliches dringlichst zur Diskussion. Die lamentierenden Reden über EU-bonds, Regenschirme und - natürlich immer auf`s Neue: - die bösen Spekulanten, gehen am Kern vorbei. Typisch für Politik eben. Vor allem Spekulanten, Thermometer für die ersten Anzeichen einer Erkrankung, werden verteufelt. Man erspart sich damit, die angezeigte Krankheit zu kurieren.
    Das bankendilemma wird bei dieser Gelegenheit nur erneut deutlich: immer mehr haben wollen und immer weniger dafür tun, geht auch dort am Ende in die sprichwörtliche Hose. Mittlerweile drängt derart vielfältiger Handlungsbedarf bei den banken (auch bei Versicherungen), daß über ein "Großreinemachen" nachgedacht werden sollte.

  • @Politikverdruss

    Oh ja da muss ich ihnen Recht geben,
    ich empfinde genauso.
    Sicher ist den bankern allgemein Habgier vorzuwerfen,
    allerdings muss ich zugeben,
    würde mir die Notenbank ein Jahrzehnt lang nach Abzug der inflation quasi noch 2 % Zins auf das bei ihr geliehene Geld schenken,
    würde ich auch die Hand aufhalten.

    Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch,
    gegen die "kleinen" Rentner kann niemand etwas einwenden, jene verdienen meinem Empfinden nach sogar noch viel mehr Aufmerksamkeit durch die Politik,
    denn sie haben meist richtig gebuckelt für ihre mickrige Rente.

    Denen ist nichts vorzuwerfen, im Gegenteil.
    bei Pensionären gibt es natürlich auch ein paar wenige Ausnahmen, wie z.b. die normalen Streifenpolizisten die einen sehr harten und meist guten Job machen,
    aber Sie werden mir zustimmen wenn ich beginne von EU-beamten und Angestellten rede...

  • @Zeitzeuge
    Vaterlandsverräter ist ein gutes Synonym für berufspolitiker,
    ich würde in der globalisierten Welt ja eher Volksverräter sagen,
    denn mein Geburtsort ist mir insofern egal,
    als dass ich die ganze Welt als meine Heimat betrachte.

    @Manfred

    ihr Herr Gott kann mir gestohlen bleiben.

    Tausende von Jahren unendlicher Verrat und Mißbrauch an der Menschheit durch geistesgestörte Kriminelle die Religionen erfanden um andere zu maßregeln,auszubeuten und zu unterdrücken.

    Wer aus all den armen verbrannten "Hexen",Heretikern,Ketzern und Aidskranken Kondomverweigerern immer noch nichts gelernt hat,
    dem ist nicht mehr zu helfen.

    Verschonen Sie mich bitte mit ihrem wahnsinnigen Gott, der sogar für nach dem Ableben nur Vergeltung und Rachsucht predigt.

    Alles was wir haben und haben werden ist das hier und jetzt,
    und ich habe keine Lust mehr mir genau das von gierigen Politikern versauen zu lassen,
    die nur eines im Sinn haben,
    ihre Wiederwahl.

    Da sind mir doch die banker lieber,
    bei denen weiß man wenigstens woran man ist.

    Sicher ist die Demokratie der bislang beste bekannte Weg,
    aber wo in der bRD sehen Sie aktuell auch nur Ansätze einer wirklichen Demokratie?
    Selbst in den Parteien gibt es doch keine wirkliche Diskussion mehr,
    sondern meist eine von der Spitze aufgezwungene Richtung.

    Ganz ehrlich da ist mir Anarchie lieber,
    das Recht des Stärkeren käme mir persönlich nicht ungelegen,
    auch wenn ich wahre Demokratie mehr als nur bevorzuge.

    MfG

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