Staatsanleihen
Zweiklassenwelt am Rentenmarkt

Staatsanleihen aus der Euro-Zone genießen den Ruf als besonders sichere Anlagen. Doch die Finanzkrise wirbelt auch den Rentenmarkt durcheinander. Während deutsche Bundesanleihen bei den Anlegern hoch im Kurs stehen, sehen die Investoren bei anderen Emittenten aus der Euro-Zone wachsende Risiken.

Die Finanzkrise bringt selbst die Märkte für Euro-Staatsanleihen ins Schleudern. Vergangene Woche haben zwar die Warnung des IWF vor einer Rezession der Industrienationen und die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Anleger wieder in Staatspapiere getrieben. Davon profitierten Bundesanleihen mehr als andere Staatspapiere. Entsprechend sind ihre Renditen stärker gefallen als die anderer Staaten der Euro-Zone. Die Folge: Die Risikoprämien - die Renditeabstände aller Euro-Staaten im Vergleich zu Bundesanleihen - sind extrem hoch. Andere Länder müssen mehr Zinsen für Bonds zahlen als Deutschland.

Erstaunlich ist, dass dies auch für Länder wie Frankreich, Spanien, Österreich, Holland oder Irland gilt, obwohl die Ratingagenturen diesen Staaten wie dem Bund mit dem Rating Triple-A die beste Bonität attestieren. Im zehnjährigen Bereich liegen die Renditen dieser Länder zwischen 0,3 und 0,9 Prozentpunkten über denen der Bundesanleihen. Aufschläge von 1,4 Prozent gibt es in Griechenland, dem die Ratingagenturen die schlechtesten Bonitätsnoten unter den großen Euro-Ländern geben. (s. "Aufschläge extrem gestiegen").

"Wir haben im Euro-Raum derzeit eine ganz klare Spaltung: Es gibt Deutschland und den Rest", sagt Peter Schaffrik, Zinsstratege bei Dresdner Kleinwort. Abgezeichnet hat sich die Entwicklung hin zu steigenden Risikoprämien bereits im März. In den vergangenen Wochen hat sich die Lage aber deutlich verschärft. Ende Oktober, als Banken begannen, die staatlichen Rettungspakete in Anspruch zu nehmen, wuchsen die Sorgen, dass dies die Staatshaushalte belastet werde. Das trieb die Risikoprämien zehnjähriger griechischer Staatsbonds auf ein Rekordhoch von 1,6 Prozentpunkten. Die Aufschläge Italiens - auch ein Land mit schwächerem Rating - kletterten auf bis zu 1,3 Prozentpunkte.

Die Verwerfungen kommen Strategen zufolge vor allem dadurch zustande, dass Bundesanleihen liquider und damit besser handelbar als andere Staatsanleihen sind. Gründe dafür sind die hohen Volumina deutscher Rententitel von bis zu 25 Mrd. Euro und die Absicherungs- und Spekulationsmöglichkeiten über Terminkontrakte wie den Bund-Future. So sind auch die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen bei Bundesanleihen viel geringer als bei anderen Bonds. Und im Zuge der gestiegenen Risikofurcht suchen institutionelle Anleger vor allem gut handelbare Wertpapiere.

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