Staatsverschuldung
Spanien droht der Bond-Kollaps

Die Rendite spanischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren ist zuletzt kräftig gestiegen. Wenn sich nicht bald etwas ändert, droht Schlimmes. Experten sprechen von einem gefährlichen Gemisch.
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MadridMittlerweile liegt die Rendite bei jeder spanischen Staatsanleihe, deren Laufzeit über das Jahr 2017 hinausgeht, bei mehr als sechs Prozent. Seit dem 1. Juni finanziert sich das Land zu 80 Prozent und mehr über die kürzeren Laufzeiten. Zum Vergleich: Im Falle von Deutschland liegt der Anteil der Emissionen mit kürzeren Laufzeiten bei 60 Prozent, und in Italien bei 66 Prozent.

„Finanzierungskosten von fünf oder sechs Prozent sind bei kurzen Laufzeiten nicht tragfähig”, sagt Michael Leister, Zinsstratege bei der DZ Bank AG in Frankfurt, „sie können sich derzeit durchwursteln, aber wenn es nicht zu einer fundamentalen Verbesserung kommt, dann könnten sich die Dinge ändern”, fügt er an. Die Kombination aus steigenden Renditen und abnehmendem Wirtschaftswachstum nennt er „eine giftige Mischung”.

Bloomberg-Daten zufolge sind Spanien und Slowenien die einzigen Euro-Länder, in denen die zweijährigen Finanzierungskosten inzwischen höher liegen als die durchschnittlichen Kosten im vergangenen Jahr. Das erschwert es dem spanischen Finanzministerium, bis zum Jahresende wie geplant 30 Mrd. Euro aufzunehmen, wie Craig Veysey, Leiter Festverzinsliche bei Principal Investment Management in London, erläutert.

Die Rendite zweijähriger Spanien-Anleihen liegt bei 4,53 Prozent gegenüber durchschnittlich 3,70 Prozent für die letzten zwölf Monate. Zum Vergleich: bei den zweijährigen deutschen Staatspapieren ist die Rendite am 13. Juli auf ein Rekordtief bei minus 0,052 Prozent gesunken.

„Spanien müsste sich wirklich abmühen, um längerfristige Anleihen am Markt unterzubringen, und das ist ein reales Problem für das Land”, sagt Versey. „Zurzeit hängen sie am kurzen Ende fest. Letztendlich werden sie in die Zahlungsunfähigkeit getrieben”.

Spanien hatte im Juni internationale Hilfen im Umfang bis 100 Mrd. Euro für seine Banken beantragt und wurde damit das vierte Land der Eurozone, das Rettungsgelder der EU benötigt. Griechenland, Irland und Portugal - Länder, die zuvor Rettungspakete erhalten haben - sind alle seit mindestens einem Jahr nicht mehr am Kapitalmarkt aufgetreten.

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  • Toller Kommentar! Danke!

  • @Fred
    Bravo! Sie haben meine volle Zustimmung!

  • Welche Zinssätze hat Spanien vor der €-Einführung klaglos bezahlt? Eben. Ich verstehe deshalb nicht, weshalb die nun genannten Zinssätze "inakzeptabel" sein sollen. Das Land steht trotz Rezession schuldenmäßig viel besser da als Italien oder Belgien! Übrigens: wir stehen überhaupt nicht toll da - die Regierung spart selbst Null!!! im Gegenteil, auch in bester wirtschaftlicher Lage gibts Neuverschuldung; noch nie wurde 1 € getilgt!!! - und es gibt Negativzinsen.

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