Staatsanleihen
Trichet lässt Anleger aufatmen

Im Kampf der europäischen Staaten um günstige Kredite gab es heute eine Verschnaufpause. Die Renditen der spanischen Anleihen gingen zurück – was für steigendes Vertrauen spricht. Auch die Risikoprämien für deutsche Anleihen sinken deutlich. Dennoch besteht kein Grund zur Euphorie: Portugal wackelt weiterhin.
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HB MADRID. Für die von den Märkten bedrängten Krisenstaaten der Eurozone gab es heute eine Verschnaufpause. Vor allem die Renditen der spanischen Anleihen gehen zurück. Die Risikoprämie, also der Aufschlag gegenüber deutschen zehnjährigen Bundesanleihen, fiel gestern von den Höchstständen am Dienstag auf rund 250 Basispunkte. Auch die Renditen italienischer, belgischer und portugiesischer Bonds sanken.

Anleger reagierten damit vor allem auf die Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Der hatte am Dienstag vor dem Europaparlament zumindest nicht ausgeschlossen, dass die Zentralbank künftig mehr Staatsanleihen von hochverschuldeten Ländern aufkaufen würde. Analysten halten es für möglich, dass die EZB auf ihrer heutigen Ratssitzung vermehrte Staatsanleihen-Käufe beschließt.

Die Aussicht darauf führte selbst bei dem derzeit größten Problemfall der Eurozone Portugal dazu, dass die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen deutlich sanken.

Allerdings kann für Portugal kaum von einer wirklichen Entspannung der Lage die Rede sein. Das merkte die mit dem Schuldenmanagement des Staates betraute Finanzagentur, als sie gestern kurzfristige Anleihen mit einjähriger Laufzeit im Volumen von 500 Millionen Euro am Markt platzierte. Zwar übertraf die Nachfrage das Angebot um das 2,5-Fache. Das lag aber an dem exorbitanten Zins von durchschnittlich 5,28 Prozent. Bei der letzten Auktion hatten die Portugiesen noch 4,81 Prozent Zinsen bezahlen müssen.

„Das ist ein sehr hohes Zinsniveau. Portugal wird es nicht aushalten, wenn die Zinsen weiter in diesem Rhythmus steigen – um 47 Basispunkte in zwei Wochen“, sagte Filipe Silva von der Banco Carregosa in Porto. „Die Frage ist, welches der wirkliche Zinssatz im Falle einer Emission mit langer Laufzeit wäre, da sind wir sicherlich bei einem Niveau wie dem, das Irland und Griechenland dazu trieb, externe Hilfe anzufordern“, sagt Paulo Rosário von IG Markets in London.

Immerhin kam es dank Trichets Äußerungen nicht zu dem befürchteten Einbruch am Anleihenmarkt in Reaktion auf eine Warnung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). S&P hatte mitgeteilt, innerhalb von drei Monaten über eine Herabstufung der Bonitätsnote für Portugal zu entscheiden. Die Agentur versah die langfristige Note „A-„ sowie das kurzfristige „A-2“-Rating für Portugal mit einem negativen Ausblick.

S&P begründete diesen Schritt vor allem mit der Sorge um die privaten Gläubiger Portugals nach 2013, wenn alle neuen Staatsanleihen von Euro-Ländern im Rahmen des permanenten Europäischen Krisenmechanismus (ESM) mit Umschuldungsklauseln ausgestattet werden sollen. Der negative Ausblick „reflektiert unsere Sichtweise, dass die Kreditwürdigkeit der Regierung mit erhöhten Risiken besetzt ist“, sagt S&P-Analyst Frank Gill.

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  • @[1] bodo,

    sei doch froh, noch mehr Exporte für die deutsche industrie! Wir wollen doch Export-Weltmeister bleiben.

  • Attackierte nicht die Kanzlerin gerade erst Obama auf dem G20-Gipfel, weil die FED es der EZb nachtun wollte, indem sie ebenfalls Anleihen kauft und Geld druckt?

    inzwischen kam auch noch die Euroschuldenpleite, doch keine Sorge, denn Trichet hat schon sein Rezept für unsere absolut hundertprozentig sichere Rettung verkündet: Er wird einfach NOCH MEHR Anleihen kaufen und NOCH MEHR Geld drucken.

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