Staatspapiere
Internationale Anleihemärkte stabilisieren sich

Bei Staatsanleihen geht es so turbulent zu wie seit drei Jahren nicht. Nachdem die Renditen von zehnjährigen US- und zehnjährigen Bundesanleihen von Mitte Mai bis Anfang Juni extrem stark gestiegen waren, gingen sie bis Anfang dieser Woche wieder kräftig zurück. Mittelfristig rechnen Fachleute aber mit leicht steigenden Renditen.

FRANKFURT. Die Staatsanleihen, bei denen das Ausfallrisiko gleich Null ist, profitierten zuletzt laut Analysten eindeutig von ihrem Ruf als sicherer Anlagehafen. Mittelfristig spricht nach Ansicht von Fachleuten indes mehr für leicht steigende als für fallende Renditen. „Dabei hängt aber viel von den Nachrichten über das Ausmaß der Subprime-Krise ab“, betont Peter Müller, Leiter der Zinsstrategie bei Commerzbank Corporates and Markets. Sollte die Subprime-Krise das Finanzsystem und die US-Volkswirtschaft belasten, würde die Flucht in Anleihen erneut angeheizt. Beides hält Müller aus jetziger Sicht für unwahrscheinlich.

Die Subprime-Krise um die Immobilienkredite schwacher privater Schuldner in den USA hat Anleger seit Juli zu Staatstiteln greifen lassen. Dies hat sich verstärkt seit die Ratingagenturen am 10. Juli damit begannen, verbriefte und strukturierte Anleihen, die mit den zweitrangigen Subprime-Hypotheken gedeckt sind, reihenweise herabzustufen. Am gestrigen Dienstag ließ die Zuflucht in die Staatsbonds nach. Entsprechend sanken die Kurse, und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf deutlich über 4,3 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere erhöhte sich auf mehr als 4,8 Prozent. Mitte Juni hatten die zehnjährigen Renditen im Euro-Raum und den USA noch bei 4,7 und 5,3 Prozent gelegen.

Analysten rechnen nach Angaben des Forschungsinstituts Consensus Economics im Schnitt damit, dass die zehnjährigen Renditen in der Euro-Zone und den USA am Ende des Jahres bei 4,7 respektive bei 5,2 Prozent liegen werden.

Die Entwicklungen am amerikanischen Wohnimmobilienmarkt dürften auch nach Einschätzung der Dekabank nicht zu einem gravierenden Einbruch des Wirtschaftswachstums in den USA führen. Von daher erwartet auch die Dekabank, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen von derzeit 4,25 Prozent unverändert lässt und die Europäische Zentralbank (EZB) den Schlüsselzins bis Jahresende in zwei weiteren Schritten auf 4,50 Prozent erhöht. Entsprechend sollten auch die zehnjährigen Renditen noch leicht steigen.

Die Strategen der DZ Bank betonen ebenfalls, es sei unwahrscheinlich, dass die US-Hypothekenkrise die gesamte US-Volkswirtschaft in Mitleidenschaft ziehe. Damit sollten auch Leitzinssenkungen in den USA „vom Tisch sein“. An den Terminmärkten lässt sich ablesen, dass Investoren nicht so deutlich auf Zinssenkungen der Fed spekulieren wie im März als die Subprime-Krise mit den Pleiten privater US-Baufinanzierer erstmals deutlich hochkochte.

Die Fed hat zuletzt ihre Wachstumsprognosen auf Grund der US-Immobilienkrise leicht auf 2,25 bis 2,5 Prozent gesenkt. Gleichzeitig betonte Fed-Chef Ben Bernanke die Inflationsrisiken.

Für den Euro-Raum rechnet HSBC Trinkaus & Burkhardt mit einem Wachstum von 2,5 bis drei Prozent und einer Inflationsrate von zwei Prozent. Die EZB werde die Leitzinsen in diesem Jahr noch zweimal anheben. „Von daher dürften die Renditen noch leicht steigen“, meint Zinsstratege Thomas Amend.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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